Unternehmen

Insolvenzwelle in Deutschland: Höchststand seit über einem Jahrzehnt

Die wirtschaftliche Anspannung in Deutschland erreicht einen neuen Peak: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf den höchsten Stand seit 2014. Trotz einer leichten Abschwächung der Dynamik bleibt die Lage prekär. Für die weitere Entwicklung im laufenden Jahr 2026 rücken nun vor allem externe Schocks in den Fokus – insbesondere die Auswirkungen der geopolitischen Instabilität im Nahen Osten auf die globalen Lieferketten und Energiepreise.
13.03.2026 09:35
Aktualisiert: 13.03.2026 09:35
Lesezeit: 1 min
Insolvenzwelle in Deutschland: Höchststand seit über einem Jahrzehnt
24.064 Firmeninsolvenzen in 2025, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Was das für Unternehmen und Verbraucher bedeutet und wie die Prognose für 2026 aussieht (Foto: dpa). Foto: Julian Stratenschulte

In der Wirtschaftskrise sind so viele Unternehmen in Deutschland in die Pleite gerutscht wie seit mehr als zehn Jahren nicht. 2025 registrierten die Amtsgerichte 24.064 beantragte Firmeninsolvenzen, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Dezember gab es allein einen Anstieg um fast 14 Prozent.

Schon in den Vorjahren 2023 und 2024 war die Zahl der Firmenpleiten jeweils um mehr als 20 Prozent gewachsen. Gemessen daran ebbte der Anstieg nun ab. "Höher als 2025 hatte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt im Jahr 2014 mit 24.085 Fällen gelegen“, schrieben die Statistiker. Zum Vergleich: In der globalen Finanzkrise 2009 war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 32.687 Fälle geklettert.

Auch mehr Verbraucherinsolvenzen

Die deutsche Wirtschaft wird seit Jahren von einer Pleitewelle heimgesucht. Auch Verbraucher geraten zunehmend in finanzielles Bedrängnis. 2025 gab es nach Angaben der Statistiker 77.219 Verbraucherinsolvenzen - 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weniger Großinsolvenzen

Die Forderungen der Gläubiger aus den Unternehmensinsolvenzen beliefen sich 2025 laut der Amtsgerichte auf rund 47,9 Milliarden Euro - deutlich weniger als im Vorjahr mit 58,1 Milliarden Euro. Denn 2024 habe es mehr Großinsolvenzen gegeben.

Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im vergangenen Jahr 69 Insolvenzen. Am stärksten betroffen waren die Branchen Verkehr und Lagerei sowie das Gast- und Baugewerbe.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ist vorsichtig optimistisch, dass sich die Lage bei den Insolvenzen dieses Jahr etwas bessert. Voraussetzung sei aber, dass der Iran-Krieg in wenigen Wochen endet und die Energiepreise schnell wieder sinken.

"In diesem Fall dürften die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle sinken und die Verbraucherinsolvenzen leicht um 1,0 Prozent auf 76.500 Fälle zurückgehen“, sagte BVR-Chefvolkswirt Andreas Bley. Im Falle weiter steigender Energiepreise über lange Zeit könnten die Insolvenzzahlen aber dieses Jahr nochmals steigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Russische Atomtechnik in Deutschland: Was hinter der umstrittenen Kooperation in Lingen steckt
25.07.2026

Die Genehmigung für eine Brennelementefertigung mit russischer Technologie in Niedersachsen wirft weitreichende Fragen auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen KI und Geldpolitik: Warum die Fed vor einem Zinsdilemma steht
25.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Produktivität steigern und die Inflation bremsen. Doch ausgerechnet der milliardenschwere KI-Boom könnte...

DWN
Politik
Politik Milliardäre besteuern: Die Buchwert-Falle
25.07.2026

Berlin streitet über das Erbe und das Geld der Reichsten. Doch die vermeintliche Lösung des Fiskus entpuppt sich als Sprengsatz für die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
25.07.2026

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dieselknappheit: Der Welt geht der Treibstoff aus
25.07.2026

Nicht nur Rohöl wird zum geopolitischen Druckmittel. Zerstörte Raffinerien, leere Lager und neue Drohungen der Huthi gefährden zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
25.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Panorama
Panorama Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
25.07.2026

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte...

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer und Mieter bedeutet
25.07.2026

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben der jüngeren deutschen Geschichte...