RWE: Niedrige Strompreise hinterlassen „Blutspur“ in Bilanz

RWE leidet nach eigenen Angaben unter der Energiewende. Durch den Ausbau des Ökostroms werden die Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt. „Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspur in unserer Bilanz“, so das Unternehmen.

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Der Essener Versorger RWE leidet nach eigenen Angaben unter der Energiewende. Nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr kam der Konzern auch im ersten Quartal nicht in die Spur. Der Nettogewinn brach um ein Viertel auf 995 Millionen Euro ein. „Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspur in unserer Bilanz“, sagte Finanzchef Bernhard Günther am Mittwoch während einer Telefonkonferenz. RWE machen wie auch E.ON und zahlreichen Stadtwerken die Verwerfungen des Marktes zu schaffen. Durch den Ausbau des Ökostroms werden die Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt, an den Strombörsen fallen die Preise. RWE erwartet auch im Gesamtjahr schrumpfende Erträge.

Das schwache Ergebnis der Stromproduktion verhagelte dem Konzern das Geschäft. „Hinzu kam, dass die Wintertemperaturen – nach der extremen Kälte im Vorjahr – dieses Mal ungewöhnlich mild waren“, erklärte Vorstandschef Peter Terium in einem Brief an die Aktionäre. Dies habe der Versorger vor allem im Gasgeschäft zu spüren bekommen. Mit seinen konventionellen Kraftwerken erzielte RWE von Januar bis Ende März einen operativen Gewinn von 780 Millionen Euro – ein Minus von 23 Prozent. Im Konzern fiel der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 15 Prozent auf 2,6 Milliarden. „Die Zahlen waren mau“, sagte Heino Ruland von Ruland Research. Die RWE-Aktie gab am Mittwoch zeitweise fast zwei Prozent nach und war damit größter Verlierer im Dax.

Der Energieriese hatte bereits das vergangene Geschäftsjahr nach hohen Abschreibungen auf seine ausländischen Kraftwerke mit einem Minus von fast drei Milliarden Euro abgeschlossen – der höchste Verlust eines börsennotierten Versorgers in Deutschland überhaupt. Die Anleger mussten sich mit einem Euro Dividende begnügen nach zwei Euro im Vorjahr. RWE passte nun wegen des geplanten Verkaufs seiner Öl- und Gasfördertochter Dea seine Jahresprognose an. So soll ohne operativen Beitrag von Dea der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro liegen. Bislang hatte RWE inklusive Dea 7,6 bis 8,1 Milliarden veranschlagt.

Der größte deutsche Stromerzeuger leidet allerdings nicht nur an den Folgen der Energiewende. Einige Probleme sind hausgemacht. Teriums Vorgänger Jürgen Großmann und Harry Roels setzten noch auf Kohle- und Kernkraftwerke, als der ursprüngliche Atomausstieg schon längst beschlossen was. Sie hofften, diesen umkehren zu können. 2005 hatte RWE ein milliardenschweres Programm zum Bau neuer konventioneller Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien gestartet. Diese Anlagen werfen wegen der Konkurrenz durch den Ökostrom kaum noch Gewinn ab.

Eine eigene Ökostromtochter gründete der Konzern erst 2007. Diese gehörte nun zu den wenigen Sparten, die ihren operativen Gewinn im ersten Quartal steigern konnte. RWE drücken zudem Schulden von über 31 Milliarden Euro. Vorstandschef Terium kündigte an, diese vor allem mit dem rund fünf Milliarden Euro teuren Dea-Verkauf bis Ende des Jahres auf 26 Milliarden Euro zurückfahren. Dies ist dringend nötig, kommen die Schulden RWE wegen der Zinslast doch teuer zu stehen. 2013 musste das Unternehmen Finanzaufwendungen von 2,7 Milliarden Euro stemmen.

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