Brunsbüttel: Verrostete Atommüll-Behälter entdeckt

Im Kernkraftwerk Brunsbüttel tauchten 18 Atommüll-Fässer mit Korrosions-Schäden auf. Die Hüllen einiger Fässer sind teilweise durchgerostet. Der Betreiber Vattenfall will die Fässer nun sicher bergen.

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Nachdem bereits 2012 erste korrodierte Fässer im Feststofflager des AKWs Brunsbüttel gefunden wurden, haben weitere Untersuchungen nun neue Krisenherde in den unterirdischen Kavernen gefunden. Mehr als 600 Fässer lagern in insgesamt sechs Kavernen und warten auf eine mögliche Endlagerung im Schacht Konrad. Bei Kamera-Inspektionen sind nun in einer Kaverne, in der 70 Fässer lagern, 18 Fässer mit radioaktiven Abfällen gefunden worden, die „starke, zum Teil die Wand durchdringende Korrosion“ aufweisen, teilte das schleswig-holsteinische Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt am Mittwoch mit.

„Jetzt wissen wir, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systematisches Problem“, sagte der schleswig-holsteinische Umweltminister, Robert Habeck. Eine „Gefährdung der Umgebung und Umwelt ist nicht gegeben“, hieß es weiter. Denn die Kavernen, in denen die Fässer lagern, seien sicher. Allerdings sei ein Teil der Fässer nicht mehr sicher handhabbar. Der Betreiber Vattenfall solle nun eine Bergungseinrichtung entwickeln, mit der die Fässer gehoben und transportiert werden können, ohne dass radioaktive Stoffe freigesetzt würden. 2015 soll mit der Bergung begonnen werden.

Seit über 30 Jahren lagern die Fässer bereits in den Kavernen. Eigentlich hätten sie von dort nach einigen Jahren in ein Endlager gebracht werden sollen. Doch das Endlager im Schacht Konrad ist noch immer nicht vollständig genehmigt, so Habeck. Seit 2007 wird Schacht Konrad zu einem Endlager umgebaut. „Bis Konrad in Betrieb gehen kann, stehen noch viele Um- und Ausbaumaßnahmen an“, gibt das Bundesamt für Strahlenschutz an. Auch ist der Widerstand in der Bevölkerung weiterhin hoch. „Die Probleme im Umgang mit Atomkraft und ihren Folgen wurden regelmäßig unterschätzt“, sagte Habeck. „Der Einstieg in die Atomenergie war ein Irrweg, der nie hätte eingeschlagen werden dürfen.“

Bis Oktober 2014 sollen nun noch drei weitere Kavernen mittels der Inspektions-Kamera untersucht werden. Die Fässer sind eng neben- und übereinander gelagert, Strahlenwerte von bis zu 600 Millisievert pro Stunde wurden dort in der Vergangenheit gemessen. „Dies sind zwar hohe, aber nicht ungewöhnliche Werte“, heißt es von Seiten des Ministeriums. Zudem seien die Kavernen durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt.

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