Gegenoffensive: Russische Staatsbank will Deutschland erobern

Die russische Sberbank kündigt ihren Markteintritt in Deutschland an. Das mehrheitlich staatliche Unternehmen nimmt dabei die Privatkunden ins Visier. Zuletzt musste sich der russische Finanzsektor mit einer veritablen Kapitalflucht herumschlagen.

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Die russische Sberbank nimmt bei ihrem Wachstumskurs in Europa den hart umkämpften deutschen Markt ins Visier. Hier will das größte Finanzinstitut Russlands bereits im Sommer eine Onlinebank unter der Marke Sberbank Direct gründen und anderen Banken damit Kunden abjagen. Das dafür nötige grüne Licht der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin habe das Geldhaus bereits in der Tasche, sagte Sberbank-Europachef Mark Arnold am Donnerstag in Wien. „Deutschland ist ein großer Markt, es gibt viel Bewegung.“ Der russische Rivale VTB ist über seine österreichische Tochter bereits als Direktbank in Deutschland vertreten.

Die Pläne der Sberbank sind eine Kampfansage an etablierte deutsche Institute. Noch stehe zwar nicht fest, welche Konditionen die russische Bank ihren künftigen Kunden anbieten werde. „Wenn wir starten, werden wir selbstverständlich wettbewerbsfähig sein. Es liegt in der Natur unseres Geschäftsmodels, dass wir wahrscheinlich einen besseren Preis anbieten werden als Banken mit einem Filialnetz“, sagte Arnold. Viele ausländische Banken drängen seit Jahren mit Tages- oder Festgeldangeboten auf den deutschen Markt, um dort das Geld deutscher Privatanleger einzusammeln.

In Deutschland will die Sberbank ausschließlich Produkte für Privatkunden anbieten, während sich das Institut in anderen Ländern wie Österreich auf Geschäftskunden konzentriert. Derzeit ist es in neun zentral- und osteuropäischen Ländern vertreten. Die Sberbank hatte vor zwei Jahren Teile des Osteuropa-Geschäfts des österreichischen Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG übernommen.

Weitere Zukäufe seien in den kommenden eineinhalb bis zwei Jahren nicht geplant, sagte Arnold. „Ich denke, es gibt ein hohes Potenzial, aus eigener Kraft zu wachsen in Märkten wie der Slowakei und Tschechien – mit Blick darauf, dass sich andere Banken zurückziehen.“ Derzeit sei die Sberbank noch mit dem Umbau des übernommenen ÖVAG-Geschäfts in Osteuropa beschäftigt. „Zu schnelles Wachstum kann zu Problemen führen. Wir sind vorsichtig. Aber es wird Gelegenheiten geben, in andere Märkte vorzudringen“, sagte Arnold. Vorrangiges Ziel sei es, den Marktanteil in den kommenden zwei bis drei Jahren zu verdoppeln. „Größe ist wichtig, wenn man langfristig Erfolg haben will.“

Das Institut ist mehrheitlich in Besitz der russischen Zentralbank, rund 44 Prozent der Anteile halten ausländische Fonds. Trotz der angespannten politischen Situation im Zuge der Ukraine-Krise habe die Bank keine Probleme im täglichen Geschäft. Im vergangenen Jahr schaffte Sberbank in Europa mit einem Nettogewinn von 5,6 Millionen Euro den Sprung zurück in die Gewinnzone. 2012 verbuchte das Institut ein Minus von 265 Millionen Euro.

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