Arbeitslosigkeit in Österreich steigt auf höchsten Wert aller Zeiten

Das Jahr 2014 wird das Jahr mit der höchsten jemals gemessen Arbeitslosigkeit in Österreich. Die schwache Konjunktur, das Arbeitskräfteplus durch die Öffnung des Arbeitsmarktes nach Osten und Firmenpleiten belasten den Arbeitsmarkt.

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Altersspezifische Erwerbstätigenquoten 2013. Unternehmen sollen finanzielle Anreize dafür erhalten, wenn sie ältere Arbeitnehmer einstellen. (Grafik: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung/Statistik Austria)

Altersspezifische Erwerbstätigenquoten 2013. Unternehmen sollen finanzielle Anreize dafür erhalten, wenn sie ältere Arbeitnehmer einstellen. (Grafik: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung/Statistik Austria)

Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in Österreich erhöhte sich im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,8 Prozent. Die Zahl der Schulungsteilnehmer stieg um 10,7 Prozent. Mit insgesamt 361.056 Personen ist die Arbeitslosigkeit in Österreich ähnlich hoch wie in der Nachkriegszeit. Sogar im Krisenjahr 2009 lief es besser. Auch für 2014 erwartet der Arbeitsmarktservice (AMS) einen weiteren Anstieg der nationalen Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent.

Schon im Januar 2014 könnte die Zahl der Menschen ohne Job die Marke von rund 450.000 erreichen. Ein Jahr später, Anfang 2015, rechnet das AMS mit fast einer halben Million. Insgesamt werde 2014 das Jahr mit der „höchsten jemals gemessenen Arbeitslosigkeit“, sagt AMS-Chef Johannes Kopf dem Nachrichtenmagazin Profil.

Schuld für den starken Anstieg ist das geringe Wirtschaftswachstum. „Ohne ein internationales Anziehen der Konjunktur ist jedoch leider nicht zu erwarten, dass die Arbeitslosenzahlen in den kommenden Monaten zurückgehen werden“, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) einem Bericht von Format zufolge. Saisonbedingt werde die Zahl im kommenden Winter noch etwas ansteigen.

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) berichtet von einem „verhaltenen Wirtschaftswachstum“ von durchschnittlich 1,8 Prozent bis 2018. „. Die Prognose basiert auf der Annahme einer dauerhaft verringerten Risikobereitschaft der Unternehmen und einem Abbau der Staatsverschuldung unter schwierigen europäischen Rahmenbedingungen.“ Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibe angespannt.

Für Rumänien und Bulgarien wird der österreichische Arbeitsmarkt zur Jahreswende geöffnet. Das heißt, es bewerben sich mehr Arbeitskräfte auf weniger Jobs. Denn die Zahl der offenen Stellen ist ebenfalls rückläufig. Mit 28.072 unbesetzten Arbeitsplätzen gibt es im laufenden Jahr 2.091 weniger Stellen als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 10,4 Prozent.

Auch die Pleite der Drogeriemarkt-Kette dayli belastet den Arbeitsmarkt. Knapp 3.500 dayli-Beschäftigte verloren Mitte August bei der größten Handelspleite seit der Konsum-Insolvenz im Jahr 1995 ihren Job. Nur ein Teil der Beschäftigten konnte woanders unterkommen, 1.100 sind arbeitslos gemeldet, 154 befinden sich in Weiterbildungsprogrammen.

Die Gewerkschaften fordern einen Abbau von Überstunden zugunsten von mehr Beschäftigung. Außerdem sollen Unternehmen Anreize dafür erhalten, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, fordern Arbeiterkammer und Grüne. Aber auch die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Österreich auf einem historisch hohen Niveau, wie die apa berichtet.

Die Arbeitslosigkeit ist in sämtlichen Branchen zu spüren. Den stärksten Anstieg gab es im Bausektor mit +18 Prozent auf 18.403 Personen, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit +16,4 Prozent auf 7.697 Personen, dem Handel (13,8%) und der Warenerzeugung (+12,4 Prozent). Etwas geringer fiel die Zunahme der Arbeitslosen im Tourismus (+9,7 Prozent) und bei der Arbeitskräfteüberlassung (+7,5 Prozent) aus.

ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger hat im Wahlkampf versprochen, 400.000 neue Jobs zu schaffen. Noch hat er nicht angekündigt, wie er dieses Versprechen einlösen will. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) fordert „weniger Belastungen durch Steuern und Abgaben, weniger staatliche Bürokratie und Verwaltungsaufwand, Investitionsanreize und Reformen im Bildungsbereich“, sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl und verwies auf die Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers der WKÖ.

Im Jahr 2015 wächst die Wirtschaft Österreichs nur noch langsamer als der EU-Durchschnitt. Dann hat Österreich seinen Wettbewerbsvorteil verspielt. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden nicht lang auf sich warten lassen.


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