Finanzen

EU-Kommission plant großen Schlag gegen das Bargeld

Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen will ein Totalverbot für Barzahlungen von über 10.000 Euro. Wer zuvor genau davor gewarnt hatte, wurde in der Öffentlichkeit als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt.
22.05.2021 21:18
Aktualisiert: 22.05.2021 21:18
Lesezeit: 2 min

Um angeblich die Geldwäsche zu bekämpfen, möchte die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen Barzahlungen von über 10.000 Euro verbieten. Die Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir reden über eine Obergrenze von 10.000 Euro. So viel Geld in den Taschen herumzutragen, ist ganz schön schwer. Die meisten Menschen machen das nicht. Aber wir respektieren es, dass Bürger Bargeld mögen, und wir wollen es nicht abschaffen. Doch wir wollen saubere Euros, keine dreckigen.“ Das Verbot soll nur ein Teil von Vorschlägen, die man in geltendes Recht umsetzen möchte, um gegen Geldwäsche zu kämpfen. Es soll auch eine EU-Behörde gegründet werden, die sich diesem Bargeld-Thema und der Geldwäsche widmet.

Dieser Bericht, der vor etwa eineinhalb Wochen in der Öffentlichkeit kursierte, führte zu verschiedenen Spekulationen.

„Die EU schützt Euro-Banknoten explizit als gesetzliches Zahlungsmittel“, betont Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission, im Hinblick auf Medienberichte, die fälschlicherweise suggerierten, die EU wolle Bargeld abschaffen. Im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV), genauer gesagt in Artikel 128 Absatz 1 Satz 3, sind Euro-Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel verankert. Zudem hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil vom 21. Jänner 2021 festgehalten, dass das vorrangige EU-Verfassungsrecht Vorschriften entgegensteht, welche die rechtliche oder faktische Abschaffung des Euro-Bargelds bezwecken oder bewirken. Trotzdem übersieht Selmayer, dass die geplante Obergrenze bei Bargeldzahlungen sehr restriktiv ist.

Die dpa meldete am 14. Mai 2021 in einem ähnlichen Zusammenhang: „Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind gegen schärfere Geldwäsche-Regeln bei der Einzahlung von Bargeld. Sie kritisierten Pläne der Finanzaufsicht Bafin, den Banken über Anwendungshinweise vorzuschreiben, bei Bar-Einzahlungen ab 10.000 Euro grundsätzlich schriftliche Herkunftsnachweise zu verlangen. Bei Gelegenheitskunden soll dies den Plänen zufolge schon ab 2500 Euro greifen. Bargeld werde stigmatisiert, ohne dass ein Mehrwert bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung entstehe, erklärten der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken am Freitag gemeinsam. Die geforderten Dokumente könne kaum ein Bankmitarbeiter auf Echtheit überprüfen. Es sei auch damit zu rechnen, dass vielen Kunden der Nachweis unmöglich sein werde. Die Kreditinstitute seien zudem vielfach in den Kontoverträgen verpflichtet, Bargeld als Einzahlung anzunehmen.“

Die Entwicklungen in Europa harmonieren mit den zielen der Better than Cash Alliance („Besser als Bargeld-Allianz – BTCA). Die BTCA kämpft weltweit gegen die Verwendung von Bargeld und für einen breitflächigen Einsatz digitaler Bezahlmethoden. Hinter der in New York ansässigen Organisation stehen nicht nur Microsoft-Gründer und Multimilliardär Bill Gates sowie die Clinton Development Initiative, sondern auch die US-Regierung, Großbanken wie die Citibank und mit Mastercard und Visa auch zwei weltweit führende Kreditkartenunternehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Wirtschaftskrieg gegen Iran: Trump droht mit „wirtschaftlichen D-Day“
20.08.2026

Mit Sanktionen historischen Ausmaßes will Donald Trump den Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen. Während Teheran die Drohungen als...

DWN
Technologie
Technologie Solaranlagen-Ausbau: Photovoltaik auf Rekordkurs – doch die nächsten Ziele wackeln
20.08.2026

Mehr als 128 Gigawatt Solarleistung sind inzwischen in Deutschland installiert. Damit ist das Jahresziel vorzeitig erfüllt. Für die...

DWN
Politik
Politik AfD-Regierung im Osten? Mehrheit der Deutschen lehnt sie ab
20.08.2026

Hohe Umfragewerte machen einen AfD-Ministerpräsidenten im Osten zumindest rechnerisch denkbar. Die Mehrheit der Deutschen lehnt dieses...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher deutlich leerer: Verbraucherschützer warnen vor steigenden Gaspreisen
20.08.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schwächer gefüllt als im Vorjahr. Verbraucherschützer warnen Gaskunden vor steigenden Preisen im...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Sprung auf Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen Kfz-Versicherung: Prämien steigen kaum – Trendwende?
20.08.2026

Das Vergleichsportal Verivox sieht vorerst nur leicht erhöhte Kfz-Versicherungsprämien. Höhere Reparaturkosten könnten die Entwicklung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektromobilität: Europas Autobauer rütteln am Verbrenner-Aus
20.08.2026

Das Verbrenner-Aus galt lange als beschlossene Zukunft der europäischen Autoindustrie. Doch Hersteller zweifeln zunehmend am Tempo der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Moderna im Rampenlicht bei steigender Wall Street
19.08.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die US-Märkte beflügeln und warum ein bestimmter Sektor derzeit für historische...