Sicherer Notstrom mit Solaranlagen auf Balkon oder Dach
Notstromlösung und sicherer Notstrom gewinnen in Zeiten hybrider Bedrohungen zunehmend an Bedeutung. Balkonkraftwerke und PV-Anlagen auf dem Dach können bei einem Stromausfall die Energieversorgung für eine gewisse Zeit aufrechterhalten. Der TÜV-Verband gibt praxisnahe Hinweise zu Anschaffung, Installation und sicherem Einsatz einer Notstromlösung.
Der mehrtägige Stromausfall in Berlin zum Jahresanfang hat verdeutlicht: In Zeiten hybrider Bedrohungen und realer Angriffe auf die Energieinfrastruktur kann es für private und gewerbliche Stromverbraucher sinnvoll sein, sich gegen Blackouts abzusichern. Neben klassischen Notstromaggregaten, die meist mit Benzin oder Gas betrieben werden, rückt auch Solarenergie als Notstromlösung in den Fokus. Das ist jedoch kein Selbstläufer. „Photovoltaik-Anlagen müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen, damit sie Notstrom liefern können und ein sicherer Betrieb gewährleistet ist“, sagt Dr. Hermann Dinkler, Experte für Brand- und Explosionsschutz beim TÜV-Verband. Entscheidend sei eine fachgerechte Installation, um Risiken zu minimieren. Dinkler: „Fehlerhafte Installationen können Brände oder Stromschläge verursachen und damit Menschen in Gefahr bringen.“ Der TÜV-Verband erläutert, wie eine PV-Anlage ausgestattet sein muss, damit sie als Notstromlösung für die Selbstversorgung bei einem Stromausfall sicher eingesetzt werden kann.
Technische Voraussetzungen für eine Notstromlösung: Inselbetrieb, Speicher und Hybrid-Wechselrichter
Konventionelle PV-Anlagen schalten sich bei einem Stromausfall aus Sicherheitsgründen automatisch ab. „Fällt das Hauptnetz aus, dürfen Solaranlagen und andere Erzeuger keinen Strom mehr einspeisen, um sicheres Arbeiten am gestörten Netz zu ermöglichen“, sagt Dinkler. Für den dann notwendigen sogenannten „Inselbetrieb“ sind herkömmliche PV-Anlagen technisch nicht vorbereitet. Kernstück jeder Solaranlage ist der Wechselrichter, der den erzeugten Gleichstrom aus den Modulen in netzfähigen Wechselstrom umwandelt.
Für eine Notstromlösung zur Eigenversorgung mit Solarenergie bei einem Stromausfall ist ein spezieller Hybrid-Wechselrichter erforderlich, der das Hausnetz vom öffentlichen Netz trennt und das Energiemanagement steuert. Für eine zumindest zeitweise autarke Stromversorgung ist außerdem ein Stromspeicher erforderlich. Zusätzlich sorgt eine sogenannte Schwarzstart-Funktion dafür, dass das Notstromsystem auch ohne vorhandene Netzspannung gestartet werden kann. Wie lange Notstrom zur Verfügung steht, hängt unter anderem von der Kapazität des Stromspeichers und der Leistung des Wechselrichters ab. Weitere Einflussfaktoren sind der Strombedarf der angeschlossenen Geräte sowie die Jahreszeit, da im Winter die PV-Anlage weniger Energie erzeugt und gleichzeitig der Verbrauch steigt.
Blackout-Vorsorge mit Balkonkraftwerken – Strom für einige Stunden
Balkonkraftwerke beziehungsweise Steckersolargeräte bieten vielen Haushalten einen unkomplizierten Einstieg in die Solarstromerzeugung. Wer ein Balkonkraftwerk als Notstromlösung bei einem Stromausfall einsetzen möchte, benötigt einen Stromspeicher, an den die Solarmodule angeschlossen werden. Geeignet ist etwa eine sogenannte Powerstation, die Batterie, Wechselrichter und Stromanschlüsse kombiniert. „Die Stromversorgung erfolgt dann nicht über die Haussteckdosen, sondern über separate Anschlüsse an der Powerstation“, sagt Dinkler. Solche Systeme sind darauf ausgelegt, einzelne Verbraucher wie Lampen, WLAN-Router, Laptop, Smartphones oder – bei entsprechender Leistung – einen Kühlschrank mit Notstrom zu versorgen.
Kleinere, mobile Stromspeicher mit rund 300 Wattstunden Speicherkapazität und 300 Watt Leistung überbrücken bei einem Stromausfall mehrere Stunden und kosten ab etwa 300 Euro. Größere Systeme sind deutlich kostenintensiver und können – bei sparsamer Nutzung – einen Tag oder länger Notstrom bereitstellen. „Bei Sonnenschein kann die PV-Anlage den Speicher tagsüber nachladen und die Autarkie verlängern“, sagt Dinkler.
Notromlösung mit Sonne: Mehr Power mit PV-Anlagen auf dem Dach
Größere PV-Anlagen auf dem Hausdach arbeiten nach einem vergleichbaren Prinzip als umfassende Notstromlösung. „Der Hybrid-Wechselrichter erkennt den Stromausfall und baut ein Inselnetz auf“, sagt Dinkler. „Viele Modelle übernehmen auch die Trennung vom öffentlichen Stromnetz. Die Alternative ist eine separate Umschaltbox.“ Bei Batteriespeichern sind Kapazitäten von 5 bis 10 kWh üblich, mit denen Kleingeräte und ein Kühlschrank etwa 8 bis 24 Stunden mit Notstrom betrieben werden können.
Deutlich komplexer ist die Versorgung von Heizsystemen mit sicherer Notstromversorgung. „Gas-, Öl- oder Pelletheizungen benötigen Strom vor allem für Steuerung, Umwälzpumpen und Fördertechnik“, sagt Dinkler. „Ein begrenzter Notbetrieb ist für ein bis zwei Tage möglich.“ Hierfür kommen Speicher mit einer Größe von 15 bis 20 kWh zum Einsatz. „Wärmepumpen sind stark stromabhängig und benötigen kontinuierlich hohe Leistungen“, sagt Dinkler. „Wärmepumpen im Blackout zu betreiben, erfordert große Speicher und leistungsfähige Wechselrichter. Das ist technisch machbar, aber teuer.“
Bei der Installation wird ein separater Notstromkreislauf im Verteilerkasten eingerichtet und mit entsprechend gekennzeichneten Steckdosen verbunden, an denen priorisierte Geräte angeschlossen sind. Dinkler: „Wer eine Fußbodenheizung hat, sollte dabei auch die elektrisch gesteuerten Ventile (Stellantriebe) an den Heizkreisverteilern berücksichtigen.“
Fachgerechte Installation und geprüfte Sicherheit notwendig
Der TÜV-Verband empfiehlt, eine größere PV-Anlage mit Notstromlösung von einem qualifizierten Fachbetrieb planen und installieren zu lassen. „Die Nachrüstung bestehender Anlagen ist grundsätzlich möglich, aber aufwändig und nicht ganz billig, da zentrale Komponenten ersetzt oder erweitert werden müssen“, sagt Dinkler. Notstromlösungen unterliegen gesetzlichen sowie normativen Anforderungen, darunter die VDE-Normen VDE-AR-N 4105 für den sicheren Netzanschluss, DIN VDE 0100-551 für Schutzmaßnahmen sowie DIN VDE 0100-712 für PV-spezifische Vorgaben. Zudem müssen die Anlagen vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber angemeldet werden. Dinkler: „Bei der Auswahl von Solarkits, PV-Anlagen und Einzelgeräten sollten Verbraucher auf Prüfzeichen von unabhängigen Prüforganisationen wie dem TÜV achten.“
TÜV-Verband Checkliste für Notstrom mit Solaranlagen:
- Bedarf klären: Welche Geräte sollen bei einem Stromausfall dringend mit Strom versorgt werden?
- Hardware-Voraussetzungen: Erforderlich sind Hybrid-Wechselrichter, Stromspeicher, Umschalteinrichtung u.a.
- Dimensionierung: Leistungsfähigkeit des Wechselrichters und Größe des Speichers exakt berechnen
- Schutz- und Umschaltkonzept: Sämtliche Komponenten, insbesondere Netztrennung und Umschaltung auf Notstrombetrieb, sorgfältig planen
- Abnahme: Ein Fachbetrieb muss das System installieren und prüfen
Notstromlösung braucht Planung und Technik
Eine Notstromlösung mit Photovoltaik kann Haushalten und Betrieben im Blackout wertvolle Versorgungssicherheit bieten. Entscheidend sind jedoch die richtigen technischen Komponenten wie Hybrid-Wechselrichter, ausreichend dimensionierte Stromspeicher und eine sauber geplante Netztrennung. Ohne diese Voraussetzungen liefert eine PV-Anlage keinen Notstrom. Besonders wichtig ist die fachgerechte Installation nach geltenden VDE-Normen, um Risiken wie Brand oder Stromschlag zu vermeiden. Wer seinen tatsächlichen Bedarf realistisch kalkuliert und auf geprüfte Sicherheit achtet, kann mit einer durchdachten Notstromlösung einen wichtigen Beitrag zur eigenen Krisenvorsorge leisten – technisch machbar, aber mit klaren Anforderungen verbunden.
Über den TÜV-Verband: Der TÜV-Verband e.V. vertritt die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördert den fachlichen Austausch der Mitglieder. Der Verband engagiert sich für technische und digitale Sicherheit sowie für die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen. Grundlage sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Ziel ist es, das hohe Niveau technischer Sicherheit zu sichern, Vertrauen in die digitale Welt zu stärken und unsere Lebensgrundlagen zu bewahren. Dafür steht der TÜV-Verband e.V. im regelmäßigen Dialog mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher.

