EU-Kommission genehmigt Fusion von O2 und E-Plus

Die EU-Kommission stimmt der Fusion von E-Plus und O2 zu. Durch den Zusammenschluss entsteht der größte Mobilfunkanbieter Deutschlands mit rund 45 Millionen Handy-Kunden. Verbraucherschützer rechnen mit steigenden Preisen für die Mobilfunk-Kunden.

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Die europäischen Kartellwächter haben für die nächsten Jahrzehnte die Weichen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gestellt. Die EU-Kommission genehmigte am Mittwoch die 8,6 Milliarden Euro schwere Fusion von Telefonica Deutschland („o2“) und E-Plus.

Die bislang abgeschlagenen Netzbetreiber ziehen mit zusammen 45 Millionen Kunden am Führungsduo Deutsche Telekom und Vodafone vorbei. Unmittelbar droht den alten Granden aber keine Gefahr: Das Zusammenschalten der Netze von o2 und E-Plus ist enorm kompliziert und dauert Jahre. Experten sehen in der Entscheidung der Kartellwächter den Startschuss für weitere Fusionen in der europäischen Telekommunikationsbranche.

Die Erlaubnis für das vor einem Jahr eingefädelte Zusammengehen hängt an einer Reihe von Auflagen für die Tochter des spanischen Telekommunikationsriesen Telefonica, wie die EU-Kommission mitteilte. Diese sollen verhindern, dass die Übernahme von E-Plus den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt beeinträchtigt, erklärte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. „Verbraucher werden weiter in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen.“

Um die Auflagen wurde acht Monate gerungen, da die Wettbewerbshüter fürchteten, dass nach dem Zusammenschluss des drittgrößten Betreibers E-Plus – Tochter der niederländischen Telekommunikationsfirma KPN – mit der Nummer Vier, Telefonica Deutschland, die Mobilfunkpreise steigen.

Rivalen und deutsche Behörden etwa pochten darauf, dass die beiden Anbieter einen Teil ihrer Funkfrequenzen abgeben, da sie ansonsten den Markt dominierten. Im Vergleich dazu sind die Forderungen aus Brüssel nach Ansicht von Experten für Telefonica Deutschland verkraftbar. Unter anderem muss die Münchner Firma bis zu 30 Prozent der Kapazitäten des Mobilfunknetzes der neuen Firma an Wettbewerber weiterverkaufen.

Die Bedingung ist bereits erfüllt, da Telefonica vorige Woche mit dem Dienstleister Drillisch handelseinig geworden ist. Daneben muss das Unternehmen bereit sein, Funkspektrum an einen möglichen neuen Netzbetreiber zu veräußern. Der ist derzeit aber nicht in Sicht, da der Markteintritt für einen Newcomer sehr teuer wäre. Zudem muss Telefonica den Zugang zu seinem Funknetz ausweiten, das auf dem Standard LTE basiert und Daten besonders schnell überträgt.

Als Präzedenzfall für den Deal gilt die Fusion des dritt- und viertgrößten Mobilfunkanbieters in Österreich: Mit der Übernahme von Orange durch Hutchison vor anderthalb Jahren schrumpfte die Zahl der Anbieter mit eigenem Netz von vier auf drei. Nach Angaben des österreichischen Telekom-Regulierers RTR sind die Mobilfunkpreise danach gestiegen. Analyst James Alison von IHS rechnet mit Folgen für den Rest der Branche auf dem Kontinent. „Europaweit wurde damit der Weg für eine Konsolidierung von vier Anbietern auf drei geebnet.“

Hauptantrieb für den Zusammenschluss sind hohe Einsparungen: Telefonica hofft, dadurch die Kosten um bis zu 5,5 Milliarden Euro zu drücken. Möglich ist das vor allem, da nur noch eines der bisher zwei Mobilfunknetze betrieben werden muss. Der Unterhalt der Netze ist sehr teuer. Der Prozess wird jedoch Jahre dauern. Geführt wird Telefonica Deutschland künftig vom langjährigen E-Plus-Chef Thorsten Dirks.

Nach Kunden betrachtet rückt der Newcomer an die Spitze: Zusammen zählen o2 und E-Plus derzeit 44,8 Millionen Handy-Kunden. Die Telekom weist 38,6 Millionen aus, und Vodafone kommt auf 32,3 Millionen. Doch in Punkto Jahresumsatz rangiert Telefonica hierzulande auch nach der Übernahme mit 8,1 Milliarden Euro nur auf dem dritten Platz, hinter Vodafone mit 9,6 Milliarden Euro Umsatz. Unangefochtener Marktführer ist die Deutsche Telekom, die in der Heimat zuletzt 22,4 Milliarden Euro erlöste.

Der deutsche Mobilfunkmarkt ist hart umkämpft, da die Anbieter mit Rabatten und hohen Subventionen für neue Mobilfunkgeräte um Kunden buhlen. Zudem entzieht die Regulierungsbehörde den Firmen durch Preisvorschriften regelmäßig viel Geld. Resultat: Die Umsätze der vier Betreiber mit Gesprächsminuten und Datenpaketen sanken 2013 um fünf Prozent. Hart erwischte es o2, hier gingen die Erlöse sogar noch stärker zurück.

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