Finanzen

Trendwende bei Zinsen: Erste Banken streichen Negativzinsen für Privatkunden

Die ersten Banken in Deutschland streichen die auf Sparguthaben angerechneten Negativzinsen.
10.05.2022 09:40
Aktualisiert: 10.05.2022 09:40
Lesezeit: 1 min
Trendwende bei Zinsen: Erste Banken streichen Negativzinsen für Privatkunden
Ein Hologramm auf einem Euro-Schein. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Für praktisch alle Privatkunden der ING Deutschland werden nach Angaben der Bank in wenigen Wochen keine Strafzinsen mehr fällig. Zum 1. Juli sollen die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeld-Konten von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto erhöht werden, wie die Tochter der niederländischen Großbank ING am Dienstag mitteilte. Damit entfällt laut ING Deutschland das sogenannte Verwahrentgelt für 99,9 Prozent der Kunden. "Unser Versprechen, mit Wegfall der Minuszinsen das Verwahrentgelt zu streichen, lösen wir für fast alle Kunden damit schon vor einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein", erklärte Vorstandschef Nick Jue.

Die Bank, die unter dem Namen ING-DiBa mit kostenlosen und gut verzinsten Tagesgeldkonten groß geworden war, setzt mit dem Schritt auch darauf, Kunden halten zu können. "Die ING Deutschland erwartet, durch die Erhöhung der Freibeträge insbesondere auch die Kunden zu überzeugen, die den Allgemeinen Geschäftsbedingungen inklusive Verwahrentgelt bisher noch nicht zugestimmt haben, und dass die Bank damit weniger Kunden kündigen wird als zuletzt geplant", hieß es in einer Mitteilung. "Sollte sich das Zinsumfeld weiterhin positiv entwickeln, werden wir auch unsere Kundinnen und Kunden an dieser Entwicklung teilhaben lassen", erklärte Konzernchef Jue. Allerdings gehe er davon aus, dass die Niedrigzinsphase vorerst anhalten werde.

Angesichts eines negativen Einlagezinses der Europäischen Zentralbank (EZB) von derzeit 0,5 Prozent haben zahlreiche Banken Strafzinsen eingeführt. Die ING Diba war nach eigenen Angaben eines der letzten Geldinstitute, die diesen Schritt gegangen ist. Unter dem Druck der hohen Inflationsrate sind zuletzt die Erwartungen gestiegen, dass nach der US-Notenbank Fed und anderen Zentralbanken bald auch die EZB die Zinsen anheben wird. Zurzeit liegt der Leitzins bei 0,0 Prozent.

Die ING Diba erklärte, sie läute mit dem geplanten Entfall der Verwahrentgelte für fast alle Kunden eine Trendwende ein. Im April hatte bereits die Oldenburgische Landesbank (OLB) angekündigt, die Freibeträge für Privatkunden "sehr deutlich" anzuheben - für einige Girokonten-Modelle auf bis zu fünf Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Panorama
Panorama Dürre in Europa: Bauern fürchten um ihre Ernten – drohen höhere Lebensmittelpreise?
08.08.2026

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen setzen Europas Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Während Bauern mit schwächeren Ernten und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...