Deutschland

Aufträge der deutschen Industrie schwächeln, wieder mehr Kurzarbeit

Die Auftragslage der deutschen Industrie hat sich kaum gebessert, die Umsätze gehen zurück. Daher setzen die Betriebe nun wieder auf mehr Kurzarbeit.
04.11.2021 10:11
Lesezeit: 2 min

Die deutsche Industrie hat sich im September wegen der sinkenden Nachfrage aus dem Inland und der Euro-Zone vom zuvor erlittenen Auftragseinbruch nur wenig erholt. Die Unternehmen zogen 1,3 Prozent mehr Bestellungen an Land als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem Wachstum von 2,0 Prozent gerechnet. Im August hatte es noch einen Rückgang um revidiert 8,8 Prozent gegeben, der damit deutlich größer ausfiel als zunächst mit 7,7 Prozent angegeben - es war der größte Einbruch seit April 2020, als die Corona-Krise für eine Nachfrageflaute sorgte.

Ökonomen sehen für die Industrie angesichts des anhaltenden Materialmangels vor schwierigen Monaten, auch wenn die Aufträge im abgelaufenen dritten Quartal insgesamt gestiegen sind. "Wegen des Materialmangels kann die Industrie das allerdings kaum in eine steigende Produktion ummünzen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Hinzu komme, dass die neue Corona-Welle in China wieder zu Schließungen von Fabriken führen dürfte, die für den Nachschub der deutschen Industrie wichtig seien. "Die deutsche Wirtschaft wird im vierten Quartal wohl kaum wachsen", so die Prognose des Ökonomen. Im Sommerquartal hatte es noch zu einem Plus von 1,6 Prozent gereicht.

"NOCH LÄNGERE ZEIT PARADOX"

Für das Auftragswachstum im September sorgte allein die anziehende Auslandsnachfrage. Sie stieg um 6,3 Prozent zum Vormonat. Dabei sanken die Aufträge aus der Euro-Zone zwar um 7,3 Prozent, doch die aus dem restlichen Ausland kletterten dafür um 14,9 Prozent. Die Bestellungen aus dem Inland ließen um 5,9 Prozent nach und damit bereits den dritten Monat in Folge.

Dass es bis zur Erholung von der Corona-Pandemie noch ein weiter Weg ist, zeigt auch die Umsatzentwicklung in der Industrie: Die Einnahmen fielen im September um 0,3 Prozent niedriger aus als im Vormonat und blieben kalenderbereinigt sogar um 2,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Unternehmen reagieren darauf mit mehr Kurzarbeit. Gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend stieg die Zahl der davon betroffenen Industriebeschäftigten im Oktober um 20.000 auf 226.000, wie das Ifo-Institut herausfand. "Der Engpass bei den Vorprodukten würgt die Produktion regelrecht ab", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Beim gegenwärtigen Auftragsbestand dürften eigentlich höchstens 10.000 Beschäftigte in der Industrie in Kurzarbeit sein.

"Die Situation wird wohl noch längere Zeit paradox bleiben", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, zu der Entwicklung. "Die Industrie hat eigentlich genügend Aufträge, um die Produktion auf Hochtouren laufen zu lassen, doch in Anbetracht fehlender Teile tröpfelt der Ausstoß lediglich vor sich hin." So fehlen beispielsweise Mikrochips, die in zahlreichen Produkten von Autos bis Haushaltsgeräten enthalten sind.

Wegen der Engpässe wird der Aufschwung in diesem Jahr nach Prognose der Bundesregierung eine Nummer kleiner ausfallen als ursprünglich gedacht. Sie senkte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent. 2022 soll es zu einem Plus von 4,1 Prozent reichen, 2023 dann zu 1,6 Prozent.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Geopolitik treibt die Ölpreise aktuell weiter nach oben – Brent-Öl auf dem höchsten Niveau seit Oktober
13.01.2026

Die Ölpreise stehen erneut im Fokus der Märkte, nachdem geopolitische Spannungen und politische Signale die Notierungen antreiben....

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...