Deutschland

Robert Habeck unter Tage

Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie setzt kurzfristig wieder auf Energie von Kohlekraftwerken.
20.06.2022 11:29
Lesezeit: 1 min
Robert Habeck unter Tage
Trotz Umweltverschmutzung und Klimanotstand: Deutschland ist derzeit auf Energie von Kohlekraftwerken angewiesen. Foto: Julian Stratenschulte

Ein Schritt zurück: Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Robert Habeck, scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben. Zwar begeht er mit der Ankündigung, dass Kohlekraftwerke wieder stärker zum Einsatz kommen sollen, einen grünen Tabubruch, reagiert dabei aber pragmatisch auf die angespannte Versorgungslage im Land.

Eine Verlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke – wie von der FDP gefordert - kommt allerdings nicht in Frage. Der Grund: Sie würden im Winter 2022/2023 keine zusätzlichen Strommengen bringen, sondern frühestens ab Herbst 2023 nach Befüllung mit neu hergestellten Brennstäben.

Nach der Kürzung russischer Gaslieferungen gilt es so schnell wie möglich die daraus resultierenden Mängel zu beheben. Dabei will Habeck in einem Klima der allgemeinen Verunsicherung die nötigen Maßnahmen ergreifen, um rasch Gas einzusparen und zugleich die Energieversorgung für den Winter zu sichern.

Es soll weniger Gas für Industrie und Stromerzeugung fließen, und die Befüllung der Gasspeicher vorangetrieben werden. Der Bund stellt dafür Milliardenmittel zur Verfügung. Das Geld soll es ermöglichen, genug Gas zu kaufen, um die nationalen Reserven aufzufüllen. Durchgeführt wird der Kauf von der Gesellschaft Trading Hub Europe, einer Kooperation verschiedener Netzgesellschaften. Auch sollen Kohlekraftwerke kurzfristig Energie liefern, um den Gasverbrauch zu senken.

"Der Gasverbrauch“, so Habeck, „muss weiter sinken, dafür muss mehr Gas in die Speicher, sonst wird es im Winter wirklich eng.“

Das heißt, dass man im Sommer und Herbst so viel Gas wie möglich einspeichern will. Derzeit sind die Gasspeicher in Deutschland zu rund 56,7 Prozent befüllt. Ziel der Bunderegierung ist es, dass die Gasspeicher zum 1. Oktober mit 80 Prozent und zum 1. November zu 90 Prozent befüllt sind, um für mögliche Engpässe gerüstet zu sein.

Außerdem plant Habeck ein Gasauktionsmodell zu entwickeln: Industriekunden, die auf Gas verzichten, indem sie es einsparen, sollen Prämien dafür bekommen. Das eingesparte Gas soll dann die Speicher füllen. "Alles, was wir weniger verbrauchen, hilft", so Habeck. Die Industrie sei ein Schlüsselfaktor.

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte seine Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream zuletzt stark gedrosselt. Offizieller Grund für die Drosselung sind Wartungsarbeiten an Verdichter-Turbinen. Die Bundesregierung geht jedoch davon aus, dass die Verknappung politisch motiviert sei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
13.03.2026

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Haushalt unter Druck: Steigender Ölpreis bringt nur begrenzte Entlastung
13.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise weltweit steigen und verschafft Russland kurzfristig höhere Einnahmen aus dem...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Stoïk: Cyberrisiken neu denken, bevor ein Schaden entsteht
13.03.2026

Cyberangriffe werden häufiger und teurer. Stoïk kombiniert Cyberversicherung, Prävention und Cybersicherheitslösungen. Das Unternehmen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisbremse an der Zapfsäule: Kommt die neue Tankstellen-Regelung noch vor Ostern?
13.03.2026

Pünktlich zum Osterreiseverkehr will das Bundeswirtschaftsministerium den täglichen Preissprüngen an den Tankstellen einen Riegel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik legt Drehkreuze lahm: Hunderte Flüge am zweiten Tag gestrichen
13.03.2026

Der Tarifstreit im Cockpit eskaliert weiter: Auch am zweiten Streiktag hinterlässt der Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung...

DWN
Politik
Politik Mission am Polarkreis: Warum der Kanzler den hohen Norden besucht
13.03.2026

Von Raketenstarts bis zur Energiesicherheit: Bundeskanzler Friedrich Merz reist heute ins norwegische Andenes, um die deutsch-norwegische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepolitik in der Iran-Krise: Wirtschaftsbeiräte legen Strategiepapier vor
13.03.2026

In der Debatte um die rasant steigenden Energiekosten plädieren die Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für...