Finanzen

Schlechtes Omen: Privatbanken schränken Einlagensicherung ein

Die deutschen Privatbanken schränken ihre Einlagensicherung ein.
09.12.2021 11:00
Lesezeit: 1 min

Die Privatbanken schränken nach dem Milliardenschaden aus dem Zusammenbruch der Bremer Greensill Bank ihre Einlagensicherung ein. Dabei soll es erstmals Obergrenzen für den Schutz geben, die im Zuge der Reform schrittweise gesenkt werden, wie der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) am Mittwoch mitteilte. „Wir fokussieren die Einlagensicherung auf ihre Kernaufgabe: Wir schützen diejenigen, die diesen Schutz wirklich benötigen“, sagte Deutsche-Bank-Chef und BdB-Präsident Christian Sewing. „Der Fall Greensill markiert hier eine Zäsur.“ Die Reform soll in drei Stufen umgesetzt werden.

Unter anderem werden Einlagen von Versicherungen, Investmentgesellschaften und öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Anstalten ab 2023 nicht mehr geschützt, sollte eine Mitgliedsbank kollabieren. Spareinlagen von Städten und Gemeinden sind bereits seit einigen Jahren aus der Einlagensicherung ausgenommen. Auch sollen Einlagen von Firmen mit einer Laufzeit von mehr als zwölf Monaten ab 2023 nicht mehr unter die Einlagensicherung fallen. Bisher lag die Laufzeit bei 18 Monaten.

„Die Einlagensicherung wird künftig auf die Kundengruppen ausgerichtet, die diesen Schutz auch wirklich benötigen“, sagte Sewing. „Zukünftig werden auch nur jene Einlagen unter die Einlagensicherung fallen, die sich auf Konten in Deutschland befinden“, führt er aus.

Die privaten Banken ziehen ab 2023 erstmals Obergrenzen für den Schutzumfang ein. Ab dann sind für private Sparer maximal fünf Millionen Euro geschützt, für Unternehmen soll die Obergrenze bei 50 Millionen Euro liegen. 2025 soll der Schutzumfang für private Sparer auf drei Millionen Euro und auf 30 Millionen Euro für Unternehmen sinken. Zum Abschluss der Reform ab 2030 soll er für Sparer nur noch eine Million Euro betragen - für Unternehmen zehn Millionen Euro.

„Für uns ganz wichtig, für 98 Prozent der privaten Sparerinnen und Sparer ändert sich durch diese Reform nichts“, sagte Sewing. Auch nach 2030 würden zudem die Sicherungsgrenzen deutlich höher liegen als bei den Einlagensicherungen aller anderen europäischen Staaten. Der BdB stellt außerdem den eigenen Prüfverband neu auf, der die Institute, die Mitglied der Sicherungseinrichtung sind, regelmäßig prüft. Dabei sei der BdB auf einem sehr guten Weg, sagte Sewing. Künftig solle beim Prüfverband das Risikomanagement noch stärker im Zentrum stehen.

Der Einlagesicherungsfonds wird durch seine mehr als 120 Mitglieder und ihre regelmäßigen Mitgliedsbeiträge gespeist. Dazu zählen Branchengrößen wie die Deutsche Bank und die Commerzbank. Wenn er angezapft ist, müssen ihn die Mitglieder wieder auffüllen. Der BdB hatte nach dem rund drei Milliarden Euro schweren Schadensfall durch den Greensill-Kollaps eine Reform des Einlagensicherungsfonds angekündigt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...

DWN
Politik
Politik Midterms 2026: Doppelniederlage für Trumps Republikaner
04.11.2026

Zwanzig Jahre hat es gedauert, jetzt ist es wieder passiert: Trumps Republikaner verlieren Repräsentantenhaus und Senat zugleich. Selbst...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto und Finanzamt: Wo Anleger in Steuerfallen geraten – und wann Steuerhinterziehung droht
04.11.2026

Ab 2027 melden Krypto-Anbieter erstmals automatisch Transaktionsdaten an das Bundeszentralamt für Steuern – und zwar für das gesamte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Aktie: Gewinn von BMW schrumpft - Jobabbau wird ausgeweitet
04.11.2026

Am Dienstagabend erschreckt der Autobauer die Märkte mit der zweiten Gewinnwarnung im laufenden Jahr. Das liegt auch daran, dass die...

DWN
Politik
Politik Machtkampf in Polen: Warum Investoren nervös werden könnten
04.11.2026

Polizisten vor dem Verfassungsgericht, eine aufgebrochene Absperrung und ein Präsident, der sich mitten in einer nächtlichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Continental-Aktie steigt: Conti hebt nach starkem Quartal Gewinnprognose an
04.11.2026

Große Reifen für E-Autos sorgen bei Continental für Rückenwind, teurere Rohstoffe bremsen. Nun hat der Hersteller im dritten Quartal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Stimmung in der Autoindustrie springt nach oben
04.11.2026

Der Index springt um fast 30 Punkte. Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren dreht die Einschätzung der aktuellen Lage ins Plus. Grund...