Führungs-Krise in Brüssel: EU-Präsident Van Rompuy kündigt seinen Abgang an

Der erste Ratspräsident der EU, Herman Van Rompuy, beendet seine Amtszeit Ende 2014. Die Bekanntgabe ausgerechnet jetzt, an einem weiteren Höhepunkt der Euro-Krise, legt den Schluss nahe, dass die Krise viel schlimmer ist als nach außen bekannt. Da auch Barroso 2014 abtritt, wird die EU nun von zwei „lahmen Enten“ geführt.

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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy macht den Ratzinger: Er tritt ab und verabschiedet sich von Helle Thorning-Schmidt, der dänischen Ratspräsidentschaft. David Cameron (rechts) als stiller Genießer. (Foto: consilium)

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy macht den Ratzinger: Er tritt ab und verabschiedet sich von Helle Thorning-Schmidt, der dänischen Ratspräsidentschaft. David Cameron (rechts) als stiller Genießer. (Foto: consilium)

„Wie Flasche leer“ – das sagte seinerzeit der legendäre Bayern Trainer Giovanni Trappatoni zum Spieler-Versager Thomas Strunz.

Nun hat auch Herman Van Rompuy genug vom Dauer-Stress. Van Rompuy sagte am Sonntag dem flämischen Fernsehen VRT: „Meine Amtszeit endet am 1. Dezember 2014. Ende 2014 ist das Ende meiner politischen Laufbahn.“

Van Rompuy will auch für die Christdemokraten Flanderns nicht mehr arbeiten, sondern einfach in Ruhe seine wohlverdiente Rente genießen. Van Rompuy ist 65 Jahre alt. Er war der erste Präsident des Europäischen Rates der 27 EU-Staaten. Eine erneute Kandidatur für den Posten wäre nicht möglich. Auch Europe’s Next Top-Model, die Außenbeauftrage Lady Ashton, fühlt sich überarbeitet und tritt ab.

Van Rompuy hat in Europa immer wieder für Erstaunen gesorgt: Einmal verschenkte er zu Weihnachten ein Büchlein über das positive Denken (hier), dann versprach er als stolzer Friedensnobelpreisträger den Europäern eine Periode des hundertjährigen Friedens (hier). Der britische Euro-Satiriker Nigel Farage hat Van Rompuy einmal mit einem Küchengerät verglichen – und musste dafür einige tausend Euro Strafe zahlen (hier).

Der Rücktritt ist eigentlich keine Meldung wert. Van Rompuy hatte eine Funktion inne, die schleunigst wieder abgeschafft gehört. Der vorher und nachher gänzlich unbekannte flämische Provinz-Politiker hat aus einem schlechten Posten das Schlechteste gemacht.

Interessant ist jedoch die Tatsache, dass Van Rompuy den Rücktritt jetzt bekanntgibt. Die EU hat – gemeinsam mit der EZB und dem IWF – mit dem Bankraub in Zypern den finalen Count-Down für den Euro eingeleitet (hier). Offenbar ist die Krise mittlerweile so massiv, dass Van Rompuy lieber die Flucht in den steuerfinanzierten Ruhestand antritt.

Dadurch entsteht ein Vakuum an der Spitze der Euro-Bürokratie. Wie üblich, wird es nun zu monatelangen Machtkämpfen kommen, wer den begehrten Posten einnehmen darf.

Es gibt zahlreiche Politiker, die wegen verheerender politischer Wahlniederlagen in ihren Ländern versorgt werden müssen, und sich daher hervorragend für das Amt qualifizieren.

Die psychologische Wirkung der Ankündigung sollte nicht unterschätzt werden. Die EU – ohnehin wegen der unterschiedlichen zentrifugalen Kräfte praktisch kaum zu führen – tümpelt nun die kommenden zwei Jahre führerlos vor sich hin. Auch Kommissions-Präsident José Manuel Barroso tritt 2014 ab, für seine Nachfolge dreht schon der sympathische Rheinländer Martin Schulz unermüdliche Runden (hier).

Durch die Ankündigung Van Rompuys wird allen am Euro-Endspiel Beteiligten klar: Zum entscheidenden Elfmeter-Schiessen treten für die EU zwei Schützen an, die beide in der einen Hand ein Bierglas, und in der anderen eine qualmende Zigarre halten.

Mitten in der härtesten Existenz-Krise des Euro erklären sich die zwei wichtigsten Führer zu „lahmen Enten“ (lame duck).

Das neue Motto der EU heißt: Quaack!

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