Politik

Weltgrößter Fleischkonzern fährt Produktion nach Cyberattacke hoch

Erneut hat Erpressungs-Software ein großes Unternehmen schwer getroffen. Nur wenige Wochen nach dem Stopp einer Benzin-Pipeline in den USA standen dort große Fleischfabriken still.
03.06.2021 11:02
Lesezeit: 2 min
Weltgrößter Fleischkonzern fährt Produktion nach Cyberattacke hoch
Das Wort «Cybersec» steht am 04.05.2017 in Potsdam (Brandenburg) auf einem Plakat im Hasso-Plattner-Institut (HPI). (Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

Der weltgrößte Fleischkonzern JBS hat die Folgen einer massiven Cyberattacke nach mehreren Tagen mit Produktionsausfällen weitgehend bewältigt. Alle Werke in den USA sollen am Donnerstag wieder mit voller Kapazität arbeiten, teilte der brasilianische Konzern mit. Am Mittwoch lief demnach der Großteil der JBS-Fabriken wieder. Darunter seien die gesamte Schweinefleisch- und Geflügel-Produktion weltweit sowie die meisten Rindfleischfabriken in den USA und Australien.

JBS war am Wochenende Ziel einer Attacke mit Erpressungs-Software geworden, die Urheber werden in Russland vermutet. Bei solchen Angriffen werden Computer verschlüsselt, und die Angreifer verlangen Lösegeld für die Freigabe. JBS betonte, die Backup-Server mit gesicherten Daten seien nicht betroffen gewesen und wurden zur Wiederherstellung der Systeme genutzt. Zunächst standen aber unter anderem diverse Werke in den USA still, wo von JBS-Unternehmen rund ein Viertel der Rindfleisch- und ein Fünftel der Schweinefleisch-Produktion kommt. Auch in Kanada und Australien nahmen die Fabriken den Betrieb wieder auf.

Die Attacke sorgt für neue Spannungen zwischen Washington und Moskau. Die US-Regierung habe Russland klargemacht, dass ein verantwortungsvoller Staat Urheber solcher Attacken nicht beherberge, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses.

Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow bestätigte laut Agentur Interfax nur, dass es ein Gespräch zwischen dem US-Außenministerium und der russischen Botschaft in Washington gegeben habe. Dem Kreml lagen entsprechende Informationen laut eigener Darstellung zunächst nicht vor. «Nein, mir ist dazu überhaupt nichts bekannt», sagte Sprecher Dmitri Peskow zudem auf die Frage, ob er etwas über die Organisatoren der Attacke wisse.

Erst vor wenigen Wochen hatte eine Attacke mit Erpressungs-Software den Betrieb einer der größten Benzin-Pipelines in den USA gestoppt und die Kraftstoffversorgung in dem Land vorübergehend eingeschränkt. Der Betreiber Colonial zahlte den Angreifern ein Lösegeld von 4,4 Millionen Dollar (3,6 Mio Euro), wie das Unternehmen einräumte. Auch hinter dieser Attacke werden in den USA Hacker aus Russland vermutet.

Die Holding «J&F Investimentos», zu der JBS gehört, beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 250 000 Menschen und ist in 190 Ländern vertreten. Die Werke in Großbritannien und Mexiko seien von der Attacke nicht betroffen gewesen, teilte JBS mit. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Angreifer an irgendwelche Daten zu Kunden, Zulieferern oder Mitarbeitern gekommen seien. Der Chef des US-Geschäfts von JBS, Andre Nogueira, bedankte sich ausdrücklich beim Weißen Haus, der Bundespolizei FBI und dem amerikanischen Agrarministerium für die Unterstützung. Das Ministerium setzte wegen der Attacke die tägliche Veröffentlichung der Daten zu Großhandels-Fleischpreisen aus.

Attacken mit Erpressungs-Trojanern hatten in den vergangenen Jahren mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Allein 2017 legte im Mai der Erpressungs-Trojaner «WannaCry» neben den Computern vieler Privatleute unter anderem Computer in britischen Krankenhäusern sowie Fahrplan-Anzeigen der Deutschen Bahn lahm. Wenige Wochen später traf die Lösegeld-Software «NotPetya» unter anderem die Reederei Maersk und den Nivea-Hersteller Beiersdorf.

Diese Attacken breiteten sich seinerzeit unter anderem deshalb so schnell aus, weil Computer mit älteren Windows-Systemen und nicht geschlossenen Sicherheitslücken für sie ein leichtes Opfer waren. Sie galten deshalb als ein Weckruf für mehr IT-Sicherheit. Dennoch gab es nun erneut mehrere erfolgreiche Angriffe mit Lösegeld-Software.

Mikko Hyppönen von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure führt dies unter anderem darauf zurück, dass die Angriffsfläche mit dem digitalen Wandel in allen Branchen immer größer werde. «Wir bringen alles online.» Es werde noch dauern, bis diese allgemeine Bewegung ins Netz angemessen abgesichert werde: «Ich denke nicht, dass wir das Schlimmste schon erlebt haben.»

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenübernahme in der Stahlbranche: US-Konzern greift nach Klöckner & Co
16.01.2026

In der Stahlindustrie bahnt sich ein milliardenschwerer Deal an: Worthington Steel aus den USA will Klöckner & Co für elf Euro je Aktie...

DWN
Politik
Politik Förderung Elektroautos: Regierung vertagt Details zur neuen E-Auto Prämie 2026
16.01.2026

Wer auf eine baldige Klarheit zur neuen Kaufprämie für Elektroautos gehofft hat, muss sich weiter gedulden. Bundesumweltminister Carsten...

DWN
Technologie
Technologie 2025 baute Deutschland fast 1.000 neue Windräder an Land
16.01.2026

Windräder an Land sind vor Ort oft umstritten, sollen aber eine zentrale Rolle bei der Energiewende spielen. Der Ausbau nahm 2025 deutlich...

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Europas Durchsetzungskraft auf dem Prüfstand
16.01.2026

Die europäische Sanktionspolitik gegen Russland gerät zunehmend unter rechtlichen und finanziellen Druck. Gefährden Klagen russischer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: TSMC sorgte für Zuversicht an der Wall Street und trieb die Aktienkurse nach oben
16.01.2026

Die US-Aktienmärkte bewegten sich am Donnerstag nach oben, als die aktuellen Ergebnisse des Chipherstellers TSMC die Investoren beruhigten...

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...

DWN
Politik
Politik Trumps Ölpolitik: Widerstand in der US-Ölindustrie wächst
15.01.2026

Die US-Regierung treibt einen energiepolitischen Kurs voran, der in der heimischen Ölindustrie auf wachsenden Widerstand stößt. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Reparaturpflicht für Smartphones und Waschmaschinen: Verbraucher profitieren
15.01.2026

Ab diesem Sommer gilt ein Recht auf Reparatur für Smartphones, Waschmaschinen und andere Geräte. Hersteller müssen Reparaturen während...