Technologie

Meta macht ernst: Atomkraft für die KI-Revolution

Um den Stromhunger seiner KI zu stillen, greift der Facebook-Konzern zu Atomenergie. Der Milliarden-Deal mit einem US-Reaktor läutet eine neue Ära ein – und macht klar: Ohne Kernkraft keine KI-Zukunft.
10.06.2025 15:32
Lesezeit: 4 min
Meta macht ernst: Atomkraft für die KI-Revolution
Für seine KI-Zukunft sichert sich Meta Atomstrom aus den USA. (Foto: dpa | Jens Büttner) Foto: Jens Büttner

Atomare Antwort auf die KI-Energiekrise

Um der rasant wachsenden Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) gerecht zu werden, setzt der Meta-Konzern künftig verstärkt auf Atomstrom. Diese Entscheidung ließ nicht nur die Aktien von Nuklearunternehmen steigen, sondern weckte auch neues Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des KI-Sektors. Das berichtet Verslo žinios.

Angesichts des durch KI ausgelösten Strombooms unterzeichnete Meta den bislang größten Stromliefervertrag seiner Unternehmensgeschichte – mit dem führenden US-Atomkraftversorger Constellation Energy.

Ab Mitte 2027 wird Meta laut Vereinbarung 1.121 Megawatt Strom aus dem Atomkraftwerk Clinton im US-Bundesstaat Illinois beziehen – just zu dem Zeitpunkt, an dem staatliche Subventionen für das Werk auslaufen. Der Preis des Deals wurde nicht bekanntgegeben.

Meta-CEO Mark Zuckerberg erklärte auf sozialen Netzwerken, die Vereinbarung mit Constellation werde es dem Konzern ermöglichen, modernste KI-Modelle auf Basis sauberer, CO₂-freier Energie zu entwickeln.

Im Gegenzug will Constellation in die Leistungssteigerung der Anlage investieren. Zudem prüft das Unternehmen – wie „Bloomberg“ berichtet – den Bau eines zweiten Reaktors am selben Standort. Eine entsprechende Genehmigung der US-Atomaufsicht liegt bereits vor.

Laut Constellation-Chef Joe Dominguez könnte das Abkommen mit Meta den Ausschlag für diese Entscheidung geben. Aktuell laufen intensive Gespräche über mögliche Investitionen in ein neues Reaktorsystem.

Nach Bekanntwerden des Deals am Dienstag stiegen die Aktien von Constellation um 9,1 Prozent. Auch die Papiere anderer Atomstromkonzerne legten deutlich zu.

Big Tech verpflichtet sich langfristig

Wie das Finanzmagazin „Barron's“ analysiert, zeigt der Schritt von Meta: Die großen Tech-Konzerne sind bereit, sich langfristig zu binden, um die Infrastruktur für KI zu sichern. Statt kurzfristiger Lösungen investieren sie in Stromversorgung auf Jahrzehnte – ein klares Signal für das Vertrauen in die strategische Bedeutung von KI.

Da Meta für seine Berechnungen vor allem auf Nvidia-Chips setzt, strahlt das Abkommen auch positiv auf den gesamten Sektor aus.

Zugleich ist der Deal Teil eines größeren Trends: Die Verbreitung von KI-Technologien treibt den Energieverbrauch in die Höhe. Zwischen 2019 und 2023 hat sich Metas Strombedarf nahezu verdreifacht.

Weltweit verbrauchen Rechenzentren bereits heute rund zwei Prozent der gesamten Stromproduktion. Die Analysefirma SemiAnalysis prognostiziert, dass KI-Anwendungen bis 2030 bis zu 4,5 Prozent des globalen Energiebedarfs ausmachen könnten.

Atomenergie als Gewinner im Energiewettlauf

Angesichts dieser Entwicklung avanciert die Atomkraft in den USA zum strategischen Gewinner: Sie bietet Versorgungssicherheit, rund um die Uhr – und das bei null Emissionen. Das macht sie zunehmend attraktiv für Technologie-Giganten mit wachsendem Stromhunger.

Zwar nutzen Tech-Konzerne auch Wind- und Solarenergie – doch deren volatile Einspeisung reicht nicht aus, um die kontinuierliche Stromnachfrage der KI-Infrastruktur zuverlässig zu bedienen.

Deshalb engagieren sich neben Meta auch andere Big-Tech-Konzerne in der Atombranche: Microsoft bezieht künftig Strom vom Kraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania. Google und Amazon investieren in Kleinreaktoren, während OpenAI eine Kooperation mit dem Atomunternehmen Oklo anstrebt – dessen Verwaltungsrat Sam Altman gerade erst verlassen hat.

KI als geopolitisches Wettrüsten

Auch Palantir-Chef Alex Karp bringt die aktuelle Entwicklung auf den Punkt: Im Interview mit CNBC sprach er von einem unausweichlichen Wettrennen zwischen den USA und China um die Vorherrschaft bei KI-Technologien.

„KI ist gefährlich – mit positiven wie negativen Folgen. Aber eines ist klar: Entweder gewinnen wir, oder China“, sagte Karp. Seiner Einschätzung nach haben die USA derzeit die Nase vorn. Europa müsse sich anpassen und von den Amerikanern lernen.

Palantir sieht er dabei an vorderster Front. Das Unternehmen helfe seinen Kunden, sicherer und effizienter zu werden.

Karp nutzte das Gespräch auch, um einen Bericht der New York Times zurückzuweisen, laut dem Palantir während der Trump-Regierung Daten über US-Bürger gesammelt haben soll. „Wir überwachen keine Amerikaner“, erklärte er.

Bereits im Januar hatte Karp betont, die USA müssten „schneller und härter“ laufen, um im globalen KI-Rennen die Führung zu behalten. Den amerikanischen Unternehmergeist lobte er als einzigartig: „Kein anderes Land verfügt über diese Kombination aus Führung, Innovationskraft und Tiefe.“

Palantir im Aufwind – trotz Kritik

Die Börse scheint ihm recht zu geben: Palantirs Aktienkurs ist 2025 bereits um 74 Prozent gestiegen. Das Unternehmen baut seine Präsenz im KI- und Verteidigungsbereich weiter aus – vor allem durch enge Zusammenarbeit mit US-Regierungsbehörden.

Trotzdem will sich Karp auf Debatten über den Börsenwert nicht einlassen: „Wenn Ihnen der Preis nicht passt – verkaufen Sie“, entgegnete er Kritikern im CNBC-Interview mit Blick auf das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Reddit verklagt Anthropic wegen Datenmissbrauchs

Unterdessen kommt es in den USA zu einem neuen Konflikt im KI-Sektor: Die Internetplattform Reddit hat den KI-Entwickler Anthropic verklagt. Laut CNBC wurde die Klage am Mittwoch vor einem Gericht in San Francisco eingereicht.

Darin wirft Reddit dem Start-up vor, ohne Genehmigung auf Nutzerdaten zugegriffen und diese für das Training generativer KI-Modelle verwendet zu haben. Das sei ein klarer Verstoß gegen die Nutzungsrechte – und habe der Plattform wirtschaftlichen Schaden zugefügt.

Unmittelbar nach Bekanntgabe stieg der Kurs der Reddit-Aktie spürbar an.

In der Klage kritisiert Reddit, dass sich Anthropic zwar als ethischer Vorreiter der KI-Branche präsentiere, tatsächlich aber ohne Rücksicht auf Eigentumsrechte handele. Reddit fordert nun eine Geschworenenverhandlung, Schadenersatz – und verbindliche Regeln für den Umgang mit Inhalten.

Anthropic – 2021 von ehemaligen OpenAI-Führungskräften gegründet – weist alle Vorwürfe entschieden zurück. „Wir widersprechen Reddits Behauptungen und werden uns energisch verteidigen“, so ein Sprecher.

Reddit, dessen Datenbasis seit über zwei Jahrzehnten aufgebaut wurde, gilt als Goldgrube für KI-Trainingsdaten. Nach dem Durchbruch von ChatGPT ist die Plattform zunehmend ins Visier von KI-Firmen geraten.

Im Mai hatte Reddit eine Partnerschaft mit OpenAI bekanntgegeben – der Konzern darf nun offiziell Reddit-Inhalte für das KI-Training nutzen. Ein ähnliches Abkommen besteht auch mit Google, das zugleich zu den Hauptinvestoren von Anthropic zählt.

In der Klageschrift lobt Reddit diese Partner als Vorbilder, da sie „die Plattformregeln achten“ und Inhalte nur auf Basis klarer Lizenzvereinbarungen verwenden – inklusive Datenschutzgarantie für Nutzer.

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