Politik

Angriffe im Hinterland: Auftakt zur Großoffensive der Ukraine?

Russland und die Ukraine verstärken die Bombardierung strategischer Punkte im Hinterland des Gegners – ein Indiz für eine bevorstehende Großoffensive der Ukraine.
07.05.2023 10:00
Lesezeit: 4 min
Angriffe im Hinterland: Auftakt zur Großoffensive der Ukraine?
29. April: Ein brennender Treibstofftank in Sewastopol auf der Krim. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

In den vergangenen Tagen haben sowohl Russland als auch die Ukraine verstärkt Ziele im Hinterland des Gegners ins Visier genommen. Besonders stark betroffen von den Angriffen, die mehrheitlich mithilfe von Kampfdrohnen und auch mit Raketen durchgeführt wurden, sind vor allem strategische Einrichtungen zur Nachschubsicherung wie etwa Waffen- und Treibstofflager oder Raffinerien und Bahngleise.

Analysten zufolge stellt die verstärkte Bombardierung des Hinterlandes eine Vorstufe zu einer Großoffensive dar, die wahrscheinlich von der Ukraine ausgehen wird. Die ukrainische Regierung hat diese offiziell angekündigt; nach den Worten von Präsident Wolodimir Selenski werde diese bald beginnen.

Schläge gegen das Hinterland

Eine Übersicht der Ereignisse:

Freitag, 5. Mai: In Südrussland ist Medienberichten zufolge eine Raffinerie nahe dem Schwarzmeerhafen Noworossijsk erneut Ziel eines Drohnenangriffs geworden. In der betroffenen Ölraffinerie Ilski sei dabei wieder ein Brand ausgebrochen, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Rettungsdienste. Der Nachrichtenagentur RIA Novosti zufolge wurde niemand verletzt.

In der Raffinerie war erst in der Nacht zu Donnerstag nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen. Es war zunächst unklar, wer hinter dem Vorfall steckte. Die Ukraine bekennt sich nur selten zu den nach russischer Darstellung häufigen Drohnenangriffen auf Infrastruktur und militärische Ziele in Regionen in der Nähe Russlands.

Die ukrainische Militärspitze hat allerdings eingeräumt, dass Angriffe auf Nachschub-Wege und militärische Logistik Teil der Vorbereitungen für eine seit langem erwartete Gegenoffensive seien.

Donnerstag, 4. Mai: Zum vierten Mal binnen weniger Tage wurde Kiew am Donnerstag Ziel eines Drohnenangriffs. Am Abend wird die Hauptstadt rund 20 Minuten lang attackiert, wie die Behörden mitteilen. Mindestens zwei Drohnen seien vom Luftabwehrsystemen abgeschossen worden. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärt, es habe Einschläge von zwei der abgeschossenen Drohnen gegeben. Laut dem Chef der Militärverwaltung von Kiew, Serhij Popko, brach ein Feuer in einem Gebäude aus, wo ein Flugobjekt niedergegangen sei. Der Brand sei unter Kontrolle, es gebe keine Verletzten.

Donnerstag, 4. Mai: Die ukrainische Luftabwehr hat nach eigenen Angaben 18 von 24 von Russland vor Morgengrauen gestartete Kamikaze-Drohnen abgeschossen. Auf den Schwarzmeer-Hafen Odessa seien 15 Drohnen des iranischen Typs Schahed abgefeuert worden, von denen zwölf abgefangen worden seien. Die übrigen drei seien auf dem Gelände der Universität niedergegangen, es habe keine Verletzten gegeben, teilt das Militärkommando für die Südfront mit. Die Stadtverwaltung in Kiew erklärt, alle auf die Hauptstadt zielende Drohnen seien abgeschossen worden.

Donnerstag, 4. Mai: Teile einer Ölraffinerie im Süden Russlands sind nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass bei einem Drohnenangriff in Brand geraten. Ein Treibstoffreservoir der Ilsky-Raffinerie in der Nähe des Schwarzmeerhafens Noworossijsk in der Region Krasnodar habe Feuer gefangen, berichtet Tass unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

„Eine zweite turbulente Nacht für unsere Rettungsdienste“, schreibt der Gouverneur der Region, Weniamin Kondratjew auf dem Nachrichtendienst Telegram. Es habe keine Verletzten gegeben. Er bestätigt, dass in der Ilsky-Raffinerie Erdöl-Tanks brennen, macht aber keine Angaben zur Ursache. Tags zuvor ging ein russisches Treibstofflager weiter westlich in der Nähe der Krim-Brücke in Flammen auf.

Samstag, 29. April und Mittwoch, 3. Mai: In der Nacht zum Mittwoch war ebenfalls in der Region Krasnodar ein Treibstofflager nahe der Krim-Brücke in Brand geraten. Auf Videos in russischen sozialen Medien war zu sehen, wie Flammen und schwarzer Rauch aus großen Tanks schlugen. Über die Ursachen des Feuers machte Russland zunächst keine Angaben. Am Samstag waren im Krim-Hafen Sewastopol nach russischen Angaben zehn Tanks mit einem Fassungsvermögen von rund 40.000 Tonnen durch einen Drohnen-Angriff zerstört worden.

Mittwoch, 3. Mai: Der Chef der Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, geht davon aus, dass die erwartete Gegenoffensive der Ukraine bereits begonnen hat. Seine Truppen würden an der Front erhöhte Aktivität beobachten, heißt es in einer Mitteilung von Prigoschin, die über Telegram veröffentlicht wurde. Die „aktive Phase“ der Gegenoffensive würde in den kommenden Tagen beginnen.

Mittwoch, 3. Mai: Russland hat ukrainischen Angaben zufolge zum dritten Mal innerhalb von sechs Tagen nächtliche Angriffe auf Kiew geflogen. "Alle feindlichen Ziele wurden im Luftraum um die Hauptstadt identifiziert und abgeschossen", teilt die Kiewer Militärverwaltung auf Telegram mit. Russland habe bei den Angriffen Drohnen des Typs Shahed aus iranischer Produktion eingesetzt.

Mittwoch, 3. Mai: Ein Treibstofflager in der russischen Region Krasnodar ist nach Angaben des Gouverneurs der Region in Brand geraten. „Das ist ein Brand der höchsten Schwierigkeitsklasse“, schreibt Gouverneur Weniamin Kondratjew auf dem Nachrichtendienst Telegram. Die Region liegt im Südwesten Russlands am Asowschen Meer gegenüber der Ukraine.

Mittwoch, 3. Mai: Der russische Geheimdienst FSB nat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass sieben Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes auf der Krim festgenommen. Es seien Angriffe auf den von Russland eingesetzten Gouverneur der Halbinsel, Sergej Axjonow, und andere Regierungsvertreter vereitelt worden, berichtet Tass.

Dienstag, 2. Mai: In der russischen Grenzregion Brjansk ist den zweiten Tag in Folge ein Güterzug nach einer Explosion entgleist. Die Lokomotive und mehrere Waggons seien aus den Gleisen gesprungen, erklärte der Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Es habe keine Opfer gegeben. Ein nicht näher identifizierter Sprengkörper sei nahe eines Bahnhofs unweit der Stadt Brjansk detoniert. Die russische Eisenbahngesellschaft sprach von einem „unerlaubten Eingriff“, wodurch rund 20 Waggons von den Schienen abgekommen seien.

Montag, 1. Mai: Erst am Montag hatte sich in derselben Region ein ähnlicher Vorfall ereignet. Dabei war ein Güterzug nach einer Explosion rund 150 Kilometer westlich von Brjansk entgleist. Bilder in Internet-Plattformen zeigten mehrere auf der Seite liegende Kesselwagen und aufsteigenden dunkelgrauen Rauch. Nach Darstellung russischer Behörden gab es in der Region in den über 14 Monaten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine mehrere Anschläge pro-ukrainischer Sabotagetrupps.

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