Wenn Aktien-Händler zu denken beginnen, kommt der Crash

Erfolgreiche Aktienhändler verkaufen Anteile, noch während der Preis steigt. Diese emotional schwierige Entscheidung wird durch ein spezielles Warnsystem im Gehirn ermöglicht. Sobald die cleveren Händler verkaufen, folgen ihnen die anderen und die Blase platzt.

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Clevere Aktienhändler bemerken als erste, wenn ein Markt überbewertet ist. Sie verfügen über eine Art Frühwarnsystem, das auf Gehirn-Scans sichtbar ist. Daher verkaufen sie ihre Wertpapiere als erste und bringen dadurch die Blase zum Platzen. Die vielen „dummen“ Händler hingegen laufen der Marktbewegung hinterher und machen massive Verluste.

„Was in den Gehirnen der Leute geschieht, wenn sie [mit Wertpapieren] handeln, zeigt, dass Buffett recht hatte“, zitiert der Finanzblog Zero Hedge den Professor für Verhaltensökonomie am California Institute of Technology (Caltech), Colin Camerer. Gemeint ist Warren Buffetts Hinweis, Investoren sollten „vorsichtig sein, wenn andere gierig sind, und gierig sein, wenn andere vorsichtig sind“.

Camerer und seine Kollegen am Caltech und an der Universität Virginia Tech untersuchten in ihrem Experiment die Gehirnaktivität und das Verhalten der circa 20 Teilnehmer. Diese erhielten 100 Einheiten einer fiktiven Währung und sechs Anteile eines fiktiven riskanten Vermögenswertes. Innerhalb von 50 Handelssitzungen mussten die Teilnehmer entscheiden, ob sie kaufen, verkaufen oder halten wollten.

So wie das Experiment konstruiert war, lag der Wert eines riskanten Anteils bei 14 Währungseinheiten. Dennoch stieg der Preis im Verlauf des Experiments vorübergehend auf das Fünffache. Es entstand eine Blase, die schließlich platzen musste.

An jeder der 50 Handelssitzungen nahmen zusätzlich zwei Personen teil, bei denen währenddessen Gehirn-Scans angefertigt wurden. Die sogenannte funktionale Kernspintomografie (fMRI) scannt den Blutfluss. Wenn eine Region des Gehirns während einer Tätigkeit einen hohen Level an Blutsauerstoff aufweist, dann ist diese Region besonders aktiv.

„Das erste, was wir sahen, war, dass selbst in einer Umgebung, wo man keine kreischenden Köpfe hat und den Leuten nicht alle Sorten von anderen Information gefüttert werden, können Blasen allein durch die Preisdynamik auftreten“, so Camerer. Dieses Ergebnis widerspricht den Annahmen der Ökonomen, dass Blasen selten sind und durch Fehlinformationen hervorgerufen werden.

Die Forscher unterschieden drei Gruppen von Teilnehmern. Die Teilnehmer in der ersten Gruppe machten enorme Verluste. Sie begannen zu kaufen, als die Preise stiegen, und kauften immer weiter bis zum Platzen der Blase. Die Teilnehmer in der zweiten Gruppe gingen kaum Risiken ein und machten kaum Gewinne oder Verluste.

Am meisten verdienten die Teilnehmer der dritten Gruppe. Sie kauften früh, als die Preise niedrig waren, und verkauften, als die Preise stiegen. „Die Viel-Verdiener sind für uns die interessantesten Leute“, so Camerer. „Sie müssen etwas emotional sehr Schwieriges tun: in einem steigenden Markt verkaufen.

Als erstes untersuchten die Forscher, welche Gehirn-Regionen bei den Teilnehmern besonders aktiv sind, wenn sie die Ergebnisse einer Handelssitzung erfahren. Eine Region mit dem Namen accumbens (NAcc) zeigt bei allen Teilnehmern eine stärkere Aktivität, falls sie gehandelt hatten. Der NAcc steht mit dem Verarbeitungen von Belohnungen in Verbindung.

Überraschend war jedoch, dass die Geringverdiener (Gruppe 1) sehr stark auf die Aktivität im NAcc reagierten. Wenn bei ihnen die stärkste Aktivität gemessen wurde, dann kauften sie eine Menge der riskanten Vermögenswerte. „Diesen Zusammenhang nennen wir irrationale Überschwänglichkeit“, so Camerer.

„Überschwänglichkeit ist das Gehirnsignal, und der irrationale Teil besteht darin, so viele Anteile zu kaufen. Leute, die das meiste Geld machen, haben eine geringe Anfälligkeit für dasselbe Gehirnsignal. Auch wenn sie dieselbe mentale Reaktion zeigen, führt dies bei ihnen nicht zu aggressivem Kaufen.“

Für diese Zurückhaltung machen die Forscher einen Teil der Großhirnrinde verantwortlich, die sogenannte Inselrinde. Diese wurde in früheren Studien bereits mit Risikovermeidung in Verbindung gebracht. Sie hängt zusammen mit negativen Emotionen infolge von Schock, ekelhaften Gerüchen oder sozialem Unwohlsein.

In den Gehirn-Scans der Hochverdiener (Gruppe 3) zeigte sich, dass die Aktivität in der Inselrinde anstieg, kurz bevor die Hochverdiener die Entscheidung zum Verkaufen treffen. „Zu diesem Zeitpunkt stiegen die Preise noch, die Teilnehmer konnten also ihre pessimistischen Vorhersagen nicht auf den aktuellen Preistrend zurückführen. Wir denken dies ist ein reales Warnsignal.“

Bei den Geringverdienern hingegen (Gruppe 1) nimmt die Aktivität in der Inselrinde sogar ab, wodurch ihre „irrationale Überschwänglichkeit“ offenbar freies Spiel hat.

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