Finanzen

SAP-Aktie: DAX-Schwergewicht rutscht weiter ab – jetzt SAP-Aktie kaufen?

Die SAP-Aktie steht unter Druck – trotz starker Cloud-Zahlen und stabiler Marktstellung. Anleger fragen sich: Jetzt die SAP-Aktie kaufen und den niedrigen Kurs zum Einstieg beim wichtigsten DAX-Wert nutzen? Oder ist das der Beginn einer längeren Talfahrt?
12.08.2025 15:07
Lesezeit: 4 min

SAP-Aktie: Anhaltende Schwäche beim Börsenwert

Die SAP-Aktie (ISIN: DE0007164600) hat in den vergangenen Tagen deutlich an Wert verloren. Als mit Abstand wertvollstes deutsches Börsenunternehmen konnte SAP dem DAX zuletzt keine positiven Impulse geben. Bereits im Juli setzte ein kurzfristiger Abwärtstrend ein, der sich am Dienstag mit einem Minus von zeitweise deutlich über 4 Prozent fortsetzte. Der SAP-Kurs fiel erneut klar unter die umkämpfte 200-Tage-Linie und erreichte den tiefsten Stand seit April. Auch der Leitindex rutschte nach einem freundlichen Start ins Minus.

Noch vor wenigen Monaten wurde darüber diskutiert, ob die im DAX geltende Kappungsgrenze von 15 Prozent für Einzelwerte zugunsten von SAP gelockert werden müsse. Um eine Dominanz einzelner DAX-Schwergewichte zu vermeiden, wurde diese Grenze eingeführt. Bei Rekordkursen im Februar wurden zusätzliche Indexvarianten geschaffen. Inzwischen liegt das Gewicht der Walldorfer bei rund 14 Prozent und damit im zulässigen Bereich. Während die SAP-Aktie 2024 noch zu den drei besten DAX-Werten zählte, hinkt sie dem Leitindex nun mit einem nur noch knappen Jahresplus hinterher.

Deutliche Kursverluste in kurzer Zeit

Aktuell notiert die SAP-Aktie bei weniger als 240 Euro, nach einem Schlusskurs von 249,35 Euro am Vortag. Das bedeutet ein kräftiges Minus und DAX-Schlusslicht im Dienstagshandel. Der Leitindex selbst zeigte sich zum selben Zeitpunkt kaum verändert. Die SAP-Aktie liegt derzeit annähernd 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,96 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 290 Milliarden Euro und einer Gewichtung von 13,69 Prozent ist SAP das größte Schwergewicht im DAX – vor Siemens und der Deutschen Bank.

Starke Marktstellung trotz Korrektur

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 230 Milliarden Euro ist SAP 2025 das teuerste Unternehmen Europas und hat Konzerne wie Novo Nordisk und LVMH überholt. Anleger honorieren den strategischen Wandel hin zu Cloud- und KI-Diensten sowie das stabile Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen. SAP wurde 1972 von fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern gegründet und hat sich vom ERP-Anbieter zum Cloud-Experten entwickelt.

Die SAP-Cloud-Plattform ermöglicht Echtzeitdatenzugriff, KI-Analysen und Machine-Learning-Module. Neben klassischen ERP-Services bietet sie branchenspezifische Lösungen für Energie, Handel, Fertigung und Pharma. Mehr als 50 Prozent des Neugeschäfts stammen inzwischen aus der Cloud, die zweistellig wächst und als Wachstumsmotor der Zukunft gilt.

Lock-in-Effekt und Skalenvorteile

Ein zentraler Vorteil für SAP ist der starke Lock-in-Effekt: Großkunden wechseln selten, da ein Anbieterwechsel hohe Kosten, komplexe Datenmigration und aufwendige Schulungen bedeutet. Die durchschnittliche Vertragsdauer beträgt sieben Jahre, viele Geschäftsbeziehungen bestehen deutlich länger. SAP agiert als zentraler „Datenhub“ für kritische Geschäftsprozesse – ein Vorteil, der kaum zu kopieren ist.

Zusätzlich profitiert der Konzern von enormen Skaleneffekten. Neue Module können einmal entwickelt und vielfach ausgerollt werden, was operative Margen von über 28 Prozent und einen freien Cashflow zwischen 13 und 16 Prozent ermöglicht. Während in den USA Oracle, Salesforce und Workday konkurrieren, ist SAP in Europa nahezu konkurrenzlos.

Strategischer Fokus: Cloud, KI und Partnernetzwerk

Unter CEO Christian Klein setzt SAP auf organisches Wachstum und gezielte Zukäufe. Der Schwerpunkt liegt auf der Cloud-Migration der Bestandskunden – bis 2027 sollen 80 Prozent umgestellt sein. Kunden sollen künftig stärker nutzungsabhängig zahlen, was langfristig höhere Umsätze ermöglichen soll.

Ein weiteres Wachstumsfeld ist das Partnernetzwerk mit über 24.000 Unternehmen weltweit. Partner übernehmen Implementierung und Beratung, wodurch sich die Reichweite der Plattform weiter erhöht.

Warum fällt die SAP-Aktie trotz Wachstum?

Der aktuelle Kursrückgang steht im Gegensatz zu den operativen Erfolgen. Im jüngsten Quartalsbericht meldete SAP ein Plus beim Free Cashflow von 83 Prozent und ein Cloud-Wachstum von 24 Prozent. Dennoch wurden die Gesamtumsatzziele leicht verfehlt, und der Konzern verzichtete auf eine Anhebung der Jahresprognose. Diese Vorsicht werteten Anleger als Zeichen von Zurückhaltung.

Zusätzlich warnte SAP vor „erhöhten Unsicherheiten“ im Geschäftsumfeld. Politische Spannungen, Handelszölle und Wechselkurs-Schwankungen – insbesondere in den USA – belasten die Stimmung. Diese Faktoren setzten den SAP-Aktienkurs unter Druck, obwohl die fundamentalen Zahlen in vielen Bereichen stark sind.

SAP-Aktie: Analysten uneinig über kurzfristige Entwicklung

Die Expertenmeinungen zur weiteren Entwicklung der SAP-Aktie gehen auseinander. Einige Analysten hoben nach positiven Unternehmensmeldungen ihre Kursziele an und sehen Potenzial im Cloud- und KI-Geschäft. Andere warnen jedoch, dass die Schwächephase anhalten könnte, solange die makroökonomischen Risiken bestehen.

Mit einem KGV von rund 40, einem EV/Ebitda-Multiple von 24 und einem KUV von 7,4 ist die SAP-Aktie trotz der Korrektur nicht günstig. Die Börse zahlt für die Stabilität und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells einen Aufschlag. 2024 stieg der Umsatz währungsbereinigt um 12 Prozent, das Betriebsergebnis sogar um 35 Prozent. Für 2025 erwartet SAP ein Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent und ein Gewinnplus von 26 bis 30 Prozent. Die Risiken liegen in der hohen Bewertung und möglichen Verzögerungen bei der Cloud-Migration. Neue Technologien könnten zudem Marktanteile kosten. Dennoch sucht die Wirtschaft verstärkt nach Effizienz, Automatisierung und verlässlichen Partnern – und SAP bietet all das.

Die jüngsten Analysteneinschätzungen zur SAP-Aktie zeigen ein divergierendes Bild der Markterwartungen. Während einige Experten Potenzial in der strategischen Ausrichtung sehen, verweisen andere auf zunehmende Risiken und Wettbewerbsdruck: Am 08. August bekräftigte Jefferies-Analyst Charles Brennan seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 290 Euro. Er sieht den Fokus auf die Stärkung der Marktführerschaft im Bereich Künstliche Intelligenz als wichtiger an als reine Margensteigerungen. Das Risiko einer Unterinvestition in KI schätzt er höher ein als eine mögliche Überinvestition. Die DZ Bank äußerte sich am selben Tag jedoch deutlich skeptischer. Analyst Armin Kremser beließ die Einstufung auf „Verkaufen“ mit einem Kursziel von 210 Euro. Er verweist auf den Wandel vom klassischen Cloud Computing hin zur „AI-Cloud“ und erwartet für SAP stärkeren Wettbewerb, insbesondere durch KI-native Anbieter, in Segmenten wie Kundenbeziehungs- und Lieferkettenmanagement.

Bereits am 06. August hatte die Baader Bank das Kursziel leicht von 270 auf 265 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Add“ belassen. Analyst Knut Woller lobte die kontinuierlichen Ergebnisse, warnte jedoch vor Währungsrisiken und verlängerten Verkaufszyklen. Insgesamt spiegeln die Bewertungen ein Spannungsfeld zwischen Wachstumschancen und neuen Herausforderungen für die SAP-Aktie wider.

Die SAP-Aktie bleibt damit ein Wertpapier, das sowohl Chancen auf Innovationsführerschaft als auch Risiken durch Marktveränderungen birgt. Anleger sollten die strategischen Entwicklungen genau beobachten.

Jetzt SAP-Aktie kaufen? DAX-Wert für chancenorientierte Anleger

Die SAP-Aktie bleibt ein Schwergewicht im DAX und ein technologischer Spitzenreiter in Europa. Die jüngsten Kursverluste sind vor allem auf vorsichtige Investorenstimmung und externe Unsicherheiten zurückzuführen. Langfristig könnte die Kombination aus Cloud-Wachstum, KI-Fokus und starkem Partnernetzwerk jedoch für neue Höchststände sorgen – vorausgesetzt, die globalen Rahmenbedingungen stabilisieren sich.

Anleger, die gewisse Erfahrung mit Einzelaktien haben und chancenorientiert sind, sollten die SAP-Aktie unbedingt auf die persönliche Watchlist nehmen – wer die Situation gut einschätzen kann und auch bei weiteren Verlusten ruhig schlafen kann, kann die SAP-Aktie kaufen. SAP ist einer der wenigen europäischen Konzerne, der der Übermacht aus den USA gewachsen scheint.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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