Bargeldloses Zahlen treibt Jugendliche in die Schulden-Falle

Die Zahl der überschuldeten Jugendlichen steigt dramatisch an. Der Grund: Der Konsum kennt keine Grenzen. Über Online-Einkäufe und Kreditkarten können die jungen Leute alle Segnungen des Kommerz-Zeitalters zahlen. Wirklich leisten können sie sich die Dinge nicht.

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Immer mehr Menschen verschulden sich, weil sie über ihre Verhältnisse konsumieren.

Immer mehr Menschen verschulden sich, weil sie über ihre Verhältnisse konsumieren.

6,6 Millionen Deutsche sind überschuldet (hier). Der Grund: Durch die schier unbegrenzten Möglichkeiten des bargeldlosen Einkaufens wird vielen nicht klar, dass sie sich das, was sie kaufen, im Grunde nicht leisten können. Für eine Einkaufstour braucht man heutzutage keine Brieftasche und Euroscheine mehr. Bargeldlos zahlen ist mit Kreditkarte, Smartphone, Laptop oder Tablet fast überall möglich. Dabei muss man nicht mal mehr aus dem Haus gehen. Versandunternehmen wie Amazon liefern vor die Tür. Zahlen kann man natürlich bargeldlos online.

Diese Entwicklung ist kein Zufall: Zahlreiche Finanz-Institutionen fordern die Abschaffung des Bargelds (hier die Strategie der EU und hier als neues Zivilisations-Konzept).

Jugendliche sind besondes anfällig für ein Leben auf Pump: „Wenn man mit Kreditkarte online bestellt, kommt die Rechnung eventuell erst Wochen später. Das bietet mehr Anreiz sich zu überschulden und Jugendliche stehen diesen Technologien näher als 50-Jährige“, sagt Michael Bretz vom der Creditreform.

Bretz ist bei der Creditreform verantwortlich für die Erstellung des SchuldnerAtlas. 125. 000 deutsche Unternehmen übermitteln für den Bericht Daten über Schuldner. Neben Frauen, nimmt vor allem der Anteil an überschuldeten 20- bis 29-Jährigen zu. 2012 kamen mehr als 1,5 Millionen Menschen aus dieser Altersklasse. Das sind 122.000 Fälle mehr als im Vorjahr. Knapp 27 Prozent aller Schuldner sind mittlerweile jünger als 30 Jahre. Der SchuldnerAtlas bezeichnet das Thema junge Überschuldung deswegen als „weiterhin virulent“.

Bretz spricht beim Thema Jugend nicht primär von Armutsüberschuldung wie nicht bezahlte Mieten oder Heizrechnungen. Es handle sich eher um Leichtsinn beim Konsumverhalten. „Die Jungen kaufen Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können. In Deutschland wird die Kreditkarte zum Glück gleich gesperrt, wenn sie überzogen ist.“ Trotzdem könne man in einem Monat doch viele Rechnungen anhäufen, so Bretz.

Arbeitslosigkeit war 2012 mit über 26 Prozent immer noch der Hauptgrund für Überschuldung in Deutschland. Am stärksten zugelegt hat aber das Konsumverhalten mit einem Plus von 31 Prozent. Das betrifft besonders die 20- 29-Jährigen. „Jugendliche verschulden sich eher, weil sie sich einen Status aufbauen. Das erste Auto, die erste Wohnung etc. Sie sind auch per se risikofreudiger, als ältere Menschen“, so Bretz.

Als überschuldet gilt, wer mehrere Gläubiger hat und mehrere Rechnungen eben dieser Gläubiger nicht bezahlt hat. Die Höhe der Schulden spielt dabei noch keine Rolle. (mehr hier) Die Art der Überschuldung kann weich oder hart sein. Wenn die Schuldner nur einige offene Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen, handle es sich um weiche Überschuldung. „Die Bezeichnung basiert auf der Möglichkeit, dass man die Schulden noch ausgleichen kann“, sagt Bretz den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Harte Überschuldung hingegen bedeute, dass die Schuldner vor Gericht Insolvenz anmelden müssen, sie also rettungslos verschuldet sind. 2012 gab es über 100.000 dieser Verbraucherinsolvenzen. Der Anteil jener die überschuldet sind, aber keine Insolvenz anmeldeten, ist mit 6,6 Millionen jedoch weitaus höher. Neben unangemessenem Konsumverhalten, legten 2012 vor allem Scheidung/Trennung (+ 29 Prozent) und Krankheit (+ 19 Prozent) bei den Hauptgründen für Überschuldung zu.

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