Deutschland

Bundeslockdown führt zum Wirtschaftseinbruch

Der erneute Lockdown wegen der dritten Corona-Welle hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal unerwartet deutlich schrumpfen lassen.
30.04.2021 10:52
Aktualisiert: 30.04.2021 10:52
Lesezeit: 2 min

Der erneute Lockdown wegen der dritten Corona-Welle hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal unerwartet deutlich schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Januar bis März um 1,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag zu seiner Schnellschätzung mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Minus von 1,5 Prozent erwartet. Grund für das Minus waren die erneuten Corona-Beschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie. „Davon war besonders der private Konsum betroffen, während die Warenexporte die Wirtschaft stützten“, erklärten die Statistiker. Zuvor war die deutsche Wirtschaft zwei Quartale in Folge gewachsen, und das etwas stärker als bislang angenommen: Im Schlussvierteljahr 2020 um revidiert 0,5 Prozent, im vorangegangenen Sommer sogar um 8,7 Prozent.

„Das heftige Wiederaufflammen der Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal erneut einbrechen lassen“, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), Claus Michelsen. „Der Silberstreif am Horizont ist der Impfschutz, der voraussichtlich in den Sommermonaten ausreichen wird, um die Corona-Pandemie in Deutschland zu stoppen.“ Der Erholungsprozess könne dann schnell einsetzen, wenn die privaten Haushalte ihre Ersparnisse aus der Pandemiezeit ausgeben.

Deutschland ist damit schlechter ins Jahr gestartet als andere große Euro-Länder. Frankreich schaffte ein überraschend kräftiges Wachstum von 0,4 Prozent, während die spanische Wirtschaft um 0,5 Prozent schrumpfte. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag zu Jahresbeginn um 4,9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Ende 2019, so die Statistiker.

Europas größte Volkswirtschaft wurde zu Jahresbeginn gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Geschlossene oder nur eingeschränkt geöffnete Geschäfte belasteten den privaten Konsum. Zugleich hatten viele Verbraucher größere Käufe auf das Jahresende 2020 vorgezogen, um Preisersparnisse aufgrund der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer mitzunehmen. Die eigentlich boomende Baubranche wurde von Minustemperaturen behindert. Die Auftragsbücher der exportabhängigen Industrie sind zwar wegen der höheren Nachfrage etwa aus China voller als vor Ausbruch der Pandemie, doch wurde die Produktion etwa in der Autobranche durch Knappheiten bei Vorprodukten wie Halbleitern behindert.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft ab Frühjahr wieder auf Wachstum schaltet. „Der weitere Ausblick ist immer noch zwiegespalten“, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle jedoch einschränkend. „Auf der einen Seite bleiben die Risiken der Pandemie hoch. Insbesondere weil sich der Lockdown immer weiter in das zweite Quartal hineinschiebt, könnte die wirtschaftliche Dynamik im laufenden Quartal hinter den Erwartungen zurückbleiben.“ Auf der anderen Seite dürfte die deutsche Binnenkonjunktur nach der Befreiung von den Lockdownfesseln einen kräftigen Schub erfahren. Dieser werde durch die hohen Auftragsbestände, die abgearbeitet werden müssten, und die leer gefegten Lager, wie wieder befüllt werden müssten, noch verstärkt werden.

Die Bundesregierung rechnet für 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 3,5 Prozent, dem 2022 ein Plus von 3,6 Prozent folgen soll. 2020 war es noch um revidiert 4,8 (bisher: 4,9) Prozent eingebrochen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Brüsseler Personalpoker: Spekulationen um vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Lagarde
18.02.2026

Christine Lagarde könnte die EZB vor Ende ihrer Amtszeit verlassen. Hintergrund sind offenbar Sorgen, dass nach den Wahlen in Frankreich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau durch KI-Einsatz: Ergo streicht 1000 Arbeitsplätze bis 2030
18.02.2026

Künstliche Intelligenz verändert die Versicherungsbranche und wirkt sich zunehmend auch auf Arbeitsplätze aus. Wird der Stellenabbau bei...

DWN
Politik
Politik Bundestagswahl 2025: BSW hat Wahlprüfungsbeschwerde eingereicht
18.02.2026

Das Bündnis Sahra Wagenknecht zweifelt am amtlichen Endergebnis vom Februar 2025. Nun setzt die Partei auf das Bundesverfassungsgericht.

DWN
Politik
Politik Hoffnung im Wohnungsbau: Mehr Baugenehmigungen
18.02.2026

Erstmals seit 2021 gibt es wieder mehr Baugenehmigungen für Wohnungen. Doch der Wohnraummangel bleibt. Wann zündet der Bau-Turbo der...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Kampf um Rohstoffe – die Machtfrage des 21. Jahrhunderts
18.02.2026

Rohstoffe sind längst mehr als nur Handelsgüter – sie sind zu einer neuen Währung in einer von Machtstreben dominierten Welt geworden....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau: Keine neuen Jobs zum Jahresende - Fachkräftemangel wird geringer
18.02.2026

Auf Grund der schwachen Konjunktur sinkt die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland weiter. Dienstleistungsjobs können die Jobverluste in...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Schicksalswahl: Orban im Wahlkampf - Was für ihn auf dem Spiel steht
18.02.2026

Die Macht des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban wackelt: Ein Ex-Insider begeistert mit Kajak-Touren und Social-Media-Sarkasmus...

DWN
Panorama
Panorama Störung: Deutsche Bahn-App funktioniert nicht wegen erneuter IT-Panne
18.02.2026

Schon wieder sorgt eine DB App-Störung für Chaos bei Bahnreisenden: Die Deutsche Bahn-App und bahn.de kämpfen erneut mit IT-Problemen....