Harte Attacken gegen Farage: Erpressung, Bedrohung, Sexismus

Nigel Farage, der Chef der britischen UKIP-Partei, soll Mitglieder dazu genötigt haben, EU-Gesetze zu brechen, um mehr EU-Mittel für seine Partei zu erhalten. Von Sexismus in der Partei ist ebenfalls die Rede. Eine schwierige Situation für den profiliertesten Euro-Gegner Europas.

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Nigel Farage ist die Ikone der Euro-Gegner in Europa. Seine Reden sind brillant, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Zuletzt attackierte er den französischen Präsidenten Francois Hollande und prophezeite, Frankreich und Deutschland werden nicht gemeinsam im Euro bleiben können (siehe Video).

Sein Lieblingsfeind ist Martin Schulz, was ihn für viele Euro-Skeptiker besonders sympathisch macht. Zwar hat er nicht mit allen Prognosen recht behalten – er erlag zu oft der Versuchung, ein genaues Datum für das Euro-Ende zu prognostizieren. Seine Kern-Botschaft wird jedoch von vielen geteilt: Die National-Staaten in Europa müssen das Zentrum der politischen Entscheidungen bleiben. Die EU funktioniert nicht, sie ist ein künstliches Gefängnis, welches die Demokratie zerstören wird. Sogar Martin Schulz scheint Farage zugehört zu haben: Kürzlich sagte der EU-Parlaments-Präsident, die EU sei ein Frankenstein Monster und müsse dringend verändert werden (hier).

Auch der Zuspruch der britischen Bevölkerung für Nigel Farages Partei UKIP wächst. Anfang Februar schaffte es die Partei bei der lokalen Eastleigh-Wahl auf Platz zwei (hier).

Doch nun tauchen harte Vorwürfe gegen den UKIP-Chef und seine Methoden auf. Zwei ehemalige UKIP-Abgeordnete werfen dem Parteichef vor, auf sie massiven Druck ausgeübt zu haben, um zehntausende Pfund europäischer Gelder für die UKIP-Partei einzustreichen.

Nikki Sinclaire war 14 Jahre lang eine enge Mitarbeiterin Farages. Sie verließ die Partei 2010, nachdem sie und der Parteichef aneinander geraten waren. Sie beschreibt gegenüber dem Guardian, dass Farage sie eingeschüchtert und schikaniert hatte, um EU-Gelder für die UKIP zu kassieren. Farage gründete die Gruppe der Europäischen Freiheit und Demokratie im Europäischen Parlament und fand dafür bis Juli 2009 immerhin 29 Abgeordnete aus verschiedenen europäischen Ländern. Sinclair zufolge benötigte Farage jedoch noch ein 30. Mitglied in dieser Gruppe, um zusätzliche Fördergelder zu erhalten. EU-Quellen geben an, dass eine Gruppe im EU-Parlament sobald sie die Zahl ihrer Mitglieder von 29 auf 30 steigern kann, eine Erhöhung bei der Finanzierung aus EU-Mitteln um 50.000 Pfund erhält.

Nigel Farage wollte, dass Sinclaire der Gruppe beitritt, um die Zahl der notwendigen 30 Abgeordneten zu erreichen. Sie äußerte jedoch Unbehagen aufgrund antisemitischer und homophober Kommentare von italienischen Politikern, die Teil der Gruppe waren. Daraufhin soll Farage ihr gedroht haben. „Er sagte mir, dass es die Partei eine halbe Million Pfund kosten würde, wenn ich nicht bis zehn Uhr am nächsten Tag Teil der Gruppe sei“, erzählte Sinclaire. „Wenn ich mich nicht anmelden würde, würde er dafür sorgen, dass jeder in der Partei wisse, dass der Misserfolg meine Schuld war“. Auch habe er angedroht, ihre Stellung in der Partei nachhaltig zu beschädigen.

Sinclaire betonte, Farage wollte die zusätzlichen EU-Gelder nicht für die Gruppe im EU-Parlament nutzen, sondern nur für seine UKIP-Partei. Die Richtlinien der EU schreiben jedoch vor, dass die Gelder nicht für parteipolitische Zwecke verwendet werden dürfen. Freunde Farages sagten dem Guardian hingegen, dass Sinclaire seit vielen Jahren ein „Dorn im Auge“ der Partei gewesen sei und sie wohl noch eine Rechnung offen hätte. „Wir antworten nicht auf bösartige Vorwürfe dieser Art“, hieß es.

Eine andere ehemalige UKIP-Abgeordnete, Marta Andreasen, erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen den UKIP-Chef. Sie war die frühere Schatzmeisterin der Partei. Andreasen gibt an, dass Farage sie dazu angewiesen habe, einen Assistenten für die Partei zu rekrutieren, der seinen Lohn aus Brüssel beziehen sollte. Die EU-Vorschriften besagen, dass dies nur möglich ist, wenn diese Assistenten mindestens einen Teil ihrer Zeit Aufgaben im Zusammenhang mit dem EU-Parlament erledigen. „Ich merkte aber, dass er den Assistenten nur für die allgemeinen Wahlen in Großbritannien im Jahr 2012 einsetzen wollte“, erklärte Andreasen. 40.000 Pfund würde ein solcher Assistent für Tätigkeiten, die direkt mit dem Amt eines Mitglieds des EU-Parlaments verbunden sind, aus Brüssel erhalten. Andreasen aber weigerte sich, auf diese Art einen Assistenten zu rekrutieren.

Nikki Sinclaire wirft der UKIP-Partei zudem Sexismus vor. So veranstaltete die Partei angeblich ihre nationalen Vorstandssitzungen immer in so genannten Herren-Clubs wie dem Londoner Calerdonian Club, zu denen Frauen normaler Weise keinen Zugang haben. „Ich durfte zwar an der eigentlichen Sitzung teilnehmen, aber durfte nicht zu den Abgeordneten an die Bar gehen“, genau dort aber „wurden die Entscheidungen tatsächlich getroffen“, so Sinclaire.

Marta Andreasen kritisiert ebenfalls den Sexismus in der Partei, vor allem den Farages. „Er will mit Dir nicht sprechen, weil du in seinen Augen ein Mensch mit niederem Wert bist. Sie sagte, Farage sei immer „sehr abweisend und respektlos“ gewesen, wenn es um Gesetze ging, die Frauen betrafen. „Die allgemeine Haltung der Partei war, dass wir nie etwas unterstützen würden, was zugunsten von Frauen war“, so Andreasen. Farage soll ihr gegenüber auch gesagt haben, dass Frauen im gebärfähigen Alter nicht eingesetzt werden sollten, weil sie eine Belastung für das Unternehmen seien.

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