Finanzen

Griechenland kann IWF-Kredite bereits im März vollständig zurückzahlen

Griechenland will die letzten Raten seiner IWF-Kredite früher als vereinbart zurückzahlen. Doch für das Land kündigen sich bereits die nächsten Probleme an.
14.02.2022 15:07
Aktualisiert: 14.02.2022 15:07
Lesezeit: 1 min

Griechenland will die letzten Raten der in der Schuldenkrise aufgenommenen Rettungskredite bereits nächsten Monat und damit zwei Jahre früher als vereinbart an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen.

"Griechenland hat offiziell einen Antrag auf vollständige Rückzahlung des ausstehenden Saldos seiner IWF-Darlehen gestellt", sagte Finanzminister Christos Staikouras am Montag. "Das entsprechende Verfahren wurde eingeleitet und wird voraussichtlich Ende März abgeschlossen sein."

Griechenland schuldet der in Washington ansässigen Organisation noch 1,9 Milliarden Euro, die eigentlich erst bis 2024 zurückgezahlt werden müssen. Durch die frühzeitige Tilgung kann der Staat etwa 50 Millionen Euro an Zinszahlungen sparen.

Das hoch verschuldete Land hat während seiner akuten Finanzkrise mehr als 260 Milliarden Euro an Rettungskrediten von der Europäischen Union (EU) und dem IWF erhalten. Der Staat war darauf angewiesen, weil ihm private Investoren wegen des hohen Ausfallrisikos nur zu extrem hohen Zinsen Geld leihen wollten.

Seit 2018 deckt Griechenland seinen Finanzierungsbedarf ausschließlich wieder über die Anleihemärkte. Dabei hilft, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine Nullzinspolitik fährt und selbst als großer Käufer von Staatsanleihen auftritt.

Zuletzt sind die Renditen griechischer Anleihen allerdings auf den höchsten Stand seit April 2020 gestiegen: 10-jährige Bonds rentieren nun mit rund 2,5 Prozent, verglichen mit 0,9 Prozent im September 2021. Für den Staat wird die Refinanzierung damit wieder deutlich teurer.

Staikouras sagte, dass der griechische Staatshaushalt trotz steigender Ausgaben im Kampf gegen die Corona-Pandemie ab 2023 wieder zu einem Primärüberschuss zurückkehren soll. Im sogenannten Primärhaushalt werden Zinszahlungen nicht berücksichtigt.

"Griechenland verfolgt eine umsichtige und verantwortungsvolle Finanzpolitik und eine kluge Strategie bei der Emission von Anleihen", sagte der Minister. Die Kreditwürdigkeit sei in den vergangenen Jahren von den Ratingagenturen zwar heraufgesetzt worden, erreiche aber noch nicht das Gütesiegel "Investment Grade".

Griechenland ist vor Italien das am höchsten verschuldete Euro-Land. Die Staatsverschuldung soll in diesem Jahr bei knapp 190 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Russland nach Jahren im Krieg: Droht Putin der Machtverlust?
08.05.2026

Putins Krieg gegen die Ukraine zeigt wachsende Risse in Russlands Militär, Wirtschaft und Machtapparat. Wird die Schwäche des Kreml für...

DWN
Politik
Politik Drohnen in Moskau: Putin fährt Russlands jährliche Siegesparade zurück
08.05.2026

Russlands Siegesparade wird zum Gradmesser für die wachsende Verwundbarkeit des Kremls im Ukraine-Krieg. Wie stark setzen Drohnenangriffe,...

DWN
Politik
Politik Energiewende-Pläne: Umweltminister Schneider stoppt Entwurf von Reiche
07.05.2026

Im Streit um die Energiewende zeigt sich die Bundesregierung tief gespalten. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) lehnte die Pläne von...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt leicht nach, da sich die Ölpreise erholen
07.05.2026

Geopolitische Unsicherheiten und überraschende Gewinner: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Politik
Politik Friedenssignale aus Teheran: Warum Trump den Iran-Krieg kaum als Sieg verkaufen kann
07.05.2026

Die Märkte setzen auf Entspannung im Iran-Konflikt, doch Trump steht vor einer politischen Niederlage und die Zukunft der Straße von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffmärkte unter Druck: Was den Kupferpreis jetzt bewegt
07.05.2026

Der Kupferpreis steht im Zentrum neuer Machtverschiebungen an den Rohstoffmärkten. Wie stark kann KGHM davon profitieren, wenn Geopolitik,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Effizienz-Schock bei DeepL: Kölner KI-Aushängeschild entlässt 250 Mitarbeiter
07.05.2026

Das Kölner Vorzeige-Startup DeepL galt lange als die deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Doch trotz technischer Erfolge zieht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kraftwerksgesetz: Kartellamt warnt vor Einschränkung des Wettbewerbs
07.05.2026

Das Kartellamt äußert massive Kritik am geplanten Kraftwerksgesetz (StromVKG) des Wirtschaftsministeriums. Laut einer aktuellen...