Fukushima: USA behindern Messung von radioaktivem Niederschlag

Das renommierte Forschungszentrum MIT ist besorgt: Messungen des gefürchteten radioaktiven Niederschlags von Fukushima haben höhere Werte ergeben, als nach der Atom-Katastrophe von Tschernobyl. Die US-Behörden hatten versucht, die Wissenschaftler an den Messungen zu hindern.

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Auf einem Symposium des Massachusetts Institute of Technology (MIT) verkündeten Wissenschaftler die Mess-Ergebnisse des radioaktiven Niederschlags nach der Atom-Katastrophe vom März 2011. Demnach erreichte die Verseuchung der Umwelt mit Cäsium-137 ähnliche Grade wie nach dem Super-GAU von Tschernobyl. Zudem sagten die Wissenschaftler aus, dass US-Behörden sie bei ihrer Arbeit behindert und ihnen sogar Messungen boykottiert hätten.

Bei der Vortragsreihe am MIT sprachen Chemiker, Physiker und Ozeanologen über die direkten Folgen der Atom-Katastrophe von Fukushima. Dabei werteten sie Messwerte des radioaktiven Niederschlags in Form von Cäsium-134 und Cäsium-137 aus. Ersteres hat nur eine realtiv kurze Halbwertszeit von 2 Jahren, während Cäsium-137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren aufweist.

„Die aktuellsten Zahlen, die mir vorliegen, zeigen, dass 80 Petabecquerel von Cäsium-137 in die Umwelt abgegeben wurden“, sagte Jay Cullen, Dozent am Institut für Geo- und Meereswissenschaften an der Universität von Victoria.

Beim Super-GAU von Tschernobyl wurde Cäsium-137 im Umfang von etwa 75 Petabecquerel freigesetzt.

„Fukushima hat etwa 50 bis 80 Petabecquerel in 2011 freigesetzt. Ich sehe mir diese beiden an [Tschernobyl und Fukushima] und behaupte, dass sie in ihrem Ausmaß durchaus vergleichbar sind“, sagte der Meeres- und Geo-Chemiker Ken Buesseler.

Der Unterschied sei lediglich, dass der radioaktive Niederschlag von Tschernobyl größtenteils über dem Festland niederging, während er bei Fukushima hauptsächlich aufs Meer hinausgetragen wurde. Das sei das große Glück der Japaner gewesen, aber hätte dafür das Ökosystem des Pazifiks empfindlich getroffen, so Buesseler.

Die Wissenschaftler am MIT kritisierten auch, dass Regierungsbehörden sie bei den Messungen behindert haben. Sowohl das National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), als auch die Environmental Protection Agency (EPA) und das Energie Ministerium (DoE) boykottierten die Arbeit der Wissenschaftler.

„Wir boten unsere Dienste der NOAA an, denn wir wollten mit unserer Expertise helfen. […] Das NOAA hatte die Aufgabe dieses Desaster zu untersuchen und die amerikanische Reaktion darauf abzuschätzen. Ihre Reaktion war weitere Modelle anzufertigen und dadurch die Effekte [des radioaktiven Niederschlags] einzuschätzen, aber keine Außen-Messungen. Sie sagten, sie machen so etwas nicht. Sie messen keine Radionuklid. Stattdessen schoben sie die Verantwortung an das Energie Ministerium weiter. Dieses wiederum sagte, es hätte nichts mit den Meeren zu tun. Das sei Aufgabe des NOAA und nicht ihr Problem“, sagte Buesseler bei seinem Vortrag am MIT.

In den Tagen und Wochen nach der Katastrophe von Fukushima, fürchteten sich die Bewohner der US-Westküste vor dem radioaktiven Niederschlag. Dennoch entschied die Umweltbehörde EPA, keine Messgeräte an den Küsten von Oregon, Washington und Kalifornien aufzustellen. Dies berichtet Central Coast News und bezieht sich dabei auf eine offizielle Email der Umweltbehörde.

Die Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung zeigen sich vermehrt auch vor der amerikanischen Westküste. Massenhaft organisches Material bedeckt die Meeresböden und die Meereslebewesen zeigen unnatürliche Verhaltensweisen (mehr hier). Zudem wurde ein millionenfaches Absterben von Seesternen vor der Westküste der USA und Kanadas beobachtet (hier). Der Höhepunkt der radioaktiven Welle wird zwischen 2014 und 2015 erwartet. Die US-Regierung hat sich vorsorglich mit 14 Millionen Jod-Tabletten eingedeckt (hier).

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