Schuldenkrise: Japanische Stadt verkauft ihren Namen

Izumisano ist eine schuldengeplagte Stadt in Japan. In ihrer Ratlosigkeit wollen die Stadtväter nun das Letzte verkaufen, was ihnen geblieben ist: Findet sich ein Investor mit genügend Geld, um der Stadt aus der Klemme zu helfen, darf er der Stadt einen neuen Namen geben.

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Die Schuldenkrise eröffnet ganz neue Chancen für Investoren in Japan: Die Stadt Izumisano will ihren Namen an den meistbietenden Investor neu vergeben. Die Regierung erhofft sich dadurch eine Erleichterung des Schuldenabbaus. Demnächst könnte die Stadt also Google City oder Coca-Cola-Town heißen. „Wir wenden jedes uns zur Verfügung stehende Mittel an, um unsere Schuldenkrise in den Griff zu bekommen“, sagte ein Sprecher der Stadt am Freitag.

Die clevere Marketing-Kampagne gilt auch für den lokalen Flughafen, das Rathaus und öffentliche Straßenzüge, deren Namen in einem Leasing-Vertrag auf bestimmte Zeit zur Vermietung freigegeben wurden (in Italien zeigten sich ähnliche Tendenzen – hier). Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes müssen dafür vielleicht bald Werbung auf ihrer Arbeitskleidung tragen. „Durch unseren Heimatflughafen Kansai Airport können Unternehmen Informationen in der ganzen Welt verbreiten“.

Ein seriöses Angebot für eine Namensänderung gibt es allerdings noch nicht. Einem Bericht der Huffington Post zufolge kommen die meisten Anrufe bei der Stadt von neugierigen und aufgeregten Bürgern. Der Ausbau der Infrastruktur zum Flughafen wird hauptsächlich für die hohe Schuldenlast von Izumisano verantwortlich gemacht.

Es gibt aber noch einen strategischen Nebeneffekt für die öffentliche Namensausschreibung: Unternehmen verpflichten sich, für mindestens zehn Jahre mit der Stadt in Verbindung zu bleiben und ihren Firmensitz notfalls dorthin zu verlegen. Damit soll der Standort wieder attraktiver für Unternehmer und Investoren gemacht werden. Interessenten haben noch bis Ende November Zeit, ihre Angebote abzugeben.

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