Deutscher Ernst von Freyberg wird neuer Chef der Vatikan-Bank

Der deutsche Rechtsanwalt Ernst von Freyberg wurde von Papst Benedikt zum neuen Chef der Vatikanbank ernannt. Damit versucht Joseph Ratzinger, für die Zeit nach seinem Rücktritt die Bank aus dem kriminellen Eck zu bringen. Der neue Mann ist in der Banken-Szene keine wirklich bekannte Größe. Sein Kontakt in die Vatikan-Bank läuft über die ehemalige deutsche Treuhand.

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Der neue Chef der Vatikan-Bank, Ernst v. Freyberg, wird die Bank an einigen Tagen in der Woche leiten. (Foto: DC Advisors)

Der neue Chef der Vatikan-Bank, Ernst v. Freyberg, wird die Bank an einigen Tagen in der Woche leiten. (Foto: DC Advisors)

Papst Benedikt XVI hat den Rechtsanwalt Ernst von Freyberg zum neuen Chef der Vatikan-Bank (IOR) ernannt. Damit geht eine achtmonatige Vakanz zu Ende, die nach dem Rücktritt von Ettore Gotti Tedeschi entstanden war. Di Vatikan-Bank ist in das Visier der Ermittler geraten, weil sie praktisch mit jedem Korruptionsskandal in Italien in Verbindung gebracht wird (hier).

Man habe sich mit der Suche eines neuen Chefs Zeit gelassen und auch externe Hilfe bei der Auswahl in Anspruch genommen, so der Vatikanische Pressesaal in einer Note am Freitag.

Man habe in die Suche auf Veranlassung des Interimschefs Ronaldo Hermann Schmitz eine internationale Personalagentur einbezogen, führte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi bei einer Pressekonferenz am Freitag aus. Der Headhunter Spencer Stuart mit Sitz Frankfurt am Main habe bei der Suche, den Interviews und der Erstellung eines Profils für den neuen Präsidenten geholfen. Etwa vierzig Kandidaten seien von der Agentur vorgeschlagen worden, sechs seien dann vom Aufsichtsrat in einem Vorstellungsgespräch gehört worden, diese hätten dann eine Dreierliste erstellt, die dann von der Kardinalskommission interviewt wurden. Gemeinsam hätten der Aufsichtsrat und die Kardinalskommission dann einen Kandidaten ausgesucht, der dem Papst vorgelegt wurde. Die Ernennung sei dann durch den Präsidenten der Kommission erfolgt.

Ernst Freiherr von Freyberg ist 54 Jahre alt. Der Jurist, der eine Investmentbank geleitet hat, ist Ritter und Schatzmeister des Souveränen Malteser-Ritterordens. Er lebt in Frankfurt, Vatikansprecher Lombardi geht aber davon aus, dass der neue IOR-Präsident sich mehrere Tage in der Woche künftig in Rom aufhalten werde. Derzeit ist von Freyberg Chef einer M&A-Beratung in Frankfurt mit dem Namen DC Advisory. Interessanterweise wird von Freyberg bei dem Unternehmen zwar als vertretungsbrechtigter Geschäftsführer geführt. Bei den Biografien des Teams fehlt sein Name jedoch.

Der frühere Chef der Vatikan-Bank Gotti Tedeschi musste nach Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Die Finanzskandale im Vatikan gelten als einer der Hauptgründe für den überraschenden Rücktritt des Papstes (hier). Experten und die rivalisierenden Freimaurer haben sich auf die Vatikan-Bank als besonders Problem des Kirchenstaats beschrieben.

Mit der Ernennung will Joseph Ratzinger noch kurz vor seinem Ausscheiden als Papst Fakten schaffen: Er will, dass die Vatikan-Bank endlich internationale Standards annimmt und das Thema der Geldwäsche hinter sich läßt. von Freyberg ist kein großer Name in der Banken-Branche, gilt aber als Mitglied des Malteser-Ritterordens als ein konservativer Katholik. Ob das als Qualifikation für das von Seil- und Machenschaften zersetzte Institut als Qualifikation ausreichen wird, ist zweifelhaft. Auf den Posten der Vatikan-Bank kam Freybeg vermutlich wegen seiner Bekanntschaft mit dem Interims-Chef Schmitz, als dieser noch eine Leitungsfunktion in der Treuhand zur Überführung der DDR-Betriebe in die Bundesrepublik hatte. Freyberg arbeitete als Berater für die Treuhand und ist daher ein Experte in Abwicklungsfragen.

DC Advisory versteht sich als ein Unternehmen mit besonderer Restrukturierungs-Kompetenz.

Die Selbstdarstellung der Firma:

„Unser Debt Advisory und Financial Restructuring Team ist Teil eines der größten europäischen Beratungsteams mit 55 Spezialisten für Restrukturierungs- und Finanzierungsberatung an den Standorten London, Paris, Frankfurt, Madrid und Barcelona. Unser achtköpfiges Frankfurter Team verfügt über eine tiefgreifende Kenntnis der deutschen, österreichischen, schweizerischen und osteuropäischen Finanzierungslandschaft und gute Beziehungen zu Kapitalgebern (Banken und institutionellen Investoren) in Deutschland und Europa.

Wir besitzen ausgewiesene Expertise sowohl im Hinblick auf die klassischen Bankenmärkte als auch auf die kapitalmarkt-basierten Fremdkapitalmärkte. Wir sind spezialisiert auf anspruchsvolle und professionelle Restrukturierungsprozesse und verfolgen dabei stets ein Ziel: die optimale Lösung für unsere Kunden zu bestmöglichen Konditionen.“


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