Armutsrisiko: Mehrheit der deutschen Frauen arbeitet für Niedriglohn

Die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt ist schlecht. So arbeiten 65 Prozent von ihnen im Niedriglohn-Sektor. Doch auch bei der Vergabe von Vorstandsposten werden sie benachteiligt.

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Frauen sind häufiger von Armut bedroht als Männer. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt arbeiteten 2010 insgesamt 65 Prozent aller Frauen im Niedriglohn-Sektor. Das geht aus einem Bericht der Agentur für Gleichstellung des Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) hervor. Der Bericht wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Hinzu kommt, dass der Frauenanteil bei geringfügigen Beschäftigungen ebenfalls sehr hoch ist. So waren 2011 insgesamt 66 Prozent Arbeitnehmer in diesem Beschäftigungsverhältnis weiblich.

Auch eine Scheidung bringt für viele Frauen ein Armutsrisiko mit sich. Im Durchschnitt verdoppelt sich das Armutsrisiko. Doch Männer sind nach einer Trennung von einer derartigen Misere selten betroffen.

Einem Viertel der Männer stehen nach einer Scheidung sogar 27 Prozent mehr Einkommen zur Verfügung. Nur vier Prozent der Männer verzeichneten nach der Trennung Einkommenseinbußen. Etwa Hälfte der Frauen hingegen verlor insgesamt 27 Prozent des verfügbaren Einkommens. Die staatlichen Sozialtransfers wurden in dem ESF-Bericht mit einberechnet. Die Gewerkschaften fordern schon seit dem Jahr 1916 „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“.

Eine weitere Ungleichbehandlung von Frauen herrscht auch bei der Vergabe von Führungspositionen. CDU-Politikerin Rita Pawelski sagte auf der Diversity Konferenz 2013 in Berlin, dass 59 Prozent aller Hochschulabsolventen Frauen seien. Sie weisen eine deutliche höhere Bildung als Männer auf. „Nicht die Familie oder Kinder sind ein Hindernis. Männer schieben sich die Vorstandsposten gerne gegenseitig zu“, sagt Pawelski.

Offenbar wird es noch lange dauern, bis eine vollkommene Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt erreicht wird. Mit Selbstverpflichtungen von Unternehmen bezüglich der Gleichstellung von Frauen kann das Problem nicht gelöst werden. Es bedarf einer gesetzlichen Verordnung.

In der Charta der Vielfalt heißt es dazu:

„Ab 2016 sollen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Bereits ein Jahr zuvor wird es für große Unternehmen verpflichtend, eigene Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und den obersten Management-Ebenen zu definieren und zu veröffentlichen.“

Ob die von den Unternehmen angepeilten Ziele wirklich umgesetzt werden ist unklar. Doch auch bei Frauen herrschen traditionell geprägte Rollenbilder vor, die eine wirtschaftliche Gleichheit erschweren. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Marion Schick sagte auf der Diversity Konferenz 2013, dass 53 Prozent aller Frauen der Ansicht sind, dass man mit Kindern keine Karriere machen können, so Schick. Doch 2007 lag jener Anteil nur bei 37 Prozent. Marion Schick ist auf Personalvorstand bei der Deutschen Telekom. Auf Nachfrage der DTN, ob bei der Telekom Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlt werden als Männer, antwortete Schick:

„Nein, bei der Telekom gibt es keine Gehalts-Differenzierung zwischen den Geschlechtern. Da unterscheiden wir uns vom Gesellschafts-Durchschnitt.“

An diesem Punkt könnten sich andere Unternehmen ein Beispiel an der Deutschen Telekom nehmen.

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