Ukraine bestreitet Attacke auf Putin-Residenz
Russland wirft der Ukraine vor, eine Residenz von Präsident Wladimir Putin angegriffen zu haben. Diese Vorwürfe weist Kiew zurück. US-Präsident Donald Trump sagt, er sei von Putin informiert worden – und reagiert kritisch.
US-Präsident Donald Trump kritisierte den angeblichen ukrainischen Angriff auf eine Residenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Das ist nicht gut", sagte Trump, nachdem er bestätigt hatte, von Putin darüber informiert worden zu sein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Anschuldigungen Russlands zurück. Sie seien ein Vorwand, den Krieg fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.
Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte, der Kreml hoffe auf Verständnis der USA dafür, dass Russland nach dem angeblichen Terroranschlag auf Putins Anwesen seine Position bei den Verhandlungen überdenke. Laut russischen Medien handelt es sich um Putins Waldai-Residenz im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig größten Landes der Erde Residenzen zur Verfügung.
Der frühere russische Präsident und stellvertretende Vorsitzende des nationalen Sicherheitsrates Dmitri Medwedew schrieb auf der Plattform X, Selenskyj müsse sich nun für den Rest seines Lebens verstecken. Selenskyj versuche, eine Einigung zur Beendigung des Konflikts zu verhindern. "Er will Krieg", behauptete Medwedew. Selenskyj dagegen betont immer wieder, dass sein Land wie kein anderes nach Frieden strebe.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag zuerst den versuchten "Terroranschlag" öffentlich gemacht. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Über Schäden oder Verletzte war nach Darstellung Lawrows nichts bekannt. Lawrow kündigte jedoch auch Vergeltungsschläge Moskaus in Kiew an. Details nannte er nicht.
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Abend mit, dass die Drohnen über den Gebieten Brjansk, Smolensk und Nowgorod "neutralisiert" worden seien. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.
Russischer Berater: Trump war schockiert
Trump sei "schockiert" gewesen von den Schilderungen Putins, behauptete Uschakow. "Angesichts des von Kiew ausgeübten Staatsterrorismus kann die russische Seite nicht anders handeln", betonte er mit Blick auf die Erklärung, dass Russland nun seine Position bei den Friedensverhandlungen auf den Prüfstand stelle. "Dies wurde sehr deutlich zum Ausdruck gebracht", sagte Uschakow. Zugleich habe Putin betont, "dass die russische Seite weiterhin eng und fruchtbar mit den amerikanischen Partnern zusammenarbeiten will, um Wege zum Frieden zu finden".
Trump wird aus dem eigenen Lager kritisiert
Trump bestätigte, dass Putin ihn über den angeblichen Drohnenangriff informiert habe. Er verwies darauf, dass er im Oktober keine Freigabe von Tomahawk-Waffen erteilt hatte, die die Ukraine erbeten hatte. Der Marschflugkörper hat eine hohe Reichweite und hätte die Ukraine in die Lage versetzen können, ihn bis tief in das russische Hinterland abzufeuern. Der US-Präsident sagte: Es sei eine Sache, offensiv zu sein, weil Russland offensiv gewesen sei. "Aber es ist eine andere Sache, sein Haus anzugreifen."
Kritik für seine Aussagen erhielt Trump aus dem eigenen Lager. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon, ein ehemaliger Luftwaffen-General und Mitglied im Verteidigungsausschuss, schrieb auf der Plattform X: "Präsident Trump und sein Team sollten sich zunächst über die Fakten informieren, bevor sie Schuldzuweisungen vornehmen. Putin ist bekannt dafür, dass er unverhohlen lügt."
Selenskyj hatte am Sonntag mit Trump in den USA über eine Beendigung des Krieges verhandelt, ohne greifbares Ergebnis. "Es ist klar, dass wir gestern ein Treffen mit Trump hatten, und es ist klar, dass es für die Russen ein Misserfolg ist, wenn es keinen Skandal zwischen uns und Amerika gibt, sondern wir Fortschritte erzielen. Sie wollen diesen Krieg nicht beenden", sagte Selenskyj. Er forderte erneut Druck auf Russland, den Krieg zu beenden.
Die Ukraine wehrt sich immer wieder auch mit Drohnenangriffen auf russische Ziele gegen den Angriffskrieg Moskaus, der seit fast vier Jahren andauert.
Während sich in Osteuropa die Spannungen weiter zuspitzen, agieren die USA auch in anderen Weltregionen zunehmend militärisch – mit teils umstrittenen Einsätzen.
US-Militär versenkt weiteres mutmaßliches Drogenboot im Pazifik
Seit Monaten nehmen die USA vermeintliche Drogenschmuggler in internationalen Gewässern ins Visier. Über 100 Menschen kamen dabei bislang ums Leben. Völkerrechtler äußern Bedenken.
Die US-Streitkräfte haben erneut ein mutmaßlich mit Drogen beladenes Boot im östlichen Pazifik versenkt. Es sei auf einer bekannten Schmuggelroute unterwegs gewesen und gehöre zu einer als Terrororganisation deklarierten Gruppe, teilte das für die Region zuständige Südkommando des US-Militärs mit. Bei dem Angriff seien zwei Verdächtige getötet worden. Über die Pazifikroute wird vor allem Kokain über Häfen in Kolumbien und Ecuador in Richtung USA geschmuggelt.
Seit Anfang September greifen die US-Streitkräfte immer wieder Schnellboote in der Karibik und im Pazifik an, die mit Rauschgift beladen sein sollen. Bei bislang rund 30 Attacken wurden offiziellen Angaben zufolge über 100 Menschen getötet. Es gibt Bedenken, ob die tödlichen Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmuggler in internationalen Gewässern völkerrechtlich zulässig sind.
Zuletzt bestätigte US-Präsident Donald Trump, dass das Militär auch einen "Drogenumschlagplatz" in Venezuela angegriffen habe. Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela war zuletzt weiter eskaliert. Die US-Streitkräfte haben vor der Küste des südamerikanischen Landes zahlreiche Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Soldaten zusammengezogen.
Nach Einschätzung von Experten ist die Streitmacht für einen Einsatz gegen Drogenschmuggler eigentlich überdimensioniert. Venezuelas autoritärer Präsident Nicolás Maduro wirft dem Weißen Haus vor, einen Machtwechsel in Caracas erzwingen zu wollen.


