Damm ist gebrochen: EZB kann Geld nicht mehr aus dem Markt zurückholen

Die EZB ist auf Anleihen im Umfang von 32 Milliarden Euro sitzengeblieben. Mario Draghi hatte bereits vor Monaten angekündigt, auf diesem Weg die Liquidität-Überschwemmung wieder aufzutrocknen. Doch der „Misserfolg“ ist möglicherweise Taktik: Nun kann die EZB zur Staatsfinanzierung mit der Notenpresse übergehen.

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Der EZB blieb auf SMP-Anleihen im Umfang von 31,7 Milliarden Euro sitzen. (Grafik: Zero Hedge)

Der EZB blieb auf SMP-Anleihen im Umfang von 31,7 Milliarden Euro sitzen. (Grafik: Zero Hedge)

Am Dienstag scheiterte ein Anleiheverkauf der EZB. Mit den Anleiheverkäufen entzieht die Zentralbank dem Markt Liquidität. Doch da offenbar nicht genügend Liquidität vorhanden ist, droht nun eine massive Ausweitung der Geldbasis, um die Ankäufe von Staatsanleihen zu finanzieren.

Nur 109 Bieter kauften Anleihen im Umfang von nur 152 Milliarden Euro, berichtet Zero Hedge. Die EZB wollte 184 Milliarden an Anleihen verkaufen, blieb aber auf Anleihen im Umfang von 32 Milliarden Euro sitzen. Bereits vor einem knappen Monat war die EZB mit einem Anleiheverkauf im Rahmen ihres SMP-Programms zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer gescheitert.

Von Mai 2010 bis Oktober 2011 kaufte die EZB Staatsanleihen von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien im Umfang von knapp 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg aber die Geldbasis M0 nur etwa halb so stark. Dies erreichte die Zentralbank durch eine sogenannte „Sterilisation“ der Anleihekäufe.

Die EZB sterilisierte im Rahmen des SMP-Programms etwa die Hälfte ihrer Anleihekäufe, indem sie auf dem Markt eigene wöchentliche Anleihen verkauft. So entzieht sie dem Markt Liquidität. Mit diesem Trick konnte die EZB Staatsanleihen in ihre Bilanzen aufnehmen, ohne die Geldbasis M0 zu sehr zu erweitern.

Die EZB kann auf diese Weise sogar Gewinne machen, solange die Zinsen auf die Staatsanleihen höher sind als die Zinsen auf die eigenen EZB-Anleihen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Staatsanleihen der Krisenländer nicht ausfallen.

Im November 2011 scheiterte die EZB schon einmal bei der Sterilisierung der Anleihekäufe. Daraufhin stürzte der Euro ab, europäische Aktien verloren deutlich an Wert. Es wurde ein Mangel an Liquidität bei den europäischen Banken befürchtet.

Heute hat das Scheitern der EZB offenbar keine Konsequenzen auf den Finanzmärkten hervorgerufen. Möglicherweise war der Mangel an Liquidität erwartet worden, nachdem die Banken der Eurozone in den vergangenen Wochen ihre EZB-Langzeitkredite (LTRO) mit erhöhter Geschwindigkeit zurückgezahlt hatten.

Die Bargeldüberschüsse bei den Banken des Eurosystems sind auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Die Banken halten derzeit nur 171,5 Milliarden Euro. Es wird erwartet, dass die Bargeldüberschüsse bis zum Jahresende auf weniger als 150 Milliarden Euro schrumpfen. Daher können die Banken auch in absehbarer Zukunft nur wenige Anleihen der EZB kaufen.

Da die gescheiterte Sterilisation kaum Auswirkungen auf den Finanzmärkten hatte, könnte bei der EZB die Sterilisation insgesamt infrage gestellt werden. Wenn es keine Käufer für die SMP-Anleihen gibt, könnte sie das nötige Geld einfach drucken. Auch die US-Zentralbank tut dies im Rahmen ihres QE-Programms im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar.

Sollte EZB-Chef Mario Draghi tatsächlich den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer mit der Notenpresse finanzieren wollen, würde dies auch den Abgang des deutschen EZB-Direktor Jörg Asmussen zu Andrea Nahles ins Arbeitsministerium erklären (hier). Die Guthaben der deutschen Sparer würden durch die Ausweitung der Geldbasis weiter massiv entwertet.


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