Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen britischen Zentralbanker

Gegen einen britischen Zentralbanker ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen möglicher Falschaussage im Kirch-Prozess. Deutsche-Bank-Chef Fitschen, die früheren Deutsche-Bank-Chefs Ackermann und Breuer sowie weitere Top-Banker werden bereits des versuchten Prozessbetrugs verdächtigt.

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Cohrs, der früher dem Vorstand der Deutschen Bank angehörte, und Middelhoff würden der uneidlichen Falschaussage verdächtigt, sagte ein Sprecher der Strafverfolger in München am Freitag. Der aus den USA stammende Cohrs ist nach einer Karriere als Investmentbanker mittlerweile externes Mitglied des Direktoriums der Bank of England. Middelhoff, der früher den Medienkonzern Bertelsmann und später den Warenhauskonzern Arcandor führte, ist heute als Medienunternehmer tätig.

Cohrs war zunächst nicht zu erreichen. Von der Bank of England war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Deutsche Bank und der Finanzinvestor EQT, für den Cohrs als Berater arbeitet, wollten sich nicht äußern. Middelhofs Anwalt Winfried Holtermüller wies die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten zurück. Middelhof habe als Zeuge im Kirch-Prozess wahrheitsgemäß ausgesagt, sagte Holtermüller. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und mehrere frühere Top-Manager wegen des Verdachts, dass sie das Gericht belogen haben, um Schadenersatzansprüche der Erben von Leo Kirch abzuwenden. Die Deutsche Bank hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Während Fitschen, die früheren Deutschen-Bank-Chefs Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie weitere Top-Banker des versuchten Prozessbetrugs verdächtigt werden, lautet der Vorwurf gegen Cohrs und Middelhoff auf Falschaussage. In beiden Fällen liegen die Höchststrafen bei fünf Jahren Gefängnis. Gegen Fitschen & Co, Cohrs und Middelhoff liefen drei getrennte Verfahren, sagte der Behördensprecher. Zunächst werde das Verfahren gegen Fitschen & Co. vorangetrieben. „Wir wollen das möglichst in diesem Jahr oder noch in der ersten Jahreshälfte zu Ende bringen.“ Zu Details der Vorwürfe gegen Cohrs und Middelhoff wollte sich die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.

Das Gericht sprach den Kirch-Nachfolgern bereits Schadenersatz zu, weil die Deutsche Bank für den Zusammenbruch des Medienimperiums vor zwölf Jahren mitverantwortlich sei. Der damalige Bankchef Rolf Breuer hatte in einem Fernsehinterview Zweifel an der Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe gesät. Um die Schadenshöhe wird noch gerungen – die Kirch-Erben fordern allein in diesem Prozess zwei Milliarden Euro. Das Gericht hatte selbst bereits Zweifel an den Aussagen mehrerer Beteiligter geäußert.

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