Finanzen

Bafin: Keine Entwarnung für deutsche Banken

Lesezeit: 2 min
16.01.2014 22:20
Bafin-Chefin Elke König fordert von den Banken ein Umdenken: Das Vertrauen sei zerstört, die Krise nicht vorüber. König attackierte die Banken wegen der Manipulationen - und nannte erstmals auch die Manipulation des Goldpreises als besonders schwerwiegenden Vertrauensbruch.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell:

Die Wut-Rede von Elke König im Wortlaut

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat den Großbanken angesichts ihrer Skandalbilanz ins Gewissen geredet. Die Vorwürfe um die Manipulation von Referenzzinsen, Edelmetallen und Devisenkursen hätten "eine Branche in Verruf gebracht, deren Ansehen ohnehin lädiert war, die aber wie keine andere darauf angewiesen ist, dass man ihr vertraut", sagte BaFin-Präsidentin Elke König auf dem Neujahrsempfang der Behörde am Donnerstag in Frankfurt. "Statt der Parole 'Profit um jeden Preis' müssen langfristiges Denken und verantwortungsvolles Handeln die Richtschnur sein", forderte sie. "Ein Sinneswandel in diese Richtung ist zu erkennen." Die Manipulation der Devisen-Kurse und des Gold-Preises nannten König als besonders schwerwiegend, weil es sich hier nicht um Schätzungen, sondern um die Manipulation von Kursen handle, die unmittelbare Folgen für die anderen Marktteilnehmer hätten.

Vor kurzem waren Briefe der BaFin an den Aufsichtsrat und den Vorstand der Deutschen Bank bekannt geworden. Darin hatte die Behörde in harschem Ton Kritik am Umgang des deutschen Branchenprimus mit den hauseigenen Skandalen geübt. Der ehrbare Kaufmann tauge "als Vorbild allemal besser als Gordon Gekko", sagte König mit Blick auf die skrupellose Figur aus dem Kinofilm "Wall Street". Die Aufarbeitung der Vergangenheit durch die Aufseher sei "alles andere als trivial und (werde) noch einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte König. Die Untersuchung der Verantwortlichkeiten bei der Deutschen Bank für die Manipulation des Referenzzinsen Libor dürfte Finanzkreisen zufolge erst im Sommer abgeschlossen sein.

König kritisierte den Vorschlag der EU-Kommission zur Reform von Referenzsätzen, von denen oft Transaktionen im Billionen-Volumen abhängen, als halbherzig. Er gehe nicht weit genug, weil er erneut auf die Selbstkontrolle der Branche setze. "Man müsste den Handel in diesen Märkten so weit wie möglich auf direkt oder indirekt staatlich überwachte Handelsplätze verlagern", forderte sie.

Für den anstehenden Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die 24 deutschen Teilnehmer noch keine Entwarnung: "Je nachdem, wie man die Szenarien und die zugrundeliegenden Annahmen gestaltet, könnte der Test für einige Institute einen zusätzlichen Kapitalbedarf zutage fördern", sagte König. Sie appellierte indirekt an die EZB und die EU-Bankenaufsicht EBA, plausible Szenarien zu entwerfen. "Wir müssen auch mit Augenmaß an die Sache herangehen." Wie das Rezessions-Szenario aussieht, in dem sich insgesamt 128 europäische Banken bewähren müssen, soll bis Ende Januar feststehen.

Für die dem Stresstest vorgelagerte Bilanzprüfung erwartet König keine Probleme: "Ich bin zuversichtlich, dass es bei der Bilanzprüfung keine größeren bösen Überraschungen geben wird", sagte sie. Die Geldhäuser hätten ihre Hausaufgaben gemacht. Sie müssen ein Kernkapitalpolster von sieben Prozent der Risiken in ihren Bilanzen vorweisen. Im Stresstest müssen davon nach Medienberichten sechs Prozent übrigbleiben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erstmals im Öffentlich-Rechtlichen: „Russen und Amerikaner sind die Profiteure der Sanktionen, die uns am härtesten treffen“

Ein Kommentar im Deutschlandfunk erinnert daran, wer die größten menschlichen und wirtschaftlichen Opfer im Stellvertreterkrieg zwischen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verbrenner-Verbot? Heftiger Streit in der Regierung kurz vor entscheidender Abstimmung

Über das von der EU-Kommission geforderte Aus für Verbrennungsmotoren wird in der Regierung kurz vor der entscheidenden Abstimmung heftig...

DWN
Politik
Politik Neuer Kalter Krieg: USA und Russland rüsten ihre Verbündeten weiter auf

Im großen Stellvertreterkrieg mitten in Europa werden die Einsätze weiter munter erhöht.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

DWN
Politik
Politik NATO stockt schnelle Eingreiftruppe massiv auf

Die Nato will durch ein neues strategisches Konzept ihre Flexibilität erhöhen.

DWN
Deutschland
Deutschland Milliarden-Defizit: Zusatzbeiträge für Krankenkassen werden spürbar steigen

Im System der gesetzlichen Krankenkassen klafft ein riesiges Finanzierungsloch. Gesundheitsminister Lauterbach versucht dieses zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Ungarn überrascht mit stärkster Zinserhöhung seit der Finanzkrise

Die ungarische Zentralbank stemmt sich mit drastischen Leitzinserhöhungen gegen die ausufernde Inflation.

DWN
Deutschland
Deutschland Die Hochpreisinsel Deutschland: extrem energieanfällig

Eine Studie zeigt, dass die Energieprobleme Deutschlands, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erheblich einschränkt.