Lexus LBX: Klein, komfortabel und erstaunlich sparsam
Menschen sind neugierige Wesen. Oft kehren sie in die Vergangenheit zurück, noch stärker interessiert sie aber, was in Zukunft geschehen wird. Deshalb überrascht es nicht, dass Wahrsagerinnen viel zu tun haben. Wie erfolgreich sie dabei sind, ist eine andere Geschichte. Erinnern Sie sich an Nostradamus, den Arzt, Astrologen und Seher aus dem 16. Jahrhundert, und an die Vorhersagen, die sich nach seinem Tod erfüllt haben sollen? Einige davon wurden legendär, da er angeblich Kriege, die Reise zum Mond und sogar Computerviren richtig vorhersagte. Ebenso den Tod von Prinzessin Diana, das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy und den Terroranschlag auf die Zwillingstürme in New York.
Ein Stück Nostradamus steckt in uns allen. Haben Sie schon einmal versucht, selbst die Zukunft vorherzusagen, und lagen richtig? Solche Prognosen regen von Zeit zu Zeit die Fantasie an. Deshalb bietet sich eine Vorhersage an, die zu einer Autobeilage passt: Wie wird die Zukunft auf vier Rädern aussehen? Dass sie elektrisch geprägt sein soll, pfeifen längst die Spatzen von den Dächern. Ob auf den Straßen eines Tages tatsächlich nur noch reine Elektroautos fahren, wird viel früher klar sein, als viele glauben.
Hybridantrieb mit sehr niedrigem Verbrauch
Wenn es nur um reinen Elektroantrieb geht, kann man ruhig skeptisch bleiben. Stattdessen wirkt eine Zukunft plausibler, wie sie der Lexus LBX zeigt. Der hybride LBX kombiniert Benzin- und Elektromotor. Makellos ist das natürlich nicht, da er die Umwelt belastet. Aber nur bis zu einem Maß, das selbst anspruchsvollen Entscheidern akzeptabel erscheinen sollte.
4,19 Meter
misst der LBX in der Länge, der Kofferraum fasst 402 Liter
136 PS
Beträgt die Systemleistung aus Benzin- und Elektromotor
5,2 Liter
Beträgt der Durchschnittsverbrauch
Dieser Verbrauch erinnert sofort an die Zeiten, als auf deutschen Straßen Diesel dominierten. Trotz schwerem Gasfuß blieb er bei 5,2 Litern stehen. Für ein Auto, das bereits in der Basis 1,3 Tonnen wiegt und dessen Kraft über ein stufenloses Automatikgetriebe an die Vorderräder übertragen wird, ist das respektabel.
Unverständlich bleibt allerdings, weshalb sich die Entwickler für einen so kleinen Kraftstofftank entschieden haben. Mit 36 Litern ist er diesen Namen kaum wert. Statt entspannt rund tausend Kilometer weit zu kommen, war nach nur 700 Kilometern ein Besuch an der Tankstelle nötig. Wirklich schade.
Ansonsten verdient der Antriebsstrang Lob. Die Systemleistung von Benzin- und Elektromotor beträgt 100 Kilowatt, also 136 PS. Das reicht mehr als aus für durchschnittliche Fahrer, die unterwegs kein Adrenalin im Blut brauchen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 Kilometern pro Stunde, der Sprint auf 100 km h dauert 9,2 Sekunden.
Besonders erfreulich ist, dass das Getriebe kaum noch unangenehm hochdreht. Das war im vergangenen Jahrzehnt bei Toyota- und Lexus-Modellen häufig störend und fällt beim verwandten Yaris Cross noch immer auf.
Komfortabler Innenraum, aber wenig Platz im Fond
Der LBX ist tatsächlich ein kleiner SUV mit 4,19 Metern Länge. Sein SUV-Charakter ist allerdings nicht besonders ausgeprägt. Allradantrieb gibt es nicht und man sitzt auch nicht so hoch wie in größeren Lexus-Modellen.
Erfreulich ist der wirklich bequeme Fahrersitz, der an einen Sessel im heimischen Wohnzimmer erinnert. Zudem ist er elektrisch verstellbar und beheizbar, was einen echten Mehrwert bietet.
Die Ergonomie im Innenraum liegt auf hohem Niveau. Alle Menüs sind entweder über den Touchscreen erreichbar, der mit 25 Zentimetern beziehungsweise 9,8 Zoll nicht zu den größten gehört, oder über Tasten am Lenkrad. Insgesamt gingen die Entwickler bei der Gestaltung des Innenraums eher konservativ vor. Weniger gelungen wirkt allerdings die Türöffnung. Statt eines klassischen Griffs gibt es einen Schalter. Positiv sind zwei geschlossene Fächer und zahlreiche Ablagen.
Weniger Freude haben die Passagiere im Fond. Bei durchschnittlichen 1,72 Metern Körpergröße stößt man mit dem Kopf an das Dach. Auch die Kniefreiheit ist alles andere als großzügig. Sinnvoll erscheint daher vor allem, dass hinten Kinder oder kleinere Erwachsene sitzen. Sonst muss man schlechte Laune einkalkulieren.
Der Kofferraum überzeugt stärker. Die 402 Liter Grundvolumen reichen für vier Flugzeugkoffer und noch etwas Kleinkram. Er ist tief, was Vorteile und Nachteile hat. Wird die Rückbank umgelegt und wächst das Volumen auf 994 Liter, entsteht eine Stufe, die die Nutzbarkeit reduziert.
Premiumausstattung mit Premiumpreis
Lexus hat den Ausstattungslinien ungewöhnliche Namen gegeben. Vibrant steht für die höchste Stufe. Man könnte sagen: Es fehlt an nichts. Zu den wichtigeren Extras gehören der adaptive Tempomat, der den Fahrkomfort erhöht und die Fahrt sicherer macht, die Navigation, Parksensoren und Kamera, die die Karosserie unversehrt halten sollen, sowie ein Smart Key, dessen Intelligenz allerdings begrenzt ist. Zum Öffnen und Schließen muss man den Türgriff berühren.
Der gesamte Auftritt ist reizvoll. Der LBX hat keine größere Schwäche, die gegen einen Kauf sprechen würde. Bei Crashtests erhielt er schließlich die maximale Bewertung von fünf Sternen für Insassensicherheit.
Nur der Preis von 38.600 Euro ist für den Geldbeutel durchschnittlicher Käufer nicht besonders freundlich. Das ist allerdings nachvollziehbar, da es sich um eine Premiummarke handelt. Genau das ist auch der Hauptgrund, weshalb der LBX kein Verkaufserfolg wie der Yaris Cross ist, der zu den meistverkauften Modellen seiner Klasse zählt.
