Immobilien-Blase: Schweizer Kirchen werfen Pfarrhäuser auf den Markt

Der Blasenindex der Großbank UBS ist erneut angestiegen. Die Immobilienpreise steigen, immer mehr Schweizer verschulden sich und erhöhen damit die Gefahr einer Immobilienblase. Sogar die Kirchen haben das Geschäft für sich entdeckt. Pfarrhäuser werden zu Wohnhäusern umgestaltet und vermietet.

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Der UBS-Immobilienblasen-Index zeigt ein Risiko an. Alle Faktoren sprechen für einen weiteren Anstieg der Preise. (Grafik: UBS)

Der UBS-Immobilienblasen-Index zeigt ein Risiko an. Alle Faktoren sprechen für einen weiteren Anstieg der Preise. (Grafik: UBS)

Die Schweizer Großbank UBS warnt vor der Entwicklung einer Immobilienblase. Die Gefahr im Immobilienmarkt habe sich im dritten Quartal in der Region am Genfersee leicht erhöht. Begründet wird das durch die Immobilienpreise, die im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent angestiegen sind. Zudem finanzieren immer mehr private Eigenheimbesitzer ihre Immobilien mit Schulden. Der Immobilienblasen-Index der UBS steigt damit von 1,15 auf 1,20 Punkte an.

Das starke Wirtschaftswachstum und die Einkommenssteigerung in der Schweiz, die sich generell dämpfend auf die Preise auswirken, reichen nicht aus, um den steigenden Immobilienpreisen etwas entgegen zu setzen. Das Ungleichgewicht steigt dann, wenn die Teuerungsrate der Immobilien 3 Prozent pro Jahr übersteigt. Bei den derzeitigen Bewertungsniveaus fehle nicht viel zu einer akuten Blasengefahr.

Die UBS geht davon aus, dass die Preise noch weiter nach oben klettern werden. Nur wenn die Hypothekarzinsen steigen, ist mit einer Entspannung auf dem Immobilienmarkt zu rechnen. Danach sieht es aber momentan nicht aus, im Gegenteil: EZB-Chef Mario Draghi hat am Donnerstag verkündet, die Leitzinsen weiter abzusenken. Ab dem 13. November beträgt der Zinssatz 0,25 Prozent. Das ist ein Rekord-Tief (mehr hier).  Damit werden die Anleger weiter in die Immobilien getrieben, wodurch die Blase auf dem Schweizer Markt weiter wächst.

Der Kurs des Euro ist nach der Mitteilung der EZB in den Keller gefallen. Das setzt auch den Schweizer Franken unter Druck. Die SNB hat für die eigene Währung eine Untergrenze von 1,20 SF festgesetzt, um dem Risiko einer Deflation und einer Rezession vorzubeugen (hier). Solange der Euro schwach ist, kann die SNB die feste Wechselgrenze nicht aufheben.

„Für die Untergrenze-Politik der Nationalbank hat die Senkung des Refinanzierungszinses von 0,5 auf 0,25 Prozent keine grossen Auswirkungen“, sagte UBS-Wirtschaftsexperte Caesar Lack im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Der SNB Leitzins beträgt 0 bis 0,25 Prozent und kann gehalten werden: Am Donnerstag betrug der von der SNB nur indirekt beeinflussbare Zinssatz 0,021 Prozent. Das entspricht dem Mittelwert der von führenden Banken gemeldeten Zinskonditionen für unbesicherte Frankenkredite mit dreimonatiger Laufzeit zwischen Banken, berichtet das Finanzmagazin cash.ch.

Da die Zinsen also eher sinken, gibt es keine Faktoren mehr, die die Immobilienpreise bremsen können. Im Gegenteil: Ausländisches Kapital sucht sich derzeit gezielt Immobilien in ökonomisch starken Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz. In wirtschaftlich volatilen Zeiten erscheinen Immobilien als die einzig verbliebene, sichere Geldanlage für Investoren.

Sogar Kirchen haben das Immobiliengeschäft für sich entdeckt: „Den Landeskirchen gehen die Mitglieder aus – und damit auch die Einnahmen aus den Kirchensteuern“, berichtet Schweiz am Sonntag. Um die Schuldenlast zu reduzieren, setzen viele Kirchgemeinden auf ihre Liegenschaften: „Findige Kirchenmanager machen aus den Immobilien Geld. Besonders in den Städten und Agglomerationen, wo der Wohnraum knapp ist und Liegenschaften an zentraler Lage gefragt sind, stehen die Chancen auf neue Einnahmequellen gut.“

In Basel wurden zwei Pfarrhäuser zu Wohnhäusern für Familien umgebaut. Immobilien, die erst renoviert werden müssen, wurden abgestoßen. Durch Mieteinnahmen konnte die Kasse um 700.000 Franken pro Jahr entlastet werden. Das Beispiel macht Schule: Nun soll die Basler Markus-Kirche abgerissen werden und zwanzig Wohnungen für Senioren und Behinderte weichen.

Die Schweizer Kirchgemeinden verfügen über Immobilienportfolios, deren millionenschweren Wert sie noch nicht erkannt haben. Die Kirchgemeinden könnten ihre Bilanzen deutlich aufbessern, wenn sie ihre Bauten besser bewirtschafteten, sagte Architekt Stefan Meier.

Der Schweizer Immobilienmarkt wird durch die weltweite Niedrigzinspolitik weiter angeheizt. Hypotheken sind so billig, wie selten zuvor. Das treibt auch immer mehr private Käufer in den Markt, die sich für ihr Eigenheim verschulden. Solange die Zinsen niedrig bleiben, geht das Spiel auf.


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