ARD: Keiner in der Tagesthemen-Redaktion versteht ein Wort Türkisch

Die erfahrene Kriegs-Berichterstatterin Carolin Emcke kritisiert ARD-Aktuell: Es gebe keinen einzigen türkischsprachigen Redakteur in der Zentrale. Das sei „unprofessionell“. Emcke fragt sich, wie die ARD eigentlich kompetent über die Türken berichten will, wenn keiner in der Redaktion ihre Sprache versteht. In der Tagesthemen-Redaktion arbeiten nur 12 Redakteure - ein Witz, wenn man bedenkt, dass die GEZ Milliarden für die Sender abwirft.

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Die ARD versucht seriös und professionell zu wirken. (Screenshot via Youtube)

Die ARD versucht seriös und professionell zu wirken. (Screenshot via Youtube)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist es ein klarer Nachteil, dass es keine türkischsprachigen- oder arabischsprachigen Redakteure beim ARD-Nachrichtenmagazin gibt oder können Türkei-Nachrichten auch ohne diese Voraussetzung möglichst genau und präzise erfolgen? Sie haben internationale Erfahrung und können das besser einordnen.

Carolin Emcke: Man muss unterscheiden: In den Auslands-Büros, in den Korrespondenzen in Istanbul, Kairo oder Beirut, vor Ort, hat die ARD selbstverständlich arabisch- oder türkisch-sprachige Mitarbeiter. Aber in der ARD-aktuell Zentrale gibt es zurzeit niemanden, der oder die Türkisch oder Arabisch spricht. Angesichts der Bedeutung der Türkei wie auch des arabischen Raums insgesamt scheint mir das unangemessen, ja provinziell. Insbesondere in Zeiten der Social Media, wo viele Informationen, Bilder und Videos im Netz kursieren und es gute Journalisten braucht, die dieses Material sortieren und falsifizieren können, bräuchte es in der ARD-aktuell Zentrale Redakteurinnen und Redakteure, die diese Sprachen sprechen.

Carolin Emcke im Flüchtlingslager Manik Pian 1 in der Provinz Kashmir in der Naehe der pakistanischen Stadt Muzaffarabad im Jahr 2001. (Foto: www.carolin-emcke.de).

Carolin Emcke im Flüchtlingslager Manik Pian 1 in der Provinz Kashmir in der Naehe der pakistanischen Stadt Muzaffarabad im Jahr 2001. (Foto: www.carolin-emcke.de).

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie die Verantwortlichen bei der ARD auf jenen Mangel aufmerksam gemacht? Wenn ja, wie haben die Damen und Herren reagiert?

Carolin Emcke: Ich habe diesen Mangel in meinem Text „Aller Tage Abend“ im Zeitmagazin sehr deutlich kritisiert. Ich habe diese Abwesenheit von türkisch- und arabisch-sprachigen Kolleginnen und Kollegen als „provinziell“ und „unprofessionell“ kritisiert. Ich denke, es braucht mehr Vielfalt in deutschen Redaktionen, damit eben auch verschiedene Perspektiven präsent sind in den Medien.

Ich glaube, diesen Mangel an Vielfalt gibt es nicht nur bei der ARD, den gibt es in vielen Redaktionen in den Medien und es ist wichtig, das zu ändern. Es gibt ja auch nicht besonders viele Frauen in den Redaktionen oder den Führungspositionen der Medien.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist der Mangel an türkischsprachigen Redakteuren ein generelles Problem der Öffentlich-Rechtlichen?

Carolin Emcke: Das kann ich so allgemein nicht beurteilen. Es wäre interessant, eine Anfrage an die anderen Sender und auch die Printmedien zu stellen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sind zwölf Redakteure beim ARD-Nachrichtenmagazin zu wenige Leute?

Carolin Emcke: Zwölf Redakteure bei den Tagesthemen, die rotierend arbeiten, sind meiner Ansicht nach zu wenig.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie würden Sie die ARD hinsichtlich der interkulturellen Zusammensetzung der Redaktion im Vergleich zu BBC oder CNN sehen?

Carolin Emcke: Die genauen Zahlen kenne ich nicht. Das müsste jemand prüfen.

Carolin Emcke, 1967 in Mülheim/Ruhr geboren, ist freie Publizistin und internationale Reporterin für Die Zeit. Sie lebt in Berlin

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