Politik

Der totale Zerfall Bosnien-Herzegowinas nimmt Konturen an

Das Parlament der serbischen Region in Bosnien hat dafür gestimmt, sich aus den bosnischen Streitkräften, dem Justizwesen und dem Steuersystem zurückzuziehen.
11.12.2021 10:29
Aktualisiert: 11.12.2021 10:29
Lesezeit: 1 min
Der totale Zerfall Bosnien-Herzegowinas nimmt Konturen an
Die neue Balkan-Karte aus einem Enthüllungs-Papier. (Screenshot/Necenzurisano)

Das Parlament der serbischen Region in Bosnien hat dafür gestimmt, sich aus den bosnischen Streitkräften, dem Justizwesen und dem Steuersystem zurückzuziehen. „Dies ist der Moment der Eroberung der Freiheit für die Republika Srpska“, sagte der bosnische Serbenanführer Milorad Dodik am Freitag vor dem Parlament. Die Abstimmung lief auf eine unverbindliche Vereinbarung hinaus, die keinen endgültigen Beschluss über den Austritt aus den Institutionen beinhaltete - ein Schritt, für den die Unterstützung des Oberhauses der Region erforderlich gewesen wäre. Der Antrag besagt, dass die Regionalregierung in den nächsten sechs Monaten neue Gesetze für das Militär, das Steuersystem und die Justiz ausarbeiten soll, um die staatlichen Gesetze zu ersetzen.

Die serbischen Oppositionsgruppen, die die Anträge als verfrühten Wahlkampf im Vorfeld der Parlamentswahlen im nächsten Jahr kritisierten, verließen die Sitzung, bevor die Abstimmung stattfand. Die Anträge waren jedoch eine deutliche Absichtserklärung Dodiks, der sich seit langem über staatliche Institutionen wie die Justiz und die Staatsanwaltschaft beklagte und behauptet, diese seien auf der Grundlage von Entscheidungen internationaler Friedensgesandter eingerichtet worden und nicht in der Verfassung verankert. Seine Partei SNSD und ihre Verbündeten, die das Regionalparlament mit 83 Sitzen dominieren, unterstützten den Austritt aus den Institutionen mit 48 Stimmen.

Vor wenigen Monaten war eine neue Landkarte für den Westbalkan durchgesickert. Der Landkarte zufolge soll Bosnien-Herzegowina komplett zerteilt werden. Die aktuellen Ereignisse auf dem Balkan bestätigen die Authentizität des enthüllten Geheimplans.

Der Vorsitzende der Präsidentschaft von Bosnien-Herzegowina, Željko Komšić, forderte die Staatsanwaltschaft auf, Milorad Dodik strafrechtlich zu verfolgen, da dieser „die verfassungsmäßige Ordnung des Staates Bosnien und Herzegowina direkt untergräbt“, berichtet die bosnische Tageszeitung „Nezavisne“.

Dodik wies darauf hin, dass alles, was die Republika Srpska unternehme, um die ihr von den früheren hohen Vertretern gewaltsam entzogenen Befugnisse in den Bereichen Verteidigung, Justiz und Steuern wiederzuerlangen, keine militärischen, sondern politische Initiativen seien, meldet die russische Nachrichtenagentur „Regnum“.

Dodik, der derzeit als serbisches Mitglied des dreigliedrigen interethnischen Präsidiums Bosniens fungiert, will alle nach dem Krieg durchgeführten Reformen rückgängig machen und zur Verfassung von 1995 zurückkehren, in der der Staat nur durch grundlegende Institutionen vertreten war, während alle Befugnisse bei den Regionen lagen. Bosnien wurde nach dem Krieg von 1992-1995 in zwei autonome Regionen, die Serbische Republik und die von Kroaten und Bosniaken dominierte Föderation geteilt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street: Die Börsenroboter können sich nachts frei bewegen
08.11.2026

Die Wall Street könnte sich bis Anfang Dezember in ein nahezu rund um die Uhr geöffnetes Börsencasino verwandeln. Mehrere US-Börsen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Importpreise steigen um 10,4 Prozent: Energie verteuert Deutschlands Produktion
08.11.2026

Deutschlands Importpreise sind im September so stark gestiegen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Besonders Energie und industrielle...

DWN
Technologie
Technologie Laserwaffen für Kampfflugzeuge: MBDA entwickelt neue Abwehrtechnik gegen Drohnen
08.11.2026

Die deutsche Rüstungsindustrie arbeitet an einem möglichen Technologiesprung: MBDA Deutschland entwickelt nach einem aktuellen Bericht im...

DWN
Panorama
Panorama Klavierstimmer sterben aus: Warum klassische Konzerte in 20 Jahren verschwinden könnten
08.11.2026

Weltweit gibt es Schätzungen zufolge nur noch 20 bis 30 Konzerttechniker auf höchstem Niveau. Viele stehen kurz vor dem Ruhestand. Nun...

DWN
Panorama
Panorama Gastkommentar: Die gefährliche Verlockung politischer Halbwahrheiten
08.11.2026

Manche Ideen klingen so selbstverständlich, dass sie nur selten hinterfragt werden. Deshalb lohnt es sich zu fragen, wer von ihnen am...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....