Türkei-Krise: Börse in Istanbul fällt auf Vier-Monats-Tief

Der Rücktritt von drei türkischen Ministern und die Forderungen nach einem Abgang von Premier Recep Tayyip Erdoğan haben sich am Mittwoch direkt auf die Märkte ausgewirkt. Der türkische Aktienindex rutschte auf den niedrigsten Wert in vier Monaten.

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Erneut hat der türkische Markt auf die jüngsten Entwicklungen im Korruptionsskandal reagiert. In Folge der Rücktritte von drei Ministern am Mittwoch fiel der Borsa Istanbul National 100 Index (XU100) zum Börsenschluss um 4,2 Prozent auf 66,096.57 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit dem 28. August 2013.

Auch die Türkische Lira gab am frühen Abend um 0,4 Prozent auf 2,0861 gegenüber dem Dollar nach. Zuvor hatte die Währung nach zwei herben Tiefschlägen in der vergangenen Woche 0,7 Prozent gut machen können. „Die Märkte schlugen nach den Aussagen von Erdoğan Bayraktar um“, zitiert Bloomberg Murat Yardimci von der ING Bank AS in Istanbul. „Er sagte, der Ministerpräsident sollte auch zurücktreten und der Markt sackte unter einem Mangel an Liquidität zusammen.“

Erst am Dienstag hatte sich die Türkische Lira von einem Rekordtief von 2,0992 gegenüber dem Dollar erholt. Die Notenbank kündigte an, bis Ende des Jahres mindestens drei Milliarden US-Dollar und eine ähnliche Summe im kommenden Monat veräußern zu wollen. So soll die Währung weiter gestützt werden. Bereits am Mittwoch wurden 450 Millionen Dollar an Devisen verkauft. An diesem Donnerstag sollen noch einmal mindestens 250 Millionen weg.

Erdoğan beharrt auf Verschwörungstheorie

Am Mittwoch hat der zurückgetretene Minister für Umwelt und Städtebau, Erdoğan Bayraktar, in einem Interview mit dem Fernsehsender NTV den Rücktritt des türkischen Premiers gefordert. Bayraktar zufolge, seien die meisten Änderungen in den Bauplänen mit dem Wissen des Premiers gemacht worden. Neben Bayraktar mussten auch der türkische Wirtschaftsminister Zafer Cağlayan sowie Innenminister Muammer Güler gehen. Darüber hinaus traf es den Europaminister Egemen Bağış.

Dass sich die Märkte schnell wieder beruhigen werden, glaubt der Stratege Evren Kirikoglu nicht. Der Finanzfachmann von der Akbank TAS in Istanbul sagt: „Die jüngsten Rücktritte zeigen, dass sich die Debatte fortsetzen wird. Ausländische Investoren sehen das als Hinweis dafür, dass auch innerhalb der Parteien keine Einigkeit über die Untersuchungen herrscht.“

Unterdessen beharrt der türkische Premier auf seiner Theorie, dass es sich bei den derzeitigen Vorgängen um eine „Verschwörung“ handle. Das Ganze sei ein „Attentat auf die türkische Wirtschaft“. Der „ökonomische Erfolg“ habe das Land zum Ziel internationaler Mächte gemacht.

 

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