Troika in Griechenland: Neue Kredite für neue Schulden

Nach der Bundestags-Wahl laufen in Griechenland die Verhandlungen über das nächste Hilfs-Programm. Athen braucht das Geld, um seinem Schuldendienst bei der EZB und den Banken nachkommen zu können. Die Troika stellt den Griechen in Aussicht, dass die Bedingungen für frisches Geld gelockert werden könnten.

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Am Sonntag haben die neuen Gespräche zwischen der Troika und der griechischen Regierung begonnen. Dabei geht es unter anderem um die Freigabe der nächsten Hilfstranche. Aber auch die ersten Verhandlungen zum angekündigten neuen Rettungspaket sind Thema.

Griechenland benötigt dringend weitere Milliarden für den Schuldendienst.

Die Zivilbevölkerung wird von dem Geld kaum etwas zu sehen bekommen.

Zwei Rettungspakete hat Griechenland bisher erhalten. 240 Milliarden Euro sind bereits für den Schuldendienst gezahlt worden. Wegen der anhaltenden Depression weist der Haushalt des Landes große Finanzlöcher für die kommenden vier Jahre auf.

Das ist gefährlich für die Gläubiger. Insbesondere die EZB und der IWF haben als die größten offiziellen Gläubiger ein Eigeninteresse, dass die Zahlungen weiter fließen.

Zwei bis vier Milliarden Euro fehlen demnach in diesem Jahr und bis zu vier Milliarden für den Haushalt 2015 bis 2016. Da das Bailout 2014 ausläuft, sind weitere Kredite notwendig.

Der IWF geht von einer Finanzierungslücke in Höhe von 11 Milliarden Euro bis 2016 aus.

Der Grund: Allein die Hälfte des Finanzlochs in Höhe von elf Milliarden Euro ist darauf zurückzuführen, dass die Euro-Zentralbanken sich am Schuldenschnitt für Griechenland nicht beteiligt hatten. Weswegen auch die Diskussion um einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland noch immer nicht beendet ist. Hinzu kommen aber auch die Verpflichtungen der griechischen Regierung hinsichtlich des Anleihenrückkaufs zu Beginn des Jahres.

Im ersten Halbjahr 2013 sind die Schulden Griechenlands auf 321 Milliarden Eurogestiegen. Das sind mehr Schulden als vor Ausbruch der Krise 2009.

Das neue Rettungspaket soll an weniger strenge Bedingungen geknüpft sein. Die Troika reagiert durch diese Maßnahme auf die anhaltend schlechte Wirtschaft in Griechenland. EZB-Direktor Asmussen hatte erst neulich gesagt, dass die Troika „die schwierige Lage berücksichtigen wird“.

„Griechenland liefert“, zitiert das WSJ einen hochrangigen, griechischen Regierungsbeamten. „Und es gibt keine Möglichkeit, dass ein Land, das so viel geopfert hat wie dieses, noch weitere Maßnahmen auf sich zu nehmen kann, ohne politischen Selbstmord begehen zu wollen“.

In dieser Woche wird es weitere Streiks geben. Diesmal sind die Beamten an der Reihe. Erst vergangene Woche kam es nach dem Mord an einem linken Aktivisten zu schweren Ausschreitungen (hier). Etwa drei Millionen Griechen haben dem derzeit beispielsweise keinen Zugang zum Gesundheitssystem, zitiert keeptalkinggreece.com den Präsidenten des Nationalen Trägers für Gesundheitsleistungen EOPYY.

Die Zahl dürfte weit höher liegen, denn sie berücksichtigt nicht Unternehmer, die eine Insolvenz anmelden mussten oder Arbeiter in der Baubranche.

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