Deutsche Bank-Mann Mayer: Euro-Zone wird geteilt

Der Euro in seiner aktuellen Form wird den unterschiedlichen strukturellen Bedingungen in den Euroländern nicht gerecht. Ein Lösungsszenario besteht in der Einführung von härteren Parallelwährungen im Norden und weicheren im Süden.

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Aufgrund der unterschiedlichen Strukturbedingungen in den Ländern der Eurozone könnten in naher Zukunft europäische Parallelwährungen gebildet werden. Diese Prognose macht Thomas Mayer, externer Berater der Deutschen Bank, einem Bericht des WSJ zufolge. Die europäische Elite wolle die Währungsunion in der aktuellen Form bewahren. Dies werde ihnen jedoch nicht gelingen. Dennoch hält Mayer ein völliges Verschwinden des Euro nicht für wahrscheinlich. Stattdessen rechnet er mit der Bildung europäischer Parallelwährungen.

Schon bei seiner Einführung, hätten viele Ökonomen den Euro als nicht überlebensfähig bezeichnet, so Thomas Mayer. „Dennoch hat die europäische Währungsunion fast ein Jahrzehnt recht gut funktioniert.“ Billige Kredite in großem Umfang hätten die „wirtschaftliche Starre“ der Mitgliedsstaaten und die großen Geldtransfers von Nord nach Süd kompensiert. Die weltweite Kreditblase habe das Funktionieren der Eurozone möglich gemacht. „Das Platzen der Kreditblase hat die Krise der Währungsunion ausgelöst.“

Die europäische Führung hält eine Auflösung des Euro für zu gefährlich. Sie habe auf die Krise reagiert, indem sie einerseits durch Strukturreformen die „wirtschaftliche Flexibilität“ fördert. Andererseits halten die großen Geldtransfers von starken zu schwächeren Ländern an. Doch enormer Widerstand gegen die Maßnahmen kommt von allen Seiten. In den wirtschaftlich schwachen Ländern „rebellieren die Wähler gegen die Reformen und Sparmaßnahmen“. Die billigen Kredite der Europäischen Zentralbank (EZB) werden dort als unzureichend betrachtet. In den starken Ländern sträuben sich die Wähler gegen endlose finanzielle Verpflichtungen gegenüber ihren „trägen Nachbarn“ und gegen die Inflation durch die EZB.

Ein Ausweg aus der Eurokrise könnte darin bestehen, zusätzliche Währungen parallel zum Euro einzuführen. Dies hält Mayer für eine wahrscheinliche Entwicklung. Um die Bedürfnisse des wirtschaftlich starken Nordens zu bedienen, sollte dort eine härtere „virtuelle“ Währung eingeführt werden. Diese würden Deutschland, den Niederlanden und Finnland Schutz vor den inflationären Maßnahmen der EZB bieten. Kontrolle über diese Währungen hätten die nationalen Zentralbanken. Mayer erwartet diese Entwicklung ab 2015, sobald die EZB-Inflation stärker spürbar wird.

Während sich die wirtschaftlich stärkeren Länder derart vor dem „weichen“ Euro schützen würden, wäre er für die schwächeren Länder noch immer zu „hart“, sagte Mayer. Diese Länder erhielten vielleicht schon nächstes Jahr keine Auslandskredite mehr. Dann könnten sie sich über Schulden bei ihren Bürgern in Form neuer Parallelwährung finanzieren. Länder wie Griechenland, Zypern und Portugal hätten auf diese Weise neue eigene Zahlungsmittel. Und der Euro wäre dort nur noch eine parallele Möglichkeit der „Werterhaltung“, so Mayer.

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