Politik

Ukraine benutzt Ausländer auf Schiffen als „menschliche Schutzschilde“

Ukrainische Milizionäre haben bei Odessa ein türkisches Schiff überfallen. Am Hafen von Tschornomorsk befinden sich 19 internationale Frachtschiffe, deren Besatzungen von der Ukraine als „menschliche Schutzschilde“ benutzt werden, beschwert sich ein türkischer Kapitän. Die NATO hat Kiew mitgeteilt, dass ein Eingreifen in den Ukraine-Krieg nicht in Frage komme.
24.03.2022 12:16
Aktualisiert: 24.03.2022 12:16
Lesezeit: 1 min
Ukraine benutzt Ausländer auf Schiffen als „menschliche Schutzschilde“
Am Hafen von Tschornomorsk stecken 19 internationale Schiffe fest. (Grafik: Marine Traffic/DWN)

Am 23. März 2022 haben ukrainische Milizionäre am Hafen von Tschornomorsk bei Odessa ein türkisches Frachtschiff überfallen, um das Frachtgut zu konfiszieren. Die Fracht umfasste 5,6 Tonnen an Ferro-Silizium-Mangan. Der Kapitän des Schiffs, Rahmi Yağcı, teilte der maritimen Zeitung „HaberDenizde“ mit, dass die Milizionäre bewaffnet auf das Schiff kamen. Doch die türkische Besatzung wehrte sich mit Verweis darauf, dass sich an Bord weder Waffen noch gefährliche Frachtgüter befänden.

„Wir sind in ernsthaften Schwierigkeiten. Es handelt sich bei den Aggressoren nicht um ukrainische Soldaten. Sie zeigten uns ihre Waffen und trieben Kugeln in die Läufe ihrer Waffen. Wir haben sie vorerst gestoppt. Doch wir wissen nicht, was nun passieren wird“, so der Kapitän. Ursprünglich sollte das Schiff am Hafen von Tschornomorsk anlegen. Doch die Regierung in Kiew hatte den Hafen zuvor sperren lassen. Allen internationalen Schiffen ist es auch untersagt, die Gewässer vor dem Hafen zu verlassen.

Aktuell stehen 19 Schiffe unweit des Hafens von Tschornomorsk. Zwei der Schiffe verfügen über türkische Flaggen. Vier weitere weisen türkische Besatzungen unter fremden Flaggen auf. Es sollen insgesamt 63 Türken am Hafen von Tschornomorsk feststecken. Yağcı zufolge sollen die Russen den türkischen Schiffen, die sich zuvor bei Mariupol und Berdjansk befunden hatten, freies Geleit gewährt haben.

Doch an den Häfen, die von der Ukraine kontrolliert werden – Kherson, Tschornomorsk und Mykolajiw – sei die Situation anders. Den türkischen Schiffen in diesen Gebieten verbieten die ukrainischen Autoritäten den Schiffen, auszufahren. Yağcı wörtlich: „Sie benutzen uns als menschliche Schutzschilde. Wahrscheinlich würden die Russen diese Orte schnell einnehmen, wenn wir uns nicht hier befinden würden. Wir wissen, dass das türkische Außenministerium, der türkische Präsident und der türkische Generalstabschef sich aktuell in Konsultationen mit Kiew befinden, um uns zu helfen“, so Yağcı.

Seit geraumer Zeit bemüht sich die Regierung in Kiew darum, die NATO am Krieg in der Ukraine zu beteiligen. Die NATO unterstützt die Ukraine durch die Lieferung von Waffen. Doch ein Eingreifen kommt nicht in Frage.

„Die NATO trägt die Verantwortung dafür, diesen Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen“, zitiert „Tagesschau.de“ den NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Ein Eingreifen wäre noch gefährlicher und würde nur noch mehr Leid, Tote und Zerstörung verursachen, meint er.

Dem „Spiegel“ zufolge hat sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz „sein klares Nein zu einem NATO-Einsatz in der Ukraine beteuert.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...