Wirtschaft

Alarm: Deutschland hat die höchsten Unternehmenssteuern der G7

Deutschland gilt als Hochsteuerland – nun belegen es die Zahlen. Eine große Mehrheit der Unternehmen empfindet Steuern und Abgaben als massive Belastung, besonders auf Arbeit, Gewerbe und Energie. Die aktuelle Ifo-Umfrage zeigt, warum der Standort im internationalen Wettbewerb an Attraktivität verliert und wo Ökonomen dringend Reformbedarf sehen.
30.12.2025 10:07
Aktualisiert: 30.12.2025 10:07
Lesezeit: 3 min
Alarm: Deutschland hat die höchsten Unternehmenssteuern der G7
Ifo-Umfrage: Unternehmen klagen über zu hohe Steuern. (Foto: dpa) Foto: Hannes P Albert

Ifo-Firmenumfrage: Große Mehrheit findet Steuern zu hoch

Unter den G7 ist Deutschland die Nation mit den höchsten Unternehmenssteuern. Entsprechend klagt die große Mehrheit der Firmen. Drei Steuerarten gelten als zentrale Belastungsfaktoren.

Unternehmen klagen über hohe Steuer- und Abgabenlast

Eine große Mehrheit der deutschen Unternehmen empfindet die Steuer- und Abgabenlast in der Bundesrepublik als zu hoch. Hauptbelastungsfaktoren sind dabei Arbeitskosten, Energie, Einkommensteuer und Gewerbesteuer, wie das Münchner Ifo-Institut in einer Umfrage unter 1.705 Unternehmen ermittelt hat. An erster Stelle stehen die Steuern und Abgaben für und auf die Belegschaft, die knapp 83 Prozent der befragten Firmen als starke oder sehr starke Belastung empfinden. Auftraggeber war die ebenfalls in München ansässige Stiftung Familienunternehmen.

Steuern und Abgaben auf Arbeit: Hohe Belastung für Arbeitgeber und Beschäftigte

Es seien gerade die hohen Steuern auf Arbeit, die beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – lähmen "und ihnen die Freude an der Leistung nehmen", kommentierte Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. In Deutschland fallen auf Arbeit neben der Einkommensteuer umfangreiche Sozialabgaben an. Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen gemeinsam Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Summe liegen die Sozialabgaben bei rund 40 Prozent des Bruttolohns, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils etwa die Hälfte übernehmen. Hinzu kommt die Einkommensteuer, deren Spitzensteuersatz bei 42 Prozent liegt und ab einem bestimmten Einkommen greift.

Gewerbesteuer: Starke regionale Unterschiede

An zweiter Stelle der von den Unternehmen als große Last empfundenen Zahlungen an den Staat folgt für knapp 72 Prozent die Gewerbesteuer. Sie wird von den Kommunen erhoben und variiert je nach Standort erheblich. Der bundeseinheitliche Steuermessbetrag beträgt 3,5 Prozent, auf den die Gemeinden ihren individuellen Hebesatz anwenden. In der Praxis ergibt sich daraus häufig eine effektive Belastung von rund 14 bis 17 Prozent, in einzelnen Städten auch darüber. Für viele Unternehmen ist die Gewerbesteuer damit ein zentraler Standortfaktor.

Energieabgaben: Kostenfaktor für Industrie und Mittelstand

Auf Platz drei liegen die Steuern und Abgaben auf Energie, die von gut zwei Drittel (68 Prozent) der Firmen genannt wurden. Dazu zählen unter anderem die Stromsteuer, die aktuell 2,05 Cent pro Kilowattstunde beträgt, sowie weitere Umlagen und Abgaben. Für energieintensive Unternehmen summieren sich diese Kosten zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil, auch wenn es für bestimmte Branchen Entlastungsregelungen gibt.

Internationale Konkurrenz verschärft den Druck

Die Autoren verweisen in der Studie auf die internationale Konkurrenz. Laut OECD ist Deutschland unter den G7-Industrienationen das Land mit sowohl der höchsten Unternehmensbesteuerung als auch den höchsten Steuern und Abgaben auf Arbeit. Die kombinierte Steuerbelastung aus Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer liegt für Kapitalgesellschaften in Deutschland im Durchschnitt bei knapp 30 Prozent.

Ifo: Deutschland unattraktiv für Investitionen

"Die hohe Abgabenlast auf Arbeit betrifft dabei nicht nur private Haushalte, sondern wirkt auch als Standortfaktor", schreiben die Ifo-Ökonomen in dem Papier. "Sie erhöht die Arbeitskosten und kann insbesondere in international wettbewerbsintensiven Branchen die Attraktivität des Standorts mindern." Die Ökonomen empfehlen unter anderem eine Senkung der Einkommensteuer im mittleren Bereich, eine Senkung der Stromsteuer für sämtliche Unternehmen sowie eine Senkung der Körperschaftsteuer, die Kapitalgesellschaften an den Fiskus abführen. Die Körperschaftsteuer beträgt derzeit 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Einkommensteuer hat den größten Reformbedarf

Befragt nach Optionen für eine Steuerreform nennen rund 70 Prozent aller Befragten eine Senkung der Einkommensteuer, sowohl mit Blick auf die eigenen Gewinne als auch als Kostenfaktor Lohnsteuer auf dem Arbeitsmarkt. Die Regierung hatte im Koalitionsvertrag festgelegt, zur Mitte der Legislaturperiode die Zahler von Einkommensteuer zu entlasten.



An zweiter Stelle folgt die Senkung der Stromsteuer, danach fast gleichauf die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, die Verstetigung der (derzeit befristeten) degressiven Abschreibung von 30 Prozent, die Senkung der Körperschaftsteuer und Erleichterungen in der Verlustverrechnung. Gerade eine Entlastung bei der Körperschaftsteuer (nach derzeitiger Gesetzeslage kommt sie erst 2028 und in kleinen Schritten) würde unmittelbare Investitionsanreize setzen und die Attraktivität des Steuerstandorts erhöhen, so die Forscher. Aktuell gibt es Initiativen in Teilen der Politik, die geplante Senkung der Körperschaftsteuer vorzuziehen und zu beschleunigen.



Die Unternehmen bevorzugen laut der Stiftung Familienunternehmen transparente, wachstumsorientierte Mechanismen im Steuerrecht, mit wenig Bürokratie und hoher Planungssicherheit. Damit befinden sie sich an der Seite der ökonomischen Forschung, so das ifo. Das Institut empfiehlt zudem eine Umorientierung weg von zu hohen direkten Steuern, hin zu einer maßvollen Erhöhung der indirekten Steuern, inklusive Ausgleich für Einkommensschwächere.

Umfragezeitraum und institutioneller Hintergrund

Befragt wurden die 1.705 Unternehmen – darunter 1.358 Familienunternehmen – vom 8. September bis 17. Oktober. Die Stiftung Familienunternehmen ist wie das Ifo-Institut in München ansässig, arbeitet eigenständig und gehört nicht zum in Berlin sitzenden Verband der Familienunternehmer, von dem sich im Herbst nach einer Ankündigung von Gesprächsbereitschaft mit der rechtspopulistischen AfD etliche Wirtschaftsvertreter distanziert hatten.

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