Wirtschaft

Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Fünf Grafiken zeigen, wie sich der Konflikt seit Ende Februar auf zentrale Marktindikatoren ausgewirkt hat.
13.03.2026 16:00
Lesezeit: 5 min
Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
Der Iran-Krieg sorgt an den globalen Märkten für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Gold, Bitcoin und Währungen und erhöht die Unsicherheit für Anleger weltweit (Foto: dpa)

Iran-Krieg verschärft die Unruhe an den Märkten

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zu Beginn des Jahres 2025 hat die Nervosität an den Finanzmärkten deutlich zugenommen. Der Krieg gegen den Iran hat diese Unsicherheit weiter verschärft und bei Öl, Energie, Aktien, Kryptowährungen und Währungen für teils heftige Ausschläge gesorgt.

Zwischen dem Ausbruch des Konflikts am 28. Februar und dem 12. März reagierten die Märkte mit spürbaren Verwerfungen. Die Entwicklung zeigt, wie empfindlich zentrale Anlageklassen und Rohstoffe auf geopolitische Risiken reagieren und wie schnell sich die Unsicherheit auf mehrere Marktsegmente zugleich ausbreitet.

Energiepreise reagieren besonders sensibel

Im Zentrum der Marktbeobachtung steht vor allem der Ölpreis. Für Unternehmen, Anleger und Regierungen ist entscheidend, wie stark der Krieg die globale Energieversorgung beeinträchtigt und welche Folgen sich daraus für Inflation, Wachstum und die Geldpolitik ergeben.

Der russische Angriff auf die Ukraine hatte die Energiepreise damals massiv nach oben getrieben. Der Ölpreis sprang um 18 Prozent und stieg auf mehr als 121 Dollar. Ein vergleichbarer Ausschlag ist bislang nicht zu sehen, doch auch diesmal fielen die Bewegungen deutlich aus. Am 6. März wurde ein Anstieg von 10,7 Prozent verzeichnet.

Ausschlaggebend ist die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran. Über diese Route werden rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert. Entsprechend sensibel reagieren die Märkte auf jede Störung entlang dieses strategisch wichtigen Engpasses.

Auch die Gaspreise zogen an. Hintergrund sind Unterbrechungen der LNG-Produktion in mehreren Staaten der Region, darunter Katar und Saudi-Arabien. Damit wächst die Sorge, dass sich der Konflikt rasch auf weitere Teile der Energieversorgung auswirken könnte.

Aktienmärkte weltweit geraten unter Druck

Der Konflikt löste an den internationalen Börsen eine breite Verkaufswelle aus. Der irische Iseq verlor in der Spitze bis zu sieben Prozent, während der Dow Jones zeitweise um bis zu fünf Prozent nachgab. Noch stärker fiel der Rückgang beim Stoxx 50 aus, der um neun Prozent absackte.

Auch die asiatischen Märkte gerieten deutlich unter Druck. Besonders hart traf es Südkorea, wo der Kospi allein am 4. März um 12,1 Prozent einbrach. Damit wurde deutlich, dass die Verunsicherung nicht auf Europa und die USA begrenzt blieb, sondern die globalen Aktienmärkte insgesamt erfasste.

Hinter den Kursverlusten steht die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. Steigende Energiepreise könnten den Preisauftrieb erneut verstärken und damit auch die Erwartungen an weitere Zinsschritte der Notenbanken verändern. Genau diese Aussicht erhöht den Druck auf die Aktienbewertungen.

Für die Börsen ist das ein sensibles Signal. Höhere Zinsen verteuern Kredite, belasten Investitionen und schwächen zugleich die Wachstumsaussichten vieler Unternehmen. In einem ohnehin angespannten Umfeld kann diese Mischung die Nervosität der Anleger zusätzlich verstärken.

Rüstungswerte entwickeln sich uneinheitlich

Bei europäischen Rüstungsaktien zeigt sich seit Beginn des Krieges ein gemischtes Bild. Einige Titel legten deutlich zu, andere gerieten trotz des geopolitischen Umfelds klar unter Druck. Der Sektor reagiert damit weniger geschlossen, als es in einer solchen Lage auf den ersten Blick zu erwarten wäre.

Besonders stark stieg der Kurs des italienischen Konzerns Leonardo. Am 12. März lag die Aktie in der Spitze fast 17 Prozent über dem Niveau zu Beginn des Konflikts. Damit gehörte das Unternehmen in diesem Zeitraum zu den auffälligsten Gewinnern im europäischen Verteidigungssektor.

Anders verlief die Entwicklung beim britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce. Das Papier geriet am 9. März deutlich unter Druck und verzeichnete einen markanten Rückgang. Auch der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall musste Kursverluste hinnehmen.

Der Krieg führte damit nicht automatisch zu steigenden Kursen bei allen Verteidigungswerten. Vielmehr zeigt sich, dass Investoren sehr genau zwischen einzelnen Unternehmen, Geschäftsmodellen und Bewertungen unterscheiden. Selbst in geopolitisch angespannten Phasen bleibt die Auswahl innerhalb des Sektors entscheidend.

Gold verliert, Bitcoin steigt

Auffällig ist auch die gegensätzliche Entwicklung von Gold und Bitcoin seit Ausbruch des Konflikts. Beide Anlageklassen bewegten sich in unterschiedliche Richtungen und lieferten damit ein für Krisenzeiten ungewöhnliches Bild. Das deutet auf veränderte Präferenzen unter den Anlegern hin.

Der Goldpreis fiel zeitweise um bis zu vier Prozent. Das ist bemerkenswert, weil das Edelmetall in geopolitischen Spannungsphasen normalerweise als klassischer sicherer Hafen gilt und in solchen Momenten eher von zusätzlichen Zuflüssen profitiert.

Bitcoin dagegen legte spürbar zu. Seit Beginn des Krieges stieg der Kurs in der Spitze um bis zu zehn Prozent und entwickelte sich damit deutlich besser als Gold. Für viele Marktteilnehmer war das ein Hinweis darauf, dass digitale Vermögenswerte in Krisenzeiten zunehmend anders bewertet werden.

Ein Teil des Kapitals floss damit offenbar nicht in traditionelle Schutzanlagen, sondern in Kryptowährungen. Diese Verschiebung im Anlegerverhalten könnte auf eine veränderte Wahrnehmung von Risiko und Absicherung hindeuten. Sie zeigt zugleich, wie stark sich die Marktlogik in einzelnen Segmenten verändert hat.

Der Dollar gerät ebenfalls unter Druck

Auch am Devisenmarkt hinterließ der Krieg im Nahen Osten deutliche Spuren. Der Dollar verlor gegenüber einem Korb anderer Währungen an Wert und geriet damit ebenfalls unter Druck. Die Entwicklung zeigt, dass geopolitische Konflikte nicht automatisch zu einer Flucht in die US-Währung führen.

Besonders sichtbar wird das im Verhältnis zum Euro. Seit Ende Februar fiel der Dollar gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um mehr als zwei Prozent. Damit veränderte sich auch die Einschätzung der Märkte zur Rolle des Dollars in dieser Krise.

Die Schwäche des Dollars macht deutlich, dass Investoren das Gesamtbild aus Krieg, Inflation und geldpolitischer Unsicherheit in ihre Entscheidungen einbeziehen. Währungsbewegungen werden damit zu einem wichtigen Gradmesser für das Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Für Unternehmen und Anleger ist das von erheblicher Bedeutung. Wechselkurse beeinflussen nicht nur Handelsströme, sondern auch die Kosten von Importen, Exporten und internationalen Finanzierungen. Gerade in einem volatilen Umfeld können solche Verschiebungen schnell reale wirtschaftliche Folgen haben.

Deutschlands Wirtschaft bleibt anfällig für neue Schocks

Die Marktreaktionen zeigen, wie schnell geopolitische Konflikte zentrale Bereiche der Weltwirtschaft erfassen können. Energiepreise, Börsen, Rohstoffe und Währungen reagierten innerhalb weniger Tage mit teils erheblichen Ausschlägen auf die Entwicklung im Iran-Krieg. Die Unsicherheit reicht damit weit über die Region hinaus.

Für Deutschland ist das besonders relevant. Eine exportorientierte Volkswirtschaft mit hohem Energiebedarf reagiert empfindlich auf steigende Öl- und Gaspreise, neue Inflationsrisiken und volatile Finanzmärkte. Für deutsche Unternehmen und Verbraucher wird deshalb entscheidend sein, ob sich die Lage beruhigt oder die Unsicherheit an den Rohstoff- und Finanzmärkten weiter anhält.

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