Staatlich geprüfte Konsumenten: Stiftung Warentest drängt in die Schule

Mit Schulprojekten will die Stiftung Warentest die Schüler an ihre Publikationen binden. Die vom Staat subventionierte Stiftung beringt Verbraucher- und Medienbildung in die Schulen. So kann der Staat sicherstellen, dass die Konsumenten rechtzeitig lernen, was man kaufen soll und was nicht.

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Wie erreicht man die Leser von morgen am besten? Man stellt bereits in ihrer Schulzeit den ersten Kontakt her und versucht, sie zu binden. Wie schon Bertelsmann sucht auch die Stiftung Warentest die Schulen auf. Verschiedene Projekte werden von der Stiftung angeboten, um die Schüler über Rechte zu informieren und aktuelles Wissen zu vermitteln, so die Stiftung Warentest. Eines dieser Projekte ist „test macht Schule“, bei dem sich Schüler ab Jahrgangsstufe 9 aus ganz Deutschland bewerben können. Werden die Schulklassen ausgewählt, kommt ein Jahr lang kostenlos die Zeitschrift test ins Klassenzimmer.

Mit Hilfe der Zeitschrift test erfahren die Schüler mehr über ihre Rechte als Verbraucher“, bewirbt die Stiftung Warentest ihr Projekt. „Sie lernen, sich gezielt zu informieren und eine kritischere Haltung gegenüber Werbung und Marketingstrategien einzunehmen.“ Zusätzlich dazu können die Schüler somit ein Verständnis für die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Konsums entwickeln. „Darüber hinaus stärkt die Arbeit mit der Zeitschrift test das Medienverständnis der Schüler“. Um den Umgang mit der Zeitschrift im Unterricht richtig zu lernen, werden sogar ein Vorbereitungsseminar und ein abschließendes Treffen für die Lehrer angeboten. „Ein Teil der Kosten für Anreise bzw. Übernachtung wird übernommen.“

Und am liebsten wäre es der Stiftung Warentest, wenn sich am Ende des Jahres einige Schüler dazu entscheiden, ein Abo für die Zeitschrift abzuschließen – oder sogar die Schule selbst. In Zeiten der Medienkrise sind Abonnements sehr wichtig, sie binden und bieten eine verlässliche Absatzgröße. Aus diesem Grund setzt Stiftung Warentest noch auf weitere Schulprojekte. Bei „Finanztest macht Schule“ dürfen sich Klassen ab der Jahrgangsstufe 10 bewerben – die Idee des Projekts entspricht im Wesentlichen dem „test macht Schule“-Projekt. Darüber hinaus werden noch der Wettbewerb „Jugend testet“, sowie verschiedene Unterrichtsmaterialien und ein Besuch bei Stiftung Warentest angeboten.

Betrachtet man die von der Stiftung selbst publizierten Auflagenzahlen, wird schnell deutlich, dass auch die Zeitschriften unter sinkenden Leser- und Abonnementenzahlen leiden. So rutschte beispielsweise die monatlich verkaufte Auflage der Zeitschrift test von 2010 auf 2011 von 497.000 auf 477.000. Sowohl die Abonnements als auch der Einzelheftverkauf waren rückläufig. Bei der Zeitschrift Finanztest bietet sich ein ähnliches Bild. Der ältere Teil der deutschen Bevölkerung, der sich regelmäßig die Zeitschriften kaufte, schwindet. Der Trend geht dazu, sich genau den Test runterzuladen, der einen interessiert.

Das ausgerechnet Stiftung Warentest den Weg in die Schule sucht, ist insofern interessant, als das die Stiftung sich nicht nur über den Verkauf der Publikationen finanziert. Zwar verkauft die Stiftung keine Werbung, um zu verhindern, dass diese „in irgendeiner Form unter finanziellen Einfluss von Anbietern gerät“. Aber als Ausgleich dafür erhält sie Mittel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Und für die Weiterbildungstests gibt es zusätzlich Finanzmittel vom Bundesministerium für Bildung. Insgesamt 11 Prozent des gesamten Etats kommen von Staat.

Wenngleich die Qualität der Stiftung Warentest hohes Ansehen genießt, kann man sie doch in gewisser Weise als das gedruckte Pendant zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk sehen. Denn im Grunde ist es ein Anachronimus, dass er Staat auch Produkt-Bewertungen finanziert. Dafür müsste sich nun wirlich auch ein Markt finden lassen.

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