Politik

Putin fördert intensivere Geschäftspartnerschaften mit China

Putin hat während seines Staatsbesuchs in China eine Stärkung der wirtschaftlichen Kooperation betont und die Sanktionen des Westens kritisiert. Er betonte die Bereitschaft Russlands, China mit sauberer Energie zu versorgen, und sprach von Potenzialen für eine vertiefte Partnerschaft, insbesondere im Energiesektor, Fahrzeugbau und Landwirtschaft.
18.05.2024 16:45
Lesezeit: 2 min
Putin fördert intensivere Geschäftspartnerschaften mit China
Der Kremlchef setzt stark auf den Energiehandel mit China. (Foto: dpa) Foto: Mikhail Metzel

Zum Abschluss seines Staatsbesuchs in China hat Russlands Präsident Wladimir Putin um einen Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Peking geworben - und zugleich die Sanktionen des Westens scharf kritisiert. "Russland ist bereit und in der Lage, die chinesische Wirtschaft, Unternehmen, Städte und Dörfer kontinuierlich und zuverlässig mit ökologisch sauberer und erschwinglicher Energie, Strom und Wärme zu versorgen", sagte der Kremlchef am Freitag bei der Eröffnung einer russisch-chinesischen Messe in der chinesischen Millionenstadt Harbin. Er sei sicher, dass beide Staaten ihre strategische Allianz im Energiebereich weiter stärken würden.

Das derzeitige Handelsvolumen von 240 Milliarden Dollar (rund 220 Milliarden Euro) sei noch lange nicht das Ende der Möglichkeiten, sagte Putin. Neben dem Energiesektor hofft Moskau nach der Abwanderung westlicher Autohersteller auch auf eine stärkere Zusammenarbeit im Fahrzeugbau und in der Landwirtschaft. Russland ist auch aufgrund westlicher Sanktionen gegen seinen Öl- und Gassektor nach dem von Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine gezwungen, neue Absatzmärkte für seine Energieträger zu suchen.

Daher will Russland eine weitere Gaspipeline durch die Mongolei nach China bauen. Eine entsprechende Vereinbarung werde in wenigen Tagen unterzeichnet, hatte Vizeregierungschef Alexander Nowak am Vortag angekündigt. Derzeit laufe die finale Abstimmung über die wirtschaftlichen und kommerziellen Bedingungen für das Projekt. Die Leitung Kraft Sibiriens 2 soll eine Kapazität von 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr haben. Über die bisher schon bestehende Pipeline Kraft Sibiriens sind im vergangenen Jahr 22,7 Milliarden Kubikmeter Gas geflossen.

Putin: Westliche Sanktionen Teil einer Wettbewerbsverzerrung

In Harbin kritisierte Putin die westlichen Sanktionen als Teil einer Wettbewerbsverzerrung, die der gesamten Weltwirtschaft schade. "Das sind nicht marktgerechte, absolut dumme und perspektivlose Entscheidungen", sagte Putin vor Vertretern russischer Staatsmedien. Die USA würden mit diesen Sanktionen den Dollar schwächen und den "Ast absägen, auf dem sie sitzen", meinte der Kremlchef. Deutschland und damit ganz Europa leide schon jetzt an den Nebenwirkungen der selbst verhängten Restriktionen.

Putin bestritt, dass die Sanktionen mit dem von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine zusammenhingen. Seiner Darstellung nach wolle sich der Westen damit vielmehr einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Dies werde jedoch nicht gelingen, sagte er. Zwar seien die Sanktionen auch für die Betroffenen mit Unannehmlichkeiten verbunden, doch die Allianz zwischen Russland und China sei in der Lage, viele Probleme zu lösen, meinte er. Putin hatte sich während seines zweitägigen Besuchs auch stundenlang mit Chinas Staats- und Parteichef persönlich über dieses und andere Themen unterhalten.

Angesprochen wurde Putin auf die Sanktionen auch vor dem Hintergrund von Informationen, dass chinesische Banken den Zahlungsverkehr mit russischen Kunden erschwert hätten, um Folgesanktionen der USA zu umgehen. Das Thema sei besprochen worden, sagte Putin. Eine konkrete und schnelle Lösung des vor allem für Russland drängenden Problems konnte er jedoch nicht präsentieren.

Harmonische Geste zum Abschied

Mit einer harmonischen Geste hatten Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Vorabend ihre Gespräche in Peking beendet. Nach einem eintägigen Programm reichten sie sich am zunächst die Hände und umarmten sich kurz darauf zum Abschied, wie auf einem Video des Staatssenders CCTV zu sehen war. Xi winkte seinem Gast nach, als dieser in einer Limousine in die Dunkelheit fuhr.

Bei ihren Beratungen hatten Putin und Xi eine weitere enge Zusammenarbeit vereinbart. China und Russland sprachen sich zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine außerdem für eine Lösung durch politische Einigung aus. Putin lobte Chinas Friedensbemühungen. Für die im Juni geplante Friedenskonferenz in der Schweiz hat Peking bislang allerdings nicht zugesagt. Ein vor mehr als einem Jahr vorgeschlagener Zwölf-Punkte-Plan zu Lösung des Konflikts stieß international wegen seiner vagen Vorschläge auf wenig Zuspruch.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Abgaben, wenig Aufstieg: Warum sich Leistung in Deutschland immer weniger lohnt
23.07.2026

Arbeiten, gründen, Kinder großziehen – und am Ende kaum vorankommen: Für viele Familien und Unternehmer ist die aktuelle Situation in...

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsverbände sprechen AfD Lösungskompetenz ab
23.07.2026

In weniger als zwei Monaten stehen wichtige Landtagswahlen im Osten an. Die AfD führt laut Umfragen. Wie blickt die Wirtschaft auf die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta droht die Zerschlagung
23.07.2026

Varta steht vor einer möglichen Zerschlagung: Wichtige Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern lösen. Trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nestle-Aktie enttäuscht Anleger
23.07.2026

Der Teilverkauf des Wasser-Geschäfts bringt Nestle 2,8 Milliarden Franken. Trotzdem fällt die Aktie nach den Zahlen deutlich.

DWN
Technologie
Technologie Deutschland erlaubt Atom-Deal mit Russland
23.07.2026

Trotz scharfer Kritik genehmigt: In Niedersachsen sollen künftig Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart gefertigt werden....

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Zinserhöhung erst im September erwartet
23.07.2026

Die Inflation hat sich zuletzt abgeschwächt. Das ermöglicht der Europäischen Zentralbank (EZB) voraussichtlich eine Zinspause. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verhängt neue Russland-Sanktionen
23.07.2026

Ein Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer und vieles mehr: Ein neues EU-Sanktionspaket soll den Druck auf Moskau erhöhen. Ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
23.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....