Gegen den Willen der Bevölkerung: Lettland führt den Euro ein

Lettland ist in der Neujahrsnacht als 18. Staat dem Euro beigetreten. Der amtierende Ministerpräsident Valdis Dombrovskis zog in der Hauptstadt Riga symbolisch den ersten Schein der Gemeinschaftswährung aus einem Geldautomaten. Die Mehrheit der Letten lehnt den Euro ab.

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Lettland ist in der Neujahrsnacht als 18. Staat dem Euro beigetreten. Der amtierende Ministerpräsident Valdis Dombrovskis zog in der Hauptstadt Riga symbolisch den ersten Schein der Gemeinschaftswährung aus einem Geldautomaten. Der Eintritt in die Euro-Zone sei keine Entschuldigung, auf eine verantwortungsbewusste Finanzpolitik zu verzichten, warnte er. Das Land mit zwei Millionen Einwohnern – etwas weniger als Thüringen – wurde 2008 von der Finanzkrise schwer getroffen. Nach einem rigiden Sparkurs lag das Wirtschaftswachstum dann 2012 bei 5,6 Prozent, der schnellste Anstieg in der Europäischen Union.

Lettland sei nach diesen Anstrengungen nun so stark wie noch nie, erklärte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zum Beitritt. Damit setze es ein Zeichen der Hoffnung für die Staaten, die nun ihrerseits „einen schwierigen wirtschaftlichen Anpassungsprozess durchmachen“.

Der Euro wird von den Letten abgelehnt: 53 Prozent der Bürger sind gegen die neue Währung. Lediglich 22 Prozent stimmten einer Umfrage des Marktforschungsunternehmen SKDS zufolge für die Einführung des Euro. „Wir gehen voran, weil wir wissen, wie wichtig dieses Ziel ist“, sagte Ressortchef Andris Vilks mehreren Medienberichten zufolge. Der Euro sei ein wichtiger Anker für kleine Volkswirtschaften, sagte Vilks.

Die Staatsverschuldung Lettlands liegt derzeit bei 40,7 Prozent des BIPs. Das jährliche Defizit beträgt 1,2 Prozent des BIP. Beide Werte liegen innerhalb der Vorgaben der EU. Die lettische Regierung verspricht sich Vorteile im Handel mit den anderen Euro-Staaten (hier) und wird die Einführung des Euro gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen (hier).

Ein weiteres Problem Lettlands sind die Banken: Auf etwa 100.000 Bürger kommt eine Bank – was viel zu viel ist. Die Aufgabe der meisten Banken besteht allerdings nicht in der Kreditvergabe an Unternehmen oder Privathaushalte, sondern in der Geldwäsche von russischen Vermögen. Diese Probleme bleiben in der Euro-Zone erhalten – und können für ein Land sehr gefährlich werden, wie das Beispiel Zyperns gezeigt hat.

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise hat die lettische Wirtschaft einen Dämpfer erhalten und ist um 20 Prozent geschrumpft. Auch ohne den Euro ist es dem Land jedoch gelungen, die derzeit am schnellsten wachsende Wirtschaft der EU zu werden (hier).

Der Euro-Raum umfasst damit 333 Millionen Menschen.

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