Hessischer Bauer im Gefängnis: Die knallharten Methoden der Gentechnik-Industrie

Ein Bauer kauft Genmais von einem Chemiekonzern und füttert seine Tiere damit. Daraufhin werden sie krank und sterben. Er geht an die Öffentlichkeit und landet schließlich im Gefängnis.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der Kauf von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln für seine Tiere wurde einem hessischen Bauern zum Verhängnis. Als einer der ersten Bauern in Deutschland testete Gottfried Glöckner die Verfütterung von Genmais an Tieren mit verheerenden Auswirkungen auf seinen Zuchtbetrieb. Es ging eine Weile lang gut. Die genmanipulierten Pflanzen produzierten ein Gift, das den Maiszünzler-Schädling bekämpft. Darüber hinaus war der Proteingehalt der Pflanzen höher als bei konventionellen Maissorten. Zwei Jahre lang fütterte Glöckner seine Hochleistungs-Zuchtrinder mit dem Genmais, bis sie Durchfall und eitrige Euter bekamen und nur mehr vier bis sieben Liter Milch am Tag gaben. Außerdem kam es zu Totgeburten und Missbildungen bei Kälbchen und Todesfällen.

Für den Bauern bedeutete dies einen wirtschaftlichen Totalschaden. „Ich habe alles genetische Tiermaterial verloren, alle Zuchterfolge sind zunichte gemacht worden“, klagt er in einer Lokalzeitung.

Gekauft hatte Glöckner den Mais von dem Chemiekonzern Syngenta. Er fragte also bei der Firma nach, wodurch sein Rinder Schaden genommen haben könnten, wie Chiemgau Online berichtet. Syngenta beschwichtigte und teilte ihm mit, dass alles in Ordnung sei. Aufgrund seines gesunden Misstrauens gab er eigene Untersuchungen in Auftrag. Sein Verdacht bestätigte sich: In dem Futter, Milch und Gülle fanden sich giftige Stoffe.

Glöckner ging mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Er wandte sich an Greenpeace und die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Die Grünen). Im In- und Ausland berichtete der Bauer von seinen Erfahrungen. Syngenta war dies ein Dorn im Auge. Die Firma bot Glöckner Schadensersatz, wenn er keine Vorträge mehr hält. Als das nicht funktionierte und der Bauer weiter seine Erfahrungen publik machte, folgten etliche Bestechungsversuche. Aber auch davon ließ sich Glöckner nicht beirren.

Plötzlich kam es in seinem Scheidungsprozess zu einer Wendung: Er wurde auf Vergewaltigung in der Ehe angeklagt und wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Ob die Gentechnik-Industrie hinter dem Gerichtsurteil steht ist unklar. Fest steht, dass in Glöckners Unterlagen der Eintrag „Gentechnikgegner“ vermerkt ist. Wegen guter Führung wurde der Bauer vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. In Deutschland sind 80 Prozent der Bürger gegen den Anbau von Gen-Pflanzen. Die Bundesregierung und die EU-Lobbyisten agierten deshalb gegen den Willen des Volkes. „Es geht ja dabei um sehr viel Geld“, sagt Glöckner.

Weitere Themen
Rede von Jens Weidmann im Original
Weidmann fordert Insolvenz-Regelung für Euro-Staaten
EU-Gericht: EZB-Deal mit Goldman und Athen muss geheim bleiben

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick