Wirtschaft

Indonesien verhängt Exportstopp für Palmöl - Panik an Märkten

Der größte Produzent der Welt hat mit einem plötzlichen Exportstopp für Palmöl für Aufruhr an den Märkten gesorgt.
25.04.2022 14:29
Aktualisiert: 25.04.2022 14:29
Lesezeit: 2 min
Indonesien verhängt Exportstopp für Palmöl - Panik an Märkten
Hinter einer Palmöl-Plantage brennt der Wald und wird durch die Rodung als Anbaufläche für weitere Plantagen vorbereitet. Der weltweite Palmölverbrauch nimmt einer Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge weiter zu - trotz Bestrebungen auf EU-Ebene, bis 2030 kein Palm- und Sojaöl mehr für Biokraftstoffe zu verwenden. Indonesien sei inzwischen nicht nur weltgrößter Palmölproduzent, sondern habe die EU auch als größter Verbraucher von Palmöl für Biokraftstoffe überholt. (Foto: dpa) Foto: Rony Muharrman

Mit einem Exportstopp für Palmöl will Indonesien als weltgrößter Produzent des begehrten pflanzlichen Rohstoffes Knappheit und steigende Preise im eigenen Land bekämpfen. Das Ausfuhrverbot solle am kommenden Donnerstag in Kraft treten, kündigte Präsident Joko Widodo am späten Freitagabend an. Wenn sich der Markt im Land stabilisiert habe und Speiseöl wieder zu erschwinglichen Preisen verfügbar sei, werde er die Entscheidung neu bewerten, ergänzte er.

Angesichts knapper Bestände war der Speiseölpreis in dem südostasiatischen Land in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Dies löste Proteste aus, die drohten die Regierung des rund 270 Millionen Einwohner zählenden Inselstaates zu destabilisieren.

Der Ökonom Bhima Yudhistira, Direktor des in Jakarta ansässigen Zentrums für Wirtschafts- und Rechtsfragen, kritisierte am Samstag die Entscheidung und warnte vor Protesten der Importländer. Es gebe keine Notwendigkeit, den Export ganz zu stoppen. Vielmehr müsse die Regierung eine Regelung durchsetzen, wonach die Exporteure 20 Prozent ihrer Produktion auf dem heimischen Markt verkaufen müssen. Der Abgeordnete Deddy Sitorus von der Regierungspartei PDI-P warnte zudem, das Ausfuhrverbot könne die Zukunft von Kleinbauern und mittelständischen Palmölunternehmen im Land gefährden.

Das rot-bräunliche Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Außerdem gibt es Palmkernöl aus dem Samen der Frucht. Palmöl wird vor allem in Asien zum Frittieren und Braten verwendet. Es findet sich aber auch in zahlreichen Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Margarine, Schokolade, kakaohaltigen Brotaufstrichen, Eiscreme, Backwaren, Pizzen und anderen Fertigprodukten. Palmöl wird auch in Tierfutter gemischt und Waschmittel, Seifen, Kosmetika, Kerzen und Schmierstoffe haben einen hohen Palmöl-Anteil. Zudem wird der Rohstoff für Biosprit mitverwendet. Indonesien steht wegen der Zerstörung seines Regenwaldes für den Palmöl-Anbau in der Kritik.

Nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Pflanzenöl-Sorten:

PALMÖL

Palmöl ist das weltweit am meisten produzierte, verbrauchte und gehandelte Pflanzenfett. Sein Marktanteil liegt bei etwa 40 Prozent. Es wird in Schokoladen, Kosmetika und Putzmitteln verwendet. Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zufolge werden im laufenden Jahr insgesamt 77 Millionen Tonnen produziert. Indonesien lieferte bislang 60 Prozent des weltweiten Bedarfs. Malaysia kommt als Nummer zwei auf einen Marktanteil von 25 Prozent. Die größten Abnehmer sind Indien, China, Pakistan und Bangladesch. Bei Unternehmen kauft "Milka"-Macher MondelezMDLZ.O nach eigenen Angaben 0,5 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion auf. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Coronavirus-Pandemie die Ernten beeinträchtigt, weil die Arbeitsmigration in den Plantagen Südostasiens eingeschränkt worden war.

SOJAÖL

Mit einer erwarteten Produktion von etwa 59 Millionen Tonnen 2022 ist Sojaöl das zweitwichtigste Pflanzenfett. Die größten Produzenten sind China, die USA, Brasilien und Argentinien. Argentinien ist üblicherweise der weltweit größte Exporteur. Wegen einer Missernte beschränkt das südamerikanische Land seine Ausfuhren derzeit aber. Wie bei Palmöl ist Indien auch der weltgrößte Sojaöl-Importeur.

RAPSÖL

Rapsöl wird hauptsächlich in Europa, Kanada und China hergestellt. Das USDA taxiert die Produktion 2022 auf 29 Millionen Tonnen. Die Trockenheit im vergangenen Jahr schmälern aktuell das Angebot von Rapsöl aus Kanada und Europa. Indien verzeichnete dagegen eine Rekordernte.

SONNENBLUMENÖL

Russland und die Ukraine produzieren zusammen 55 Prozent des weltweiten Sonnenblumenöls. Beim Export liegt die Quote bei 76 Prozent. Die größten Abnehmer sind traditionell Indien, Europa und China. Durch den russischen Einmarsch in die Ukraine ist der Nachschub aus der Schwarzmeer-Region gestört. Laut USDA-Prognose sollen im laufenden Jahr weltweit 20 Millionen Tonnen produziert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie KI und digitale Steuerberatung: Der Gamechanger für den deutschen Mittelstand

Die Digitalisierung verändert die deutsche Wirtschaft in rasantem Tempo. Während große Unternehmen bereits seit Jahren auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Korea-Aktien im Rausch: Warum Anleger jetzt Asien feiern
04.06.2026

Erst eroberte K-Pop die Welt, nun ziehen Korea-Aktien die Anleger in ihren Bann. Samsung und SK Hynix treiben einen Markt nach oben, der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Rallye an der Wall Street endet, da Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis in die Höhe treiben
03.06.2026

Lesen Sie, welche überraschenden Wendungen die Finanzmärkte in Atem halten und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.

DWN
Politik
Politik Österreich und Portugal im UN-Sicherheitsrat, Deutschland nicht - eine historische Niederlage
03.06.2026

Niederlage in New York: Deutschland ist erstmals mit seiner Bewerbung um einen Sitz im mächtigsten UN-Gremium gescheitert. Stattdessen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hat Deutschland die Lösung für Europas Stromnetz-Krise gefunden?
03.06.2026

Deutschland erlebt einen Solarboom auf Dächern, Balkonen und Parkplätzen. Während Dänemark unter einem überlasteten Stromnetz leidet,...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
03.06.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Politik
Politik Investitionen in die Energiewende: EU-Kommission will mehr Schulden erlauben
03.06.2026

Die EU-Kommission schlägt vor, dass Mitgliedsstaaten für den Wandel zu sauberer Energie mehr Schulden machen dürfen, ohne Strafverfahren...

DWN
Finanzen
Finanzen Steigende Arbeitslosigkeit: Bundesagentur für Arbeit steuert auf Milliardendefizit zu
03.06.2026

Die schwierige wirtschaftliche Lage und der schwache Arbeitsmarkt in Deutschland haben erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis: China bremst, doch die nächste Preiswelle rollt an
03.06.2026

Chinas Ölimporte sind eingebrochen, doch Entwarnung am Ölmarkt wäre riskant. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, Washington...