Technologie: Jeder zweite Job wird durch Automatisierung wegfallen

Die Digitalisierung und voranschreitende Automatisierung werden dazu führen, dass die Hälfte aller Jobs in naher Zukunft wegfallen. Roboter, Computer und Algorithmen werden die Menschen ersetzen. Der technische Fortschritt vollzieht sich nicht mehr in Jahrzehnten, sondern revolutioniert den Arbeitsmarkt binnen weniger Jahre.

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Der Arbeitsmarkt wird sich branchenübergreifend ändern. (Grafik: Frey/Osborne The Future of Employment)

Der Arbeitsmarkt wird sich branchenübergreifend ändern. (Grafik: Frey/Osborne The Future of Employment)

Die voranschreitende Automatisierung in den USA verändert den Arbeitsmarkt. Fast jeder zweite Job  – 47 Prozent – ist gefährdet. Betroffen sind alle Branchen. Die Entwicklung vollzieht sich rasant. Das ist das Ergebnis einer Studie der Oxford Martin School.

Bei McDonalds werden die Kassierer bald durch Touchscreens ersetzt, an denen die Kunden ihr Menü selbst auswählen und anschließend bargeldlos bezahlen können. 7.000 dieser Touchscreens wurden bereits bestellt. „Ähnlich Foxconn: Bereits 2011 kündigte der taiwanesische Technik-Großkonzern an, in nächster Zukunft eine Million Roboter anzuschaffen, um damit Arbeitsplätze zu ersetzen“, berichtet heise.

Auch der Mittelstand bleibt von dem sozialen und digitalen Wandel nicht verschont. Viele Tätigkeiten können durch eine auf Algorithmen basierende Software besser ausgeführt werden, als vom Menschen. Am anschaulichsten lässt sich das am Beispiel automatisierter Fahrsysteme darstellen. Dreidimensionale Karten, aktuelle Verkehrsmeldungen und Witterungsbedingungen werden in die Route mit einkalkuliert. Google entwickelt derzeit sogar Fahrzeuge, die gar nicht mehr von Menschen geführt werden müssen (mehr hier).

Es gibt aber auch Tätigkeiten, die nur schwer durch Maschinen zu ersetzen sind. Diese Tätigkeiten erfordern Originalität, Empathie, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft. Anhand einer Simulation versuchten die Wissenschaftler, den Grad der Präzision zu messen, mit dem bestimmte Tätigkeit per Hand bewerkstelligt werden müssen.

Die Wahrscheinlichkeit der Automatisierung steigt in der oben angegebenen Grafik von links nach rechts. Auf der Y-Achse (vertikal) wird angezeigt, welchen Anteil eine Berufskategorie für die Beschäftigtenzahlen hat. Die Grafik kann auch als Zeitachse angesehen werden, dann muss sie von rechts nach links gelesen werden: „In einer ersten Welle werden demnach Arbeiter im Logistik- und Transportbereich ersetzt, zusammen mit Büro- und Verwaltungsanstellten. Nach einer Ruhephase folgt dann eine zweite Welle der Automatisierung, von der Tätigkeiten im Bildungswesen, im Gesundheitsbereich und im Management erfasst sind.“

Generell gilt, je höher das Risiko der Automatisierung, desto geringer ist das Gehalt für den entsprechenden Beruf. Umgekehrt verzeichnen Berufe mit dem größten Grad der Präzision, Kreativität und Originalität die höchsten Gehälter.

Die Top-Ten der am meisten gefährdeten Berufe sind Verkäufer am Telefon, Überprüfer von Grundbucheinträgen beim Immobilienkauf, Kanalisationsarbeiter, Mathematischer Techniker Überprüfer von Versicherungsanträgen, Uhrenreparateur, Fracht-und Güterverkehr-Agent, Steuer-Buchhalter, Fotografische Prozessbearbeitung sowie die Abwicklung von Bankkonto-Eröffnungen.

Die sichersten Berufe sind Freizeittherapeut, Supervisor für Mechaniker und Installateure und Werkstätten, Leiter Unfall-Notaufnahme, Sozialarbeiter für geistige Gesundheit und Drogenmissbrauch, Audiologe, Ergotherapeut, Orthopädietechniker und Prothesenfertiger, Sozialarbeiter im Gesundheitswesen, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg sowie Sicherheitsfachkräfte für Brandbekämpfung und -Prävention.

Algorithmen verändern den Arbeitsmarkt

Frank Rieger und Constanze Kurz erzählen in einem Interview zu ihrem neuen Buch „Arbeitsfrei, Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen werden“, wie Algorithmen die Arbeitswelt grundlegend verändern werden. Nach Ansicht der Autoren fällt die Rationalisierung durch Automatisierung überraschend „krass“ aus:

„In allen Bereichen, wo sich Arbeit quantifizieren, digitalisieren und analysieren lässt. In dem Moment wird diese Arbeit zu einem Billiglohn-Job, der von sehr vielen Menschen gemacht werden kann. Und die sind relativ gut und einfach zu ersetzen. Man kann das nicht auf Branchen eingrenzen“, so Rieger.

Der Wegfall der Arbeitsplätze ist branchen- und schichtübergreifend. Als nächstes werde es das „mittlere Management“ und die „Banken“ treffen. Die Technologiewellen verlaufen dabei wesentlich schneller als früher:

„In dem Augenblick, in dem autonomes Fahren gut funktioniert, sind plötzlich 500.000 bis 800.000 Menschen arbeitslos, die jetzt auf den Fernfahrerböcken sitzen. Die Übergangsphase beträgt nur drei bis fünf Jahre, weil es so lange dauert, bis in Deutschland die LKW-Flotten erneuert werden. Und keine drei Jahrzehnte wie früher.“

Intuition, Improvisation und Menschlichkeit werden zwar immer noch gebraucht, aber nicht in der Masse. In Standardprozessen wie beim Ablesen eines Scripts im Call-Center fungiere der Mensch nur noch als Sprach-Interface, so Rieger. Die Technik müsse nicht fehlerfrei sein, ergänzt Kurz, „nur gut genug. Damit spart man schon eine Menge Leute“.

Der technologische Wandel könne aber auch langfristig für Wohlstand sorgen, wenn man ihn entsprechend gestalte. Das sei Aufgabe von Sozialverbänden, Gewerkschaften und Politik, sagen die Autoren. Und es können auch neue Arbeitsplätze entstehen, wo die alten wegfallen. Wie chaotisch sich dieser Wandel vollzieht, wird also von den verantwortlichen Akteuren beeinflusst

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