Globalisierung begünstigt Korruption und Bestechung

Korruption in der Wirtschaft ist ein weltweit verbreitetes Problem. Bestechung wird häufig in Form von Gratis-Reisen, Konzertkarten oder Bordellbesuchen angeboten. Schmiergeld lehnen deutsche Manager dagegen ab.

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Die weltweite Korruption hat in den letzten fünf Jahren nochmals zugenommen. In vielen Ländern gehören Schmiergeldzahlungen nach wie vor zum Geschäftsleben, um an lukrative Aufträge zu gelangen. Deutsche Manager lehnen Schmiergelder dagegen überwiegend ab. Dafür hält ein Viertel von ihnen es nicht für anstößig, Dienstleistungen und Geschenke anzunehmen, wenn es den Unternehmenszielen dient.

„Korruption bleibt weltweit ein großes Problem: Global sind 39 Prozent der Manager der Meinung, dass Bestechung in ihrem Land an der Tagesordnung ist“, so die Autoren einer Studie zum Thema Korruption und Wirtschaftskriminalität.

Jedes vierte Unternehmen in Deutschland ist einer Studie zufolge in jüngster Zeit Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden. 26 Prozent der Manager gaben in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) an, dass in ihrem Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ein Betrugsfall aufgedeckt worden sei. Mehr waren es nur in Ägypten, Nigeria, Namibia und Kenia. Weltweit waren im Schnitt zwölf Prozent der Firmen betroffen.

Für die „Global Fraud Survey“ hat EY weltweit mehr als 2700 Manager in 59 Ländern befragt, davon 50 in Deutschland. Weltweit halten demnach vier von zehn Firmenchefs, Finanzvorständen oder Chef-Juristen Bestechung in ihrem Land für weit verbreitet, auch in Westeuropa sieht jeder fünfte Befragte Korruption und Betrug als gängig an. In Italien sind es – wie im WM-Land Brasilien – sogar 70 Prozent. In Deutschland halten nur sechs Prozent solche Praktiken für verbreitet.

96 Prozent der Manager in Deutschland gaben an, in ihrem Unternehmen gebe es Richtlinien gegen Korruption, weltweit sind es 82 Prozent. In fast jeder zweiten deutschen Firma wurden der Erhebung zufolge interne Strafen für Verstöße dagegen verhängt, weltweit bei gut einem Drittel.

„Nach unserer Erfahrung ist das Problem der Korruption aber auch in deutschen Unternehmen noch lange nicht vom Tisch“, warnte der für Wirtschaftskriminalität zuständige EY-Experte Stefan Heißner. Gefährdet seien vor allem Unternehmen, die im Ausland tätig seien. Dort stünden sie unter Druck: Ohne illegale Zahlungen kein Auftrag – doch dann seien die Umsatzziele in Gefahr. In Griechenland (58 Prozent) und in China (46 Prozent) halten viele Manager Schmiergelder „im Notfall“ für gerechtfertigt.

„In vielen Ländern ist die Zahlung von Schmiergeldern nach wie vor üblich. Die Manager international agierender Konzerne stehen in solchen Ländern vor erheblichen Herausforderungen: Wenn sie sich an die geltenden Regeln und Gesetze halten, entgeht ihnen Geschäft – mit der Folge, dass sie womöglich ihre Umsatzziele verfehlen“, sagte Heißner.

Die hohen Erwartungen von Investoren, Analysten und Aktienhaltern würde dazu führen, dass „gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten offenbar immer wieder die Regeln gebrochen“ werden, so die Studie.

In Deutschland wird der Studie zufolge von den Managern teilweise verlangt, Verträge vor- oder rückzudatieren oder zum Dank für einen Auftrag für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Etwa 4 Prozent der deutschen Manager gaben darüber hinaus an, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch Geschäftszahlen zu schönen, um Investoren ruhig zu stellen. Jeder vierte deutsche Manager hält zudem es für gerechtfertigt das „Angebot von Unterhaltungsdienstleistungen“ anzunehmen, wenn so ein Auftrag für das Unternehmen gewonnen werden kann.

Selbst wenn es weh tue, einen Auftrag nicht zu erhalten, weil man nicht zu illegalen Zahlungen bereit sei: „Korruption ist kein Kavaliersdelikt sondern kann ein Unternehmen in seiner Existenz gefährden – da braucht es glasklare unternehmensinterne Vorgaben, deren Einhaltung tatsächlich ständig überprüft wird, um zu verhindern, dass Mitarbeiter der Versuchung erliegen, dem Erfolg mit Schmiergeldzahlungen nachzuhelfen“, so Heißner weiter.

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