Politik

Putin in China: Freundschaft ohne Grenzen?

Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in China markiert eine bedeutende Allianz inmitten globaler Herausforderungen. Trotz des Drucks durch Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts zeigt sich Peking als mächtiger Verbündeter für Moskau. Was steckt hinter Putins Reise nach Peking?
16.05.2024 09:43
Aktualisiert: 16.05.2024 09:43
Lesezeit: 2 min

Russlands Präsident Wladimir Putin unternimmt symbolträchtig seine erste Auslandsreise nach seiner Wiederwahl - und sein Ziel ist China. Sein Flugzeug landete unter der aufgehenden Sonne am Donnerstag auf dem Hauptstadtflughafen von Peking. Dort wurde er von Staats- und Parteichef Xi Jinping herzlich empfangen, der ihn als "alten Freund" begrüßte. Die zweitägige Visite soll die enge Verbundenheit zwischen beiden Ländern verdeutlichen. "Die Beziehungen zwischen Russland und China haben einen historischen Höhepunkt erreicht und werden trotz der schwierigen globalen Lage weiter gestärkt", sagte Putin gegenüber Chinas Staatsagentur Xinhua vor seinem Besuch.

China ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch von großer Bedeutung für Moskau, was durch Putins letzte offizielle Staatsbesuche unterstrichen wurde, zuletzt im Jahr 2018. Trotz der westlichen Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Konflikts hat Peking sich neutral verhalten und Russland im UN-Sicherheitsrat unterstützt. Bereits vor dem Konflikt vereinbarten beide Länder eine Freundschaft "ohne Grenzen". Während seines Aufenthalts wird erwartet, dass Putin und Xi Jinping ihre gemeinsamen Ambitionen betonen, eine multipolare Weltordnung zu schaffen und eine Gegengewicht zu den USA zu bilden.

Analysten wie Helena Legarda vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin sehen in der Zusammenkunft eine Gelegenheit für Moskau und Peking, ihre strategische Partnerschaft zu festigen und globale Angelegenheiten zu diskutieren, darunter auch den Gaza-Konflikt und potenzielle Umgehungen westlicher Sanktionen.

Trotz des scheinbar erfolgreichen Zusammentreffens gibt es auch Spannungen. Moskau zeigt sich besorgt darüber, dass China Vertreter zur Friedenskonferenz in der Schweiz entsenden könnte, die am 15. und 16. Juni stattfindet. China hat noch nicht zugesagt, gilt aber aufgrund seines Einflusses als entscheidender Teilnehmer. Putin lobte demonstrativ Chinas "Friedensinitiative", betonte jedoch die Notwendigkeit, die Sicherheitsinteressen aller Staaten zu berücksichtigen.

Der Handel zwischen Russland und China verzeichnet ein Rekordhoch, obwohl der Westen Sanktionen verhängt hat. Dennoch gibt es Herausforderungen, darunter eine leichte Abnahme der chinesischen Importe im ersten Quartal, vermutlich aufgrund von Druck seitens des Westens. Chinesische Banken haben auch die Forderungen an russische Kunden verschärft, um sich vor möglichen US-Sanktionen zu schützen.

Während Putin seine diplomatischen Bemühungen verstärkt, hat China noch Spielraum für weitere Beziehungen zu westlichen Ländern. Die jüngste Europareise von Xi Jinping zeigt Chinas Bemühungen, seine Beziehungen mit dem Westen zu verbessern, insbesondere mit Frankreich, Ungarn und Serbien.

In Bezug auf Wirtschaftsfragen wird Putin voraussichtlich den Ausbau der Gaspartnerschaft mit China vorantreiben. Russland hat ehrgeizige Pläne für neue Pipeline-Projekte, um seine Lieferungen zu diversifizieren und den Westen zu umgehen.

Putins Besuch in China wird auch in Europa aufmerksam verfolgt, da seine Äußerungen zum Ukraine-Konflikt entscheidende Auswirkungen haben könnten. Experten warnen jedoch davor, zu viel von China in Bezug auf eine Änderung seiner Haltung zum Ukraine-Konflikt zu erwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie: Umsatz soll wieder wachsen – Anleger von Salzgitter-Zahlen nicht überzeugt
23.03.2026

Die jüngsten Salzgitter-Zahlen sorgen für Aufmerksamkeit an den Märkten. Der Konzern hat seinen Verlust deutlich reduziert und peilt...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Historischer Absturz schockt Anleger – was steckt dahinter?
23.03.2026

Ein dramatischer Einbruch erschüttert den Goldpreis aktuell und stellt alte Marktregeln infrage. Trotz Krisen fällt der Goldkurs...

DWN
Politik
Politik Verbrenner-Aus 2030? BGH-Urteil bringt Klarheit zu Klagen gegen Autobauer
23.03.2026

Das Verbrenner-Aus bleibt eines der umstrittensten Themen der deutschen Wirtschaft. Während die Politik ringt, schafft ein BGH-Urteil...

DWN
Politik
Politik Trump-Ultimatum im Iran-Krieg: Lage verschärft sich nach Drohungen rund um die Straße von Hormus
23.03.2026

Im Iran-Krieg spitzt sich die Lage weiter zu: Ultimaten, militärische Drohungen und strategische Engpässe sorgen für wachsende...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell: Nahost-Konflikt treibt Rohölpreis nach oben – Goldman Sachs erhöht Brent-Kursziel
23.03.2026

Der Ölpreis aktuell steigt erneut deutlich – angetrieben durch geopolitische Spannungen und neue Drohungen im Nahen Osten. Anleger...

DWN
Politik
Politik CDU gewinnt Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das sind die Folgen für Berlin
23.03.2026

Nach der Rheinland-Pfalz-Wahl beginnt die Phase der politischen Neuordnung. Parteien ringen um Deutungshoheit und Strategien, während...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lynk & Co 02 im Marktcheck: Wie überzeugend ist das Gesamtpaket?
23.03.2026

Kompakte Elektroautos im Bereich um 35.000 Euro stehen zunehmend im Fokus von Herstellern und Käufern, da Förderung, Ausstattung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rally bleibt aus – trotz Iran-Krieg: Schweizer Privatbank Julius Bär erklärt die Gründe
23.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz des Iran-Kriegs, steigender Energiepreise und wachsender Inflationssorgen ungewöhnlich verhalten und bleibt...