Merkel: Erstes Nachdenken über eine „modifizierte Euro-Zone“

Wenn Italien nicht bereit sei, weitere Reformen durchzuführen, werden weder EZB noch die übrigen EU-Partner dem Land helfen, sagt der Wirtschaftsweise und Merkel-Vertraute Lars Feld. Steigende Zinskosten und massive Kapitalflucht werden die Folge sein. Der Bestand der Euro-Zone sei gefährdet.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Während Bersani nach der verfehlten Mehrheit im Senat nun versuchen muss, eine stabile Regierung zu bilden, um Italien nicht Monate zu lähmen (hier), gehen indes die Ratschläge aus Europa weiter. Italien sei zerrissen und es fehle „jegliches Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Gemeinsinn“, schreibt der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, in der FAZ. Daher brauche das Land Moderatoren von außen. Aus eigener Kraft könne das Land die tiefe Zerrissenheit und Spaltung seiner Gesellschaft nicht überwinden, ergänzt er. Sollte es Italien jedoch nicht gelingen, dies zu überwinden und weiter Reformen durchzuführen, „so wird dies mittelfristig irreparable Folgen für den Euro haben“, schreibt Börner. Ein Austritt Italiens aus dem Euro schließt Börner im Fall der Reformunwilligkeit nicht mehr aus: Dann müssen „wir uns Gedanken machen, wie wir vielleicht mit einer modifizierten Eurozone umgehen müssen“.

Ähnlich kritisch blickt auch der Wirtschaftsweise Lars Feld auf den Ausgang der italienischen Wahlen. Feld ist einer der Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Offenbar sind die Italiener nicht bereit, den Weg der Reformen weiterzugehen, der unter Mario Monti eingeschlagen wurde“, sagte er der FAZ. Allerdings könnten sie dann auch nicht erwarten, dass die „europäischen Partner oder die EZB ohne diese Reformbereitschaft zur Stabilisierung der italienischen Wirtschaft bereit sind.“ Feld spricht vom Wahlergebnis als einen Rückschlag für die Stabilisierung der Eurozone. „Damit ist die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen erneut in Frage gestellt“, so Feld. Die Investoren werden ihr Kapital aus Italien abziehen und die Eurokrise werde in Kürze „mit aller Macht zurückgekehrt sein“, ergänzt Feld.

Seine Äußerungen dürften den Gedanken der Kanzlerin vertraut sein. Es war schon bisher Merkels Taktik, dass sie durch entsprechende Aussagen aus ihrem Umfeld in der Öffentlichkit sondieren läßt, wie weit man gehen könne. Die ziemlich klaren Worte aus der deutschen Wirtschaft können dahingehend interpretiert werden, dass Merkel nach Optionen sucht, um einen Crash der Eurozone noch vor der Bundestagswahl zu verhindern.


media-fastclick media-fastclick