Wirtschaft

Kernenergie-Aktien explodieren um 542 Prozent: Anleger warnen vor Blasenbildung

Kernenergie-Aktien feiern ein spektakuläres Comeback – befeuert durch den steigenden Strombedarf für Rechenzentren. Die Branche erlebt nach Jahren der Ächtung einen Höhenflug. Doch Experten mahnen zur Vorsicht: Hinter den Kursanstiegen könnte eine gefährliche Blase lauern.
01.07.2025 16:02
Lesezeit: 2 min
Kernenergie-Aktien explodieren um 542 Prozent: Anleger warnen vor Blasenbildung
Kernenergie-Aktien legen massiv zu. Experten sehen Parallelen zu früheren Hypes. (Foto: dpa | Christoph Schmidt) Foto: Romain Perrocheau

Kernenergie-Aktien befeuert durch Politik und KI-Boom

Noch vor wenigen Jahren standen Kernenergie-Aktien auf den schwarzen Listen zahlreicher Investment- und Pensionsfonds. Nun entdecken immer mehr Anleger diesen bislang gemiedenen Sektor wieder für sich. Das berichtet das Wirtschaftsportal Børsen.

Der Vaneck Uranium and Nuclear Technologies Index, der die Entwicklung führender börsennotierter Unternehmen aus dem Bereich Kernenergie abbildet, ist innerhalb eines Jahres um über 40 Prozent gestiegen. Besonders drastisch legten die Aktien von Oklo A und Nuscale Power zu – beide Unternehmen entwickeln neuartige Reaktortechnologien. Die Aktie von Oklo A schnellte um unglaubliche 542 Prozent in die Höhe, Nuscale Power verzeichnete ein Plus von 271 Prozent.

Doch hinter dem Hype um Kernenergie-Aktien lauern hohe Risiken. Experten warnen vor überzogenen Bewertungen und spekulativen Exzessen. „Das erinnert mich an den Boom bei grünen Investments. Da heißt es: Wenn du dabei sein willst, musst du jetzt einsteigen. Doch die Gewinne fließen frühestens in zehn Jahren – trotzdem zahlen Anleger heute astronomische Preise“, sagt Lars Hytting, Anlagestratege bei Arthascope. Er warnt weiter: „Hinzu kommt das knappe Angebot. Wenn viele Investoren gleichzeitig auf Kernenergie-Aktien setzen, steigen die Kurse künstlich stark an.“

Rechenzentren treiben Nachfrage nach Kernenergie-Aktien

Ein entscheidender Treiber für die Renaissance der Kernenergie-Aktien ist der Boom bei Rechenzentren. Im Oktober des vergangenen Jahres schlossen die Tech-Giganten Amazon und Google Stromabkommen mit den Ingenieursfirmen X-Energy und Kairos Power. Diese entwickeln neuartige Reaktoren, die künftig Rechenzentren – insbesondere für Künstliche Intelligenz – mit Strom versorgen sollen. Zwar sind weder X-Energy noch Kairos Power börsennotiert, doch die Nachricht ließ den gesamten Markt für Kernenergie-Aktien nach oben schießen „Das Thema Kernenergie-Aktien ist eng mit dem Hype um Künstliche Intelligenz verbunden. Die zahlreichen neuen Rechenzentren verschlingen enorme Mengen Energie – deshalb steigen die Kurse. Und es wird erwartet, dass die Investitionen in diese Infrastruktur noch lange anhalten“, erklärt Oskar Barner Bernhardtsen, Anlagestratege bei Saxo Bank. Er fügt hinzu: „Von einer ausgewachsenen Blase würde ich noch nicht sprechen, aber wer jetzt einsteigt, kommt eindeutig zu spät zur Party.“ Unterstützung erhält der Markt zudem von politischer Seite. Seit Donald Trump erneut die US-Präsidentschaft übernommen hat, spricht er sich vehement für den Ausbau der Kernkraft aus. Im Mai unterzeichnete er ein Dekret zur Reindustrialisierung der amerikanischen Atomwirtschaft. Die USA verfügen bereits heute über die meisten kommerziellen Kernkraftwerke weltweit.

Solche Euphorie-Phasen sind am Aktienmarkt nicht neu. Vergleichbare Übertreibungen gab es bereits bei Cannabis-Aktien oder den sogenannten grünen Aktien.

Zwischen Überbewertung und Rendite – die Lage bei Kernenergie-Aktien

Auch etablierte Energiekonzerne profitieren vom Boom der Kernenergie-Aktien. So stieg die Aktie von Constellation Energy in den letzten drei Jahren um 414 Prozent, Vistra legte sogar um 715 Prozent zu. Das kanadische Bergbauunternehmen Cameco verzeichnete ein Kursplus von 242 Prozent. Doch die Bewertungen wirken teils absurd: Cameco wird derzeit zum 60-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – bei einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,5 für globale Standardwerte. Ähnlich spekulativ präsentieren sich die beiden aufstrebenden Reaktorbauer Nuscale Power und Oklo A. Trotz milliardenschwerer Börsenbewertungen – 4,7 beziehungsweise knapp 8 Milliarden Dollar – erwirtschaften beide Unternehmen noch keine Gewinne. Die Technologie steckt noch in der Entwicklungsphase, der kommerzielle Einsatz in Kernkraftwerken steht aus. Dennoch steigen immer mehr Privatanleger in den Markt für Kernenergie-Aktien ein. Laut der Investmentplattform Nordnet hielten im Januar letzten Jahres lediglich 457 beziehungsweise 2 skandinavische Anleger Anteile an Nuscale Power und Oklo A. Heute sind es 867 beziehungsweise 1222 Aktionäre – Tendenz steigend.

Doch die fehlenden Ertragskennzahlen werfen Fragen auf. „Müssen wir die Gewinne der nächsten 20 Jahre bereits heute einpreisen? Das könnte gefährlich werden“, warnt Lars Skovgaard, Anlagestratege bei Danske Bank. Er empfiehlt sicherheitsbewussten Anlegern den Einstieg über sogenannte ETFs – breit gestreute Fonds, die Kernenergie-Aktien mit unterschiedlichen Risikoprofilen bündeln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wenn ein Schnäppchen wie eine Falle wirkt

Ein Schnäppchen kann sich schon wie ein Gewinn anfühlen, noch bevor es im Warenkorb landet. Der Preis scheint niedriger zu sein, der...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Personalabbau in den USA: Warum Massenentlassungen großer Konzerne zunehmen
17.04.2026

In den USA mehren sich die Anzeichen für Massenentlassungen, die zunehmend auch an den Aktienmärkten positiv aufgenommen werden. Zeichnet...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neue App gegen KI-Bots: Hilfeforum gutefrage.net setzt auf echte Menschen
17.04.2026

Die KI-Offensive von Google trifft die Plattformökonomie ins Mark – gutefrage.net verliert massiv Reichweite. CEO Nepomuk Seiler kontert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Exportmodell: Wachstum bis 2035 spürbar gebremst
17.04.2026

Deutschlands Exportmodell steht vor einem strukturellen Umbruch, da sich globale Handelsströme und Absatzmärkte spürbar verschieben....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch-Aktie und Konzernbilanz unter Druck: Erster Verlust seit Finanzkrise
17.04.2026

Der weltweit größte Automobilzulieferer Bosch steht vor einer historischen Herausforderung: Erstmals seit der globalen Finanzkrise vor 17...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 16: Die wichtigsten Analysen der Woche
17.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 16 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nullrunde statt Bonus-Regen: Widerstand der Länder blockiert 1.000-Euro-Versprechen
17.04.2026

Die als Entlastung gedachte 1.000-Euro-Prämie der Bundesregierung droht zum politischen Rohrkrepierer zu werden. Was als steuerfreies...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Quittung an der Zapfsäule: Energiekrise belastet Familienbudget
17.04.2026

Der anhaltende Iran-Krieg entwickelt sich zunehmend zu einer sozialen Zerreißprobe für Deutschland. Während die Ölpreise auf den...

DWN
Technologie
Technologie Digital-Gesetz steht: Justizministerin verschärft Kampf gegen Netz-Gewalt
17.04.2026

Die Bundesjustizministerin zieht die Zügel im Internet an: Mit einem neuen Gesetzentwurf will Stefanie Hubig (SPD) den Wildwest-Zuständen...